Archiv der Kategorie WG-Leben
estern Mittag habe ich mich mit meiner Familie in Plochingen getroffen, um dort eine Runde bowlen zu gehen. Als wir dann also in der Stadt waren, verzweifelt den Eingang zum Bowling-Center suchten und zehn Mal die kleine Gasse auf und ab gingen (irgendwie war das auffällig), feststellten, dass es die Bowlingbahn seit etwa drei Monaten gar nicht mehr gibt, stellten wir (nach ungeplantem Hin- und Herlaufen) das Auto in der Türkenstraße ab, entschieden uns gegen die vielen Döberbuden und gingen in Untertürkheim in die „Letzte Instanz“ am Bahnhof, um dort was zu essen. Dort gibt es alle möglichen Arten von Schnitzel: Wiener Schnitzel, Schnitzel Wiener Art mit Pommes oder Spätzle, Schnitzel von der Pute … vom Schwein … eigentlich so ziemlich von allem.
Mein Papa war dann auch das erste Mal seit Einzug bei mir zu Hause, und hat mir angeboten, die ganzen Flaschen, die schon immer in der Küche herumstanden (ok, die Malibu-Flaschen sind von mir) und mir auch schon immer ein Dorn im Auge waren, mitzunehmen (ich glaube, er war verzweifelt). Das fand ich sehr toll. Meine Geschwister verabschiedete ich also mit jeweils zwei Tüten voll leeren Flaschen. Danke, danke. Das gibt Karmapunkte.
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estern Abend gegen halb elf klingelte es Sturm. Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei uns in der WG mal klingelt, strebt eigentlich gegen null. Und wenn es mal klingelt, ist es irgendeiner vom Deutschen Roten Kreuz, der uns Geld abnehmen will. Deswegen war ich auch recht perlex. Und fürs DRK war’s echt auch schon wieder zu spät.
Beim ersten Rangehen an die Sprechanlage bekam ich keine Antwort. Fünf Minuten später klingelte es wieder. Wieder keine Rückmeldung an der Sprechanlage, aber als ich den Türöffner betätigte, hörte ich jemanden hochkommen. Nach einigen Minuten sah ich dann Mitbewohner S. im Treppenhaus, sich schwer ans Geländer lehnend, die Treppen hochschwanken. Als er mich anschaut und meinte „Hihihi! … Hihihihi! Die anderen … schie getrauen schich nich‘ hoch ..!“ war das die Bestätigung dafür, dass er stockbesoffen war. Aber so richtig. Ich fand’s irgendwie lustig. Vor allem, weil bei uns gerade der „Stern“ aufm Klo liegt, aufgeschlagen auf der Seite, auf der groß steht: „Deutsche saufen oft bis zum „Filmriss“!“ Hat er im Laufe des Abends bestimmt auch irgendwann mal gesehen, als er über der Kloschüssel hing.
Betrunkene soll man ja erst mal lassen. Und auf gar keinen Fall mit denen reden. Das ist das Schlimmste. Mach ich grundsätzlich nicht. Also ließ ich ihn erst mal. Mit lautem Rumpeln rumpelte er rumpelnd durch die halbe Wohnung und rumpelte alles um. Ich hatte Angst um das Aquarium. Die Fische schwimmen immer wie wild gegen die Scheibe, wenn sie sich unsicher fühlen.
Als ich wieder nach ihm schaute, war die Haustüre noch offen und auf dem Weg von der Tür bis zum Gang hat er seinen Schlüssel und ein Bifi verloren. Und seine Hose. Er lag halb ausgezogen auf dem Boden, kichernd und mit sich selbst redend. Unter dem Esstisch. Die Nacht war wohl auch nicht sonderlich angenehm, und das Klo schien sein bester Freund zu sein. (Ich fand’s schon immer schrecklich, immer Zimmer neben Klos zu haben! Irgendwann erkennt man die Leute nur noch, weil man weiß, wie es sich anhört, wenn die pinkeln. Ich WILL das nicht mehr!) Heute Morgen lag er jedenfalls laut schnarchend auf dem Sofa (von da aus ist der Weg zur Toilette nicht so weit).
Der hatte jetzt auch jede Menge Urlaub, und ich glaube, er hat nichts anderes gemacht, als sich permanent zuzukippen. Nun ja. Irgendwie muss man ja auch die Zeit rumbekommen und das Geld loswerden.
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itbewohnerin P. ist wieder im Hause. Weil ich nicht wusste, um wie viel Uhr und wie lange sie das Bad morgens blockiert, habe ich am Vorabend schon mal alles, was ich so benötige und im Bad liegt, in mein Zimmer geschleppt. („Alles“ ist eigentlich nur meine Kontaktlinsenbox.)
Und mein Morgen war voll weiblich. Um halb acht morgens ging der Fön an. Der Fön. Um HALB ACHT. Da bin ich quasi noch im Tiefschlaf. (Das stimmt eigentlich gar nicht, weil ich meinen Wecker ab sieben im Neun-Minuten-Takt klingeln lasse, aber das ist was VÖLLIG anderes.) Dann habe ich eine Weile nichts mehr gehört, und kurz nach acht war das Bad frei. Als ich das Bad betrat, roch das ganze Bad nach Mädchen-Parfüm.
Aber lieber Mädchen-Parfüm von neuer Mitbewohnerin P. am Morgen als ungespülte Töpfe in der Küche von Ex-Mitbewohner F. am Abend.
Da muss man schon Kompromisse eingehen.
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iermit kann ich feierlich verkünden: die neue Mitbewohnerin P. heißt nicht Steffi. Und weil ich deshalb so glücklich bin, habe ich meine Tampons auch wieder zurück in die Toilette gestellt, um sie schwesterlich zu teilen.
Mitbewohnerin P. wollte eigentlich – wie ausgemacht – gegen sieben da sein, um sich ihre Schlüssel abzuholen. Und weil ich angenommen hatte, Mitbewohner S. sei – wie besprochen – in München, bin ich früher aus der Agentur um ja pünktlich zu Hause zu sein.
Fakt war: Mitbewohner S. hat die Abreise nach München auf heute verschoben und Mitbewohnerin P. kam erst gegen acht. Schön war allerdings, dass der ehemalige Mitbewohner F. seine Sachen in der Küche gespült und aufgeräumt hatte. Ohne Ermahnung.
Und weil ich gerade voll im Flow war, habe ich halt den Rest aufgeräumt und sogar noch total das Bad geputzt. Außerdem habe ich dort den großen Schrank erobert, den Mitbewohner F. damals hatte. Nun kann ich da meine ganze Schminke einräumen, die ich nicht besitze. Aber das Schmink-Untensilien-Defizit wird bestimmt bald ausgeglichen werden.
Mitbewohnerin P. holte sich also gegen acht ihre Schlüssel, und das war’s. Danach war sie weg. Da war ich schon etwas verwirrt. Soll das alles gewesen sein?
Den Rest des Abends verbrachte ich dann – weil ja keine Action mehr war – vor dem Fernseher. Er begann mit einem heftigen hin- und herzappen zwischen „Die Super Nanny“ und „Während Du schliefst“ und endete mit „Charlotte Roche unter Bestattern“. Bestatterin ist nämlich mein eigentlicher Traumberuf neben Stadtbahnfahrerin. Da will man nicht ständig mit seinem supertollen Können andere Leute abstechen ausstechen wie im Medien-Bereich, sondern da sind die Leute schon tot und man will nur noch, dass sie einen schönen Abgang haben.
Zu guter letzt habe ich mir dann beim Weg vom Bad zurück in mein Bett fast alle Knochen gebrochen, weil ich dachte, ich finde den Weg zurück auch im Dunkeln. Nun ja.
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estern wollte ich eigentlich nur mein nicht mehr gebrauchtes Geschirr aus dem Zimmer bringen, als ich sie das erste Mal sah: meine neue Mitbewohnerin, die sich die Wohnung anschaute. Und nicht zu vergessen: ihren Freund, der mich immer wieder von Kopf bis Fuß fassungslos musterte. Ich glaube, das lag an meiner roten Hose, dem bunt bedruckten Shirt und den drei Piercings im Gesicht. Das scheint man in Leipzig – denn da kommen beide her – nicht zu kennen. Immerhin stand ich nicht wie letztes Mal im geringelten Schlafanzug vor den neuen eventuellen Mitbewohnern – weil mir ja in der WG nie jemand Bescheid sagt!
Dass Mitbewohner F. auszieht, habe ich auch nur zufällig erfahren, als ich neulich in die Küche ging, und in der Wohnung Leute traf, bei denen ich dachte: „Wow, Freaks ..!“ Das denke ich mir öfter, nur in der Regel sind das dann die Freunde von Mitbewohner F. oder S. und keine potentiellen neuen Mitbewohner.
Meine neue Mitbewohnerin hat einen Namen, den ich aber schon wieder vergessen habe – rein vom Aussehen und von der Ausstrahlung her könnte es aber eine Steffi sein. Und so lange sie keinen Dreck in der Küche macht wie Mitbewohner F. ist es mir auch völlig egal. Hauptsache sie ist ordentlich und benutzt meine Tampons nicht ohne mich zu fragen.
Jedenfalls zieht Mitbewohner F. heute aus und „Steffi“ ein. Deswegen muss ich heute auch zu Hause bleiben, schließlich muss auch jemand die Gute in die Stube lassen. Denn Mitbewohner S. ist ab heute bis Sonntag ordentlich auf dem Oktoberfest einen trinken. Auf dem Cannstatter Wasen war er ja gestern Abend schon („Ich habe keine Fragen mehr an dich … ich komme gerade ausm Bierzelt …“). Und man muss ja schließlich variieren.
Ich weiß nicht, wohin das Ganze führen wird. Aber ich hoffe mal in eine zukünftig ordentliche Wohnung. Bitte schließt mich dafür in Euer Abendgebet ein.
Danke.
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