30. November 2006

Rosarote Einladungen

Marina und ich haben demnächst – und vor allem – am selben Tag Geburtstag. Das ist nicht nur ein lustiger Zufall, sondern auch noch total praktisch, schließlich muss man den ganzen Kram für eine Feier nicht alleine planen. (Faule Sau! Ich weiß.) Wir dachten uns nämlich, dass wir wieder zusammen feiern, und ganz traditionell Einladungen schreiben. So wie in der Grundschule damals.

Wir haben beschlossen, dass ich mit dem Bus zu ihr fahre, ein Dörflein weiter, und sie mich dann abholt. Ich steige also kurz vor drei Uhr in den Bus, komme an der ausgemachten Bushaltestelle an, und sehe keine Marina. Das ist echt seltsam, weil Marina (eigentlich) immer pünktlich ist. Ich bin also dann allein zu ihr gelaufen. Und was macht die Alte?
Ich klingel‘, ihre Mutter öffnet erstaunt die Tür. „Oh, ich glaube Marina schläft.“ Ich trotte also hinter ihr her, und ich musste entsetzt feststellen: Marina ist auf ihrem Sofa eingeschlafen, während Zwei bei Kalwass. Völlig verpeilt schielt sie mich an, murmelt unverständliches Zeug, hebt ihre Hand, krempelt ihren Ärmel zurück, starrt auf die Uhr und meint: „Oh. Scheiße!“

Dann haben wir angefangen, unsere Einladungen zu schreiben. Dreiundzwanzig Einladungen an etwa vierzig Leute. Und jeder hat einen eigenen Einladungstext bekommen, die ich mir ausdenken musste, schließlich bin ich die Kreativere hier. Macht aber auch nix, Marina hat dann schließlich die Einladungen geschrieben, die an Leute gingen, zu denen uns nicht sooo viel Lustiges einfiel.

Das Ganze hat dann fast zweieinhalb Stunden gedauert. Ich dachte, mir fällt mein Arm ab. (Wie mache ich das morgen nur mit dem Schreiben während der vierstündigen Deutschklausur?) Aber nun sind sie endlich fertig, und wir – ähm – waren es auch. Zumindest geistig, so dass wir uns zum Schluss beim Warten auf meinen Bus nur noch daran erfreuen konnten, wie die Leute am Ortseingang geblitzt wurden. Zu mehr hat’s nun echt nicht mehr gereicht.

Jetzt sind wir in Besitz von dreiundzwanzig rosaroten (schnuffig, ne?) Einladungen, die morgen verteilt werden.


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21. November 2006

Sport in school is cool

Jeden Tag, wenn ich die drei Stockwerke zu mir hoch ins Klassenzimmer gehen muss, laufe ich an der Pinnwand im ersten Stockwerk vorbei. Dort ist ein super Poster aufgehängt, dessen Erfinder ich in diesen Augenblicken immer ganz gerne umbomben möchte. Zwei kleine Jungs im Schwimmbad, lachend und fröhlich im Schwimmbecken plantschend. Und ganz groß steht drüber: Sport in school is cool.

Schon irgendwie gemein, das ins unterste Stockwerk aufzuhängen. Wenn ich noch zwei Stockwerke hoch muss. Soll wohl zur Motivation sein oder so. Ich sehe das eher als… Provokation. Mobbing! Die zwei Jungs wurden doch bestochen mit Unmengen von Geld Happy Meals, das Foto schießen zu lassen. Und das fröhliche – höchst wahrscheinlich gefakte Lachen – hat bestimmt noch extra Chicken McNuggets gekostet. Muss ja alles echt aussehen.

Schulsport ist mit Sicherheit nicht cool. Wer das behauptet, bekommt doch Geld für diese Aussage zugesteckt. (Oder ist ganz einfach nicht mehr ganz bei Trost.) Hätte ich Geld pro Depression bekommen, die durch Sport ausgelöst wurde, wäre ich heute wohl schon Millionär. (Heute habe ich (dank erschmuggeltem Attest) kein Sport mehr. Dafür habe ich ja noch BWL.)

Tanzen. Rhythmische Sportgymnastik – sowas Lustiges wie mit so Stöckchen und Bändchen dran herumwedeln – dafür bin ich nicht gemacht. Nach der glatten sechs im Tanzen und nachdem selbst meine Sportlehrerin letztes Jahr an mir verzweifelt ist, weil ich partout mein Bändchen nicht so schwingen konnte, wie sie es wollte, dachte ich mir, ich gebe einfach auf mit dem Sport. Pure Resignation war das. (Eigentlich habe ich es ja schon davor aufgegeben, aber das muss ja auch nicht jeder wissen.) Schließlich mache ich lieber gar nichts als ständig die Knoten aus meinem verkuddelten Band zu lösen oder mich komisch anschauen zu lassen, weil ich so elegant aussehe wie ein Elefant mit rosa Schirmchen.

Nö. Sport in school ist definitiv nicht cool. Irgendwann reiße ich das Poster ab. Aus Frust oder so.


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16. November 2006

Nur mal so

Unser Berufsschulzentrum, in dem sich auch meine Schule befindet, hat einen hohen Anteil an türkischen Schülern. Leider sind viele dieser türkischen Mitschüler türkische ‚Gangster‘, mit denen man sich lieber nicht anlegen sollte, sonst hat man schnell mal die Faust auf dem Auge, was mir schon zwei Mal passiert ist.

Ziemlich viele von diesen gehen auf das BVJ. Die wird meistens von Schülern besucht, die es nicht geschafft haben, den Haupt- oder Realschulabschluss zu machen und immer noch schulpflichtig sind, oder für Leute, die nach der Schule nichts zum Arbeiten gefunden haben. Dieses BVJ ist leider ein teil der kaufmännischen Schule, also meiner; deren Schüler sich zwei Etagen unter unserem Stockwerk befindet.

Da läuft man sich öfters mal über den Weg.

Wenn man tolerant ist, gewöhnt man sich an recht viele Dinge. An dieses „Alter, krass weisch Du“, an das, dass Türken im Bus nur türkisch sprechen (schreien) oder das Handy laute türkische Musik spielt. Ich hätte Türkisch problemlos als zweite Fremdsprache wählen können, genug Leute um meine Sprachkenntnisse zu fördern hätte ich ohne Probleme gefunden.

Ich störe mich selten an anderen Menschen. Schließlich laufen mir täglich genug über den Weg. Und ich habe gewiss auch kein Problem mit Ausländern. Aber dieses Verhalten ist einfach total penetrant, und ich bin froh, wenn ich irgendwann mal weg von dieser Schule bin.


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4. November 2006

Ich bin ein Landei

Ich freue mich schon irgendwie wieder auf Zuhause. Bei meiner Mutter in München werde ich zwar top versorgt, dennoch finde ich es komisch, mit ICQ zu chatten, immerzu Schlager hören zu müssen, dass man zu Wecken Semmel sagt, meine Mutter Weißwürste zum Frühstück will, in der Großstadt alle hetzen, und es selbst sonntags Brötchen Wecken zu holen gibt. Außerdem laufen mir daheim nicht immer alte Omas über den Weg, das Haus hier ist ursprünglich eigentlich für ältere Leute gedacht, die nach der Rente hier wohnen.

Hier draußen im Gang hängt auch so eine Plüscheule an der Wand, die ist voll schnuffig. Ob das auffällt, wenn ich die mitnehme? Ich könnte ja dafür einen Kürbis auf den Ast stellen, da hat meine Mutter noch ein so paar kleine über hier. Ob Kürbis oder Eule ist doch auch vollends Hupe.

Jedenfalls darf ich morgen noch die ganzen Hausaufgaben machen, die ich die ich in der letzten Woche Ferien ganz und gar verdrängt habe.

Ach, ich freu‘ mich schon irgendwie auf Zuhause.


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31. Oktober 2006

Halloween

Ich habe gerade von meinen Brüdern mitbekommen, dass es bei uns heute die ‚Halloween-Extreme-Gammel-Sauf-Party‘ gibt, unten im Keller im Partyraum.

Na ja, so richtig stören tut mich das ja eigentlich nicht. Das Einzige, das stören könnte, ist, dass neben meinem Zimmer das Klo ist, das wohl einige mitten in der Nacht dann lautstark aufsuchen werden.
Mein Plan ist ja, dass ich heute Mittag nochmals schlafe (lange schlafe), und dann heute Abend aufbleiben werden um vorzubeugen, dass sich die Leute in der Tür irren und womöglich meinen Schreibtischstuhl für das Klo halten. Man kann ja nie wissen.

Vielleicht sollte ich aber einfach auch mitsaufen, so eine Flasche Bier wäre wohl ausreichend, um mich ins Land der Träume zu befördern. Dann würde es mich glaub‘ auch nicht mehr stören, wenn einer schreiend das Klo aufsucht. Und um zu vermeiden, dass man mein Zimmer betritt, lege ich mich einfach vor die Tür zum Schlafen. Soll ja schon mehrere nicht gestört haben, wo sie schlafen, wenn sie dicht sind.

Hach ja. Ich mache mir heute auch wieder Gedanken um Sachen.


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