Ich hatte heute Mittag zwei Schulstunden lang optisch richtig Spaß. Und das alles habe ich meiner Lehrerin zu verdanken. Die hatte heute nämlich ein total lustiges Kleid an. Das war schwarz, bis zu den Knien lang, hatte einen etwas längeren Reißverschluss an den Ärmeln und am Hals. Es ging kerzengerade runter und war aus einem relativ festen Material, so schaumig. Das Ganze erinnerte mich irgendwie an einen Taucheranzug.

Immer wenn ich sie ansah, habe ich völlig unterbewusst einen Schnorchel in ihrem Gesicht und Schwimmflossen an ihren Füßen gesehen.

Im Laufe der Stunde konnte ich mich nicht mehr auf die gemeinsame Agrarpolitik der EU konzentrieren, sondern fragte mich heimlich, ob sie denn ein Aquarium mit vielen bunten, vermehrungsfreudigen Guppies und einen Gartenteich mit Kois besitzt. Und ob sie regelmäßig in ihren Sommerferien in den australischen Korallen taucht um dort Fische für ihr Tausend-Liter-Salzwasseraquarium zu angeln.

Buaha. War das lustig.

Bio-Lehrer: „Aber ihr könnt das in der nächsten Arbeit so machen wie Jenny immer – ihr schreibt einfach so gut wie gar nix auf Euer Aufgabenblatt. Ich habe weniger zu korrigieren und dazu noch ein schönes Wochenende!“

Ja ja. Immer hacken alle auf meiner Inkompetenz herum. :fowgel

Mein Vater hatte jetzt die überragende Idee, Diät zu machen. Und wenn mein Vater jetzt Diät macht, dann muss unser Hund das auch machen. Als seelische Unterstützung. Zumindest meint das mein Vater. Und hat ihm heute extra Reis aufgekocht mit Möhrchen drin.

Ich persönlich dachte ja zuerst, dass das zum Gulasch gehört, das er zur selben Zeit gekocht hat. Zur Krönung wurde das Ganze noch mit Naturjoghurt angemacht, und dem Hund hingestellt. Der hat mal blöd geschaut. Gut, wenn man mir als Hund Reis mit Möhrchen und Joghurt hinstellt, und sonst das gute Hundefutter gewöhnt wäre, würde ich vielleicht auch so blöd schauen. Zumal ich die Kombination ja auch mal sehr seltsam finde. Reis, Möhrchen und Naturjoghurt. Irgendwie so vegetarisch. Und Hunde sind ja bekanntlich keine Grasfresser.

Und na ja, weil mein Vater ja auf Diät ist und zehn Kilo abnehmen will, sich den Hund jetzt als Unterstützung geholt hat, hat er heute auch gleich zwei randvolle Teller mit Gulasch und Nudeln gegessen. Schließlich reicht es bei ihm ja auch, wenn er nur die Süßigkeiten weglässt.

Ja, ich gebe es zu: Ich bin schrecklich unordentlich. Ich habe zwar Schnellhefter, aber kaum was eingeheftet. Was daran liegt, dass alles in meinem Block liegt. Und mein Block ist irgendwann so dick, dass er ein Brockhaus sein könnte. Das ist der Zeitpunkt, an dem ich mir denke, dass ich mal alles ausräumen und in die Schnellhefter einordnen sollte. Weil: braucht man ja auch mal irgendwann zum Lernen und so.

Deshalb danke ich Marina, die mir ihre außerordentlich ordentlichen Ordner immer ausleiht, damit ich mir sie abschreiben/kopieren kann, und ich alles wieder vollständig habe. Ich danke Marina auch, dass sie immer so geduldig ist, weil ich immer sage, ich schreibe alles innerhalb einer Woche ab und sie ihre Ordner erst wieder fünf Wochen später kriegt. Wenn ich schon dabei bin, danke ich Marina auch dafür, dass sie mir immer Ohrringe mitbringt, wenn ich meine verliere. Ich danke Marina, dass ich immer was von ihrer Apfelschorle bekomme, wenn ich mein Trinken vergessen habe. Und ich danke Marina, dass ich bei ihr die Schulden auch noch Wochen später begleichen kann.

Thank you, merci, danke. Um mal den Titel eines Schlagers von Nicole zu zitieren, den ich früher immer auf der Schlagerkassette meiner Mutter anhören musste.

Heute Morgen bin ich gegen halb sieben aufgestanden. In der Stuttgarter Region – also auch hier – hat es die ganze Nacht geschneit (und es hat immer noch nicht aufgehört), und ich wusste, dass es an solchen Tagen, wenn das erste Mal Schnee fällt, sowieso etwas chaotischer wird als sonst. Ist normal. Keiner psychisch auf Schnee eingestellt und so weiter. Und weil morgens kaum ein Schnee-Wegmach-Fahrzeug in der Gegend herumfährt, und den Schnee von den Straßen wegmacht. Das höchste der Gefühle war die Hauptstraße, und selbst nicht mal da war das überall so.

Ich habe mich extra warm angezogen. Na ja, zwei Paar Socken anstatt einem, ein Top unter den Pulli und einen Schal. Schließlich bin ich jetzt ja auch keine Memme. Der Schnee lag etwa fünfzehn bis zwanzig Zentimeter hoch, um die Zeit war noch keiner wach um ihn wegzuschippen. Ich kam mir vor wie ein Yeti, als ich durch den Schnee zur Bushaltestelle gestapft bin. Das war fast so wie Frühsport. (Nicht, dass ich wüsste, wie Frühsport ist. Aber ich kann’s mir ja vorstellen. Denk ich.) Immer die Beine so hochziehen zu müssen, um den nächsten Schritt machen zu können. Morgen habe ich bestimmt Muskelkater. (Seitdem ich keinen Schulsport mehr mache, kriege ich den ja schon vom Nixtun.)

Mein Bus kommt fünf vor sieben. In der Regel. Heute kam er mit zwanzig Minuten Verspätung. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten waren wir fünf Kilometer und zwei Ortschaften weiter, und ich habe begonnen, zu frühstücken. Zehn Minuten später, fünfhundert Meter weiter, begannen wir im Bus Karten zu spielen. Nochmals fünf Minuten später und nochmals fünfhundert Meter weiter begann ich BWL-Hausaufgaben zu machen, die ich heute eigentlich abschreiben wollte, damit ich nix denken muss. Gegen halb zehn – noch mal fünf Kilometer weiter und zwei Schulstunden später – war ich endlich in der Schule. Wow. Also ich habe noch nie mehr als zwei Stunden für etwa zehn Kilometer mit dem Bus gebraucht. Ich war und bin immer noch echt tief beeindruckt. Mindestens so tief, wie der Schnee morgen hoch liegen wird.

Heute gegen halb fünf am Nachmittag war ich zuhause. Meine Schuhe aufgeweicht. Meine Socken waren klatschnass. Meine Füße gefroren. Ich kniete mich vor die Heizung und betete sie an. Was für eine geile Erfindung.


Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige.

Voltaire

Jenny, 22 Jahre jung. Schon immer in Baden-Württemberg lebend. (Ist froh, dass sie nicht genauso schreibt wie sie spricht.) Hat seit Sommer 2007 das Abi in der Tasche beginnt nun eine Ausbildung zur Mediengestalterin.

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