Gestern war absolut nicht mein Tag. An solchen Tagen sollte man sich in einen schalldichten Raum einschließen, in dem ein Bett steht, und den ganzen Tag einfach nur schlafen. Da kann man einfach nichts falsch machen.
Bin also gestern Morgen aufgestanden. Und nachdem ich eine E-Mail, einige Kommentare und sonstiges geschrieben hatte, habe ich festgestellt, dass ich a) immer mal irgendwelche Wörter in Sätzen vergessen hatte, b) ich alles so formuliere, dass mich ja keiner verstehen kann und c) ich es für heute lassen sollte.
Dann dachte mir, dass ich kurz in die Stadt fahre, um mir eine neue Jacke für den Winter zu kaufen plus neue Kontaktlinsen und Zubehör. Bin dann gegen zehn Uhr mit dem Bus los.
Ich schlender ganz gemütlich durch die Stadt. Nach einer Weile bemerkte ich, dass mich alle Leute so anstarrten. Also schaute ich ganz automatisch herab, und bemerkte, dass ich meinen Pulli links herum trug. Links herum! (Wie kann man denn das nicht bemerken?) Ich bin daraufhin schnell in das nächste Kleidergeschäft und habe mich dort ‚richtig‘ angezogen.
Als nächstes bin ich in den C&A. Dort habe ich nach meiner Jacke gesucht. Nachdem ich endlich eine Jacke ohne irgendwelchen ‚Puschel‘ dran gefunden hatte, dachte ich mir, probiere ich die mal an. Die Jacke musste man mit einem Stab holen, der vorne eine Art Haken hatte, da sie weit oben hing. Gut, mache ich also, und irgendwie gelingt es mir, drei weitere Jacken mitzuziehen, die dann erstmal alle lustig auf mich draufplumpsten.
Und die Jacke passte dann letzten Endes nicht mal.
Dann bin ich erstmal nach Hause. Frisch fröhlich frech in einen Reisnagel getreten. Mir vorgenommen, endlich (wieder) mal mein Zimmer aufzuräumen. Irgendwann dann bekam ich furchtbare Kopfschmerzen. Gegen zwanzig Uhr bin ich dann schlafen gegangen.
Aber wie das so mit den Arschlochtagen ist, da wird sowieso nicht erfüllt, was Du Dir wünschst. Das heißt, ruhig schlafen war einfach nicht drin. Als ich knapp am Einschlafen war, hat meine Schwester direkt über mir ihre Musik recht laut aufgedreht. Bin dann extra aufgestanden, habe zu ihr hochtelefoniert und gebten, sie möge ihre Musik leise machen. Wieder hingelegt.
Etwas später klopft dann mein Vater an meine Tür. „Was machst Du?“ „Nach was sieht es denn aus?“, grummel ich. „Hm, der PC ist aus – dann kannst Du entweder nur essen oder schlafen. Hm, im Dunkeln kann man nicht essen. Also schläfst Du. Ok. Gute Nacht!“ Hundert Punkte.
Etwas später ging dann der Fernseher laut los. Parallel dazu wieder die Musik meiner Schwester. Ich war nah an einem Nervenzusammenbruch. Habe schließlich wieder gebeten, leise zu machen, und dann ging’s. Ich bin endlich eingeschlafen.
Hm. Und an einem solchen Tag mache ich mich über meinen Vater lustig, dass er aus Versehen die gekaufte Ware an der Kasse eines anderen Kunden einpackt. Ich weiß auch nicht.
Das war einfach nicht mein Tag gestern.
Als ich klein war, machte ich mir nie irgendwelche Gedanken über unsere Dialekt. Für mich war es normal, schwäbisch zu reden, und die ‚im Fernsehen‘ waren diejenigen, die doch absolut nicht richtig sprechen konnten. Überhaupt klang ‚unsere Sprache‘ doch viel schöner als dieses ‚eingebildete Hochdeutsch‘.
Wenn man dann in die Schule kommt, wird man dann förmlich desillusioniert. „Ihr seid jetzt in der Schule, und da lernt ihr richtiges Deutsch.“
Da heißt es nicht mehr ‚dem Papa sein Fuß‘ sondern ‚der Fuß des Vaters‘ – und der Fuß war auch nicht mehr das, was er einmal war, denn der hieß ab sofort ‚Bein‘. Auch die bösen Dinger, die mich nachts im Sommer stachen, waren ‚Stechmücken‘, und keine ‚Schnacken‘. Und ‚Mucken‘ waren ‚Stubenfliegen‘.
Auch das mit den Zeiten war seltsam, ich verstand damals nicht, warum ich nicht mehr „ich habe das gemacht gehabt“ sagen durfte und stattdessen nun belehrt wurde, dass es „ich hatte das gemacht“ hieß.
Ja, die Umstellung der ‚Sprache‘ ist schon nicht ganz leicht für uns schwäbischen Kinder gewesen. Viele verfielen vor Verwirrung oft ins ‚Schwäbisch-Deutsch‘ und das klang noch schlimmer, als das Urschwäbisch selbst. Auch viele Lehrer hatten es auch bestimmt nicht leicht mit uns gehabt. Schließlich gab es auch einige trotzige Kinder, die voller Wut ihren Dialekt verteidigten und behaupteten: „Des hoißt net ‚Fliegenklatsche‘ des hoißt ‚Muggabatschor‘!„
Aber im Großen und Ganzen gabe es doch schon einiges, was sich sprachlich gelohnt hat, zu ‚verlernen‘.
Denn wenn man auch vieles ausrotten konnte, es gibt bis heute noch etwas, das viele Schwaben nie verlernen werden. Das fiel mir auf, als ich letztens einen Schwaben im Fernsehen reden hörte.
Es gibt da bestimmte zwei Wörtchen. Und immer, wenn diese zwei Wörtchen fallen, erleide ich physische und psychische Schmerzen, weil sich das doch selbst in meinen Ohren grauenhaft anhört. Der Übeltäter heißt der wo.
Der wo tritt überall bei uns auf, in der Definitionen verlangt werden. Und das passiert in meinem Klassenzimmer recht oft. Der wo hat so oft seinen Auftritt, dass es meine Deutschlehrerin schon aufgegeben hat, vom der wo-betroffene Schüler die ganze Zeit zu korrigieren. Der wo will berühmt werden. Der wo will gelesen werden. Und deshalb schmuggelt er sich immer wieder in die Köpfe und in das Geschriebene. Der wo ist irgendwie einfach unausrottbar.
Es gibt deshalb einen Wunsch, den ich schon länger hege:
Der Mensch, der wo das erfunden hat, mit dem würde ich gerne mal ein ernstes Wörtchen reden. Ja. Und damit die Welt verbessern.
Ich hatte schon fast immer recht schlechte Augen. Als ich neun Jahre alt war, hatte ich eine Brille bekommen (auf die ich damals sehr stolz war), und als ich fünfzehn war, bin ich auf Kontaktlinsen umgestiegen. Darauf hat mich meine damals beste Freundin gebracht, mit dem Argument, dass mich dann der Junge, in den ich damals unglaublich verknallt war, endlich registrieren würde.
Der Junge registrierte mich nicht, dafür aber meine Freundin.
Jedenfalls bin ich immer recht gut mit Kontaktlinsen ausgekommen. So gut, dass ich nicht mal mehr eine Brille brauchte. Ich ging jedes halbe Jahr zum Arzt, um mir meine Kontaktlinsen für das nächste halbe Jahr zu kaufen, reinigte sie anständig und alles war gut.
Mit der Zeit wurde ich immer nachlässiger. Eines Abends hatte ich bei einer Freundin übernachtet, die auch Linsen trug. Ich hatte damals meine Box für die Linsen vergessen und war kurz davor, deswegen wieder nach Hause zu gehen. Meine Freundin meinte damals aber: „Ich tu‘ meine Linsen gar nicht mehr aus den Augen, das geht auch.“ Ich war recht verwundert, tat es ihr aber nach.
Am nächsten Morgen war es zwar etwas komisch, der Blick etwas unscharf, aber es ging. Und von mal zu mal wurde es dann zur Angwohnheit, und das endete damit, dass ich sie ein ganzes halbes Jahr am Stück (!) in den Augen ließ. Und meine Augenstärke sich auf dem einen Auge um eine Dioptrie (!) verschlechterte.
Da ich echt schon kurzsichtig genug bin (-5,25 und -6,5 Dioptrien), war ich geschockt, und begann sie mehr oder weniger (eher weniger) wieder über Nacht ’raus zu machen. Aber es ist einfach nun mal so: Ich bin vergesslich, und so vergesse ich auch hin und wieder mal das Rausmachen.
Erst vor etwa ein, zwei Wochen habe ich bemerkt, dass ich einen Riss in der Linse hatte. Das geht schon noch mit dem Tragen, ist aber nicht so gut fürs Auge. Und als ich heute Morgen feststellte, dass meine Linse sich komisch anfühlte, nahm ich sie aus dem Auge, um sie zu reinigen. Dabei fiel mir auf, dass ein Stück Plastik (oder was auch immer das ist) fehlte. Und damit bin ich irgendwie die letzten paar Tage herumgelaufen. Irgendwie faszinierend wie das eigentlich ging – und erschreckend auch.
Was ich damit sagen wollte: Ich muss das ändern. Um es ändern zu können, brauche ich etwas, das mich daran erinnert. Deshalb der Eintrag.
*virtuelle To-Do-Liste herauskram*
To-Do-Liste:
- Essay schreiben
- BWL wiederholen: Kosten- und Leistungsrechnung
- Erinnerungszettel schreiben: Kontaktlinsen
Erledigt.
Ich besitze seit einigen Jahren kein Handy mehr. Seit ich vor etwa vier Jahren eine Handyrechnung von etwa siebzig Euro hatte, habe ich mein Handy weggegeben und mir nie wieder eines angeschafft.
Etwa neunzig Prozent der SMS und Telefonate waren total überflüssig und ich habe beschlossen, mein Geld nicht weiterhin in meist mehr als unnötige SMS und Gespräche zu verschwenden, und diese Einstellung blieb also bist heute bestehen.
Da es aber ja heutzutage ja schon fast eine Seltenheit ist, kein Handy zu haben, wird mir immer wieder mit großen Augen und verwunderndem und auch etwas ironischem Unterton folgende Frage gestellt: „Wie, Du hast kein Handy?!“ (Wo lebst Du denn? Hinterm Mond?)
Aber ich muss sagen, dass ich auch gut ohne Handy auskomme. Es gibt wirklich keinen Zeitpunkt, in dem ich es vermisst oder gebraucht hätte. Und das hätte ich vorher auch nie gedacht – dass es geht, ohne ein Handy auszukommen. Vor allem heute, wo eigentlich schon fast jeder eines besitzt, und es zur Standardausstattung gehört.
Als ich heute ausnahmsweise mal eine SMS schreiben musste, hatte ich mir das Handy meines Bruders ausgeliehen, und ich musste verzweifelt feststellen, dass auf den Tasten keine Buchstaben und Zahlen mehr zu erkennen waren. Nach einem kläglichen Versuch habe ich aufgegeben.
Ich glaube, nein, ich muss zugeben, in dieser Hinsicht bin ich wohl einfach wirklich unmodern. Aber es stört mich kein bisschen.
Abgelegt in







