Poser

weiter…

Ich bin gestern erst mal heimgekommen, und war heilfroh, dass Mitbewohner F. von Reis auf Tiefkühlpizza umgestiegen ist. Deswegen hab ich mich hingelegt, mir ’ne Pizza aufn Rücken geworfen und meinem malträtierten Körper etwas Erholung gegönnt.

Ach ja, falls sich wer wundert: Ich habe Sonnenbrand. Immer noch. Also, seit gestern. Das ist ein sehr seltenes Phänomen bei mir, deswegen dachte ich gestern beim Kochen auch, dass die Herdplatte an ist. Als das Wasser aber nach zehn Minuten immer noch nicht gekocht hat, ist mir aufgefallen, dass die Platte gar nicht an war, sondern nur mein Arm heiß. :nixwiss

Aber zurück zum Ort des Peins: dem Pfingstmarkt in meinem kleinen Dörfchen. Morgens um zehn bin ich schon aufgestanden. Da war sogar der Hamster meines Bruders noch wach, dessen selbstgebautes Gehege größer als mein Zimmer ist.
Die Autos haben schon am Ortsende geparkt, weil im Ort kein Platz mehr war oder eben Parkverbot. Ich glaube, der Pfingstmarkt ist neben dem Faschingsumzug eines der bestbesuchtesten Feste hier im Dörfchen, da kommen alle von sehr weit und teilweise auch schon sehr früh her, um alten Trödel zu ergattern, ist also eine sehr gute Einnahmequelle für alle Vereine und Kruscht-Verkäufer. Sonst kommen die Leute nur samstags zu unserem heiß begehrten Bäcker, bei dem man dann noch völlig umsonst in zwei Minuten den neuesten Klatsch und Tratsch mitbekommt.

Warum hier so viele herkommen ist eine berechtigte Frage. Also ich persönlich komme ja, um zu essen … :nixwiss Aber das wird nicht der Grund sein, der auf die Mehrheit der Besucher zutrifft.
Es gibt hier seit zig Jahren eigentlich immer das Gleiche, und immer am selben Standort. Wenn ich also heute auf den Markt gehe, weiß ich genau, wo der Mensch seinen Stand mit seinem sehr genialen Obstschäler stehen hat, den er den alten Omas seit Millionen von Jahren erfolgreich andreht. Ich kenne jeden Pommes-Stand (und wo sie am günstigsten und am teuersten sind, wo sie am besten schmecken und wo nicht), weiß, wo man Klobürsten herbekommt, Schmuck, Handtaschen, Dekozeug, Reizwäsche, Hundefutter, Socken, Kruscht … und wo das Karussel steht. Ich bin jedes Jahr auf diesem Markt. Ich kenne ihn in- und auswendig.

Nun ja, bin also gegen elf Uhr morgens mit meinem Vater, der mit der Musikkapelle bis zwei Uhr mittags spielen sollte, zum Rathaus gelaufen, und hab mich mit meinen Pommes und der Cola auf die sonnige Bierbank gesetzt – ganz vorne hin, in die Groupie-Abteilung, deren Durchschnittsalter um die sechzig war – und hab den Märschen und Polka gelauscht. Drei Stunden. Nach drei Stunden ist mir dann aufgefallen, dass ich unnatürlich rot bin und mich als Grill für rote Würste anbieten könnte. Muss ja immer Wege finden, an Geld zu kommen. Angeborenes wirtschaftliches Denken. Niiicht.

Und weil ich ja so überhaupt nicht das Sonnenkind bin, habe ich auch keine Sonnencreme zu Hause. Und weil der Sonnenbrand nicht genug war, bin ich eine Stunde mit dem Hund Gassi. Barfuß. Und hatte zusätzlich Blasen an den Fußsohlen. An beiden. Und jetzt bin ich körperlich eingeschränkt und habe komische rote Muster auf der Haut. Ich finde, das ist ein sehr guter Start in die beginnende Arbeitswoche.

Habe mein Geld dann heute mal in Sonnencreme investiert, um so etwas in Zukunft zu vermeiden. Sehr sinnig, wie ich finde. (Sinniger als sein Geld auf dem Trödelmarkt rauszuwerfen. Hab tatsächlich nur (Papas) Geld für Pommes, Cola und ’n Spezi ausgegeben.) Sonnencreme kann man bei dem Wetter ja nie genug haben. Ist für Kinder, Lichtschutzfaktor 40. Sollte reichen.

Und die Packung bis zum nächsten Pfingstmarkt. Hoff ich. Muss ja Geld sparen. Angeborenes wirtschaftliches Denken. Niiicht.

Gestern Mittag ging es mit meiner Familie in Plochingen eine Runde bowlen. Um es so zusammenzufassen:

Jenny: „Was guckst Du mich so komisch an?“
Papa: „Ach, Dein ganzes Metall im Gesicht ..!“

Mein Papa wird sich nie daran gewöhnen. Bis ich achtzehn war, hat er sich strikt geweigert, seine Unterschrift auf das Papier des Piercers zu setzen. Ab achtzehn konnte ich das dann selber. Deswegen hat er mich nach dem ersten Piercing mit einem Schraubenschlüssel beworfen. Beim zweiten hat er nur den Kopf geschüttelt. Beim dritten sagte er gar nichts mehr. Aber keine Sorge, mehr kommt nicht dazu.

David: „Ich hab einen neuen Hamster.“
Jenny: „Was ist mit dem anderen?“
David: „Der ist tot.“

Wir haben den ganzen Tag darüber nachgedacht, wie man Davids neuen weiblichen Hamster nennen könnte. Über Tante Emma bis zu Trudl, Müsli oder Cornflake war alles dabei. Müsli habe ich allerdings beim Wettbowlen aus der Auswahl ausgegrenzt. Ob er sich an die Wette hält, muss ich noch abchecken.

Lisa: „Eine Cola Light, bitte!“
(Später.)
Lisa: „Einen Döner, bitte!“

Erst auf die Linie achten, dann Döner bestellen, dem Bruder dann die Pommes und dem Vater den restlichen Döner wegfuttern – und geizig zum Hund sein. Typisch. :nixwiss

Uwe: „Boah, Jenny, Deine Oberschenkel sind viel schmaler, hast Du abgenommen?“

Nein, habe ich nicht. Wenn ich in den Klamottenläden bei Hosen seit neuestem 40 oder gar 42 brauche anstatt meinen frischen 38, habe ich definitiv nicht abgenommen. Aber trotzdem danke.

Ich war in der ersten Runde Erster und in der zweiten Runde Letzter. Lag also ganz gut im Mittelfeld mit meinen Punkten.

Irgendwie lief heute gar nichts so geplant, wie es sollte. Deshalb habe ich mir meine alternative Tagesplanung geplant mit … mir selbst und Kino. Ich war nach einem kurzen Drüberlesen übers Programm zwar nicht unbedingt restlos begeistert, aber da ich sowieso nichts Besseres zu tun hatte, bin ich also zum Ufa-Palast gefahren.

Ich habe mir eine Karte für „Iron Man“ gekauft. Wie ich dachte, dieser Film mit dem Sportler auf Heroin, der den Ironman läuft … ihr wisst schon. Kino 9, Reihe 13, Platz 17. Ok. Also hoch mit der Rolltreppe zu Kino 9. Als ich im dritten Stock ankam, und nur Kino 6, 7 und 8 vorfand, dachte ich, Kino 9 sei im Stock darüber. Da waren aber nur Kino 10 bis 12. Echt komisch. Als ich etwas verwirrt im Kopf hin und her lief, starrte ich auf den Monitor vor Kino 8 und las: „Lauf um Dein Leben.“ Na gut, das wird es schon sein, dachte ich mir. Also ging ich rein. Reihe 13, Platz … 17 gab es nicht. Also setzte ich mich auf Platz 9 und fing an, mein Popcorn zu essen.

Einige Minuten später war mir das schon wieder zu unsicher. Ich meine, wenn ich in Kino 8 bin in Reihe 13 auf Platz 9 anstatt in Kino 9, Reihe 13 und Platz 17 sitze, ist das schon doch etwas komisch. Also stand ich auf, stolperte dem Ehepaar Mitte sechzig über die Füße, fiel fast auf die Oma drauf, und später beinahe die Treppen runter, wobei ich die Hälfte meines Popcorns verloren habe.

Und Kino 9 war ein Stockwerk darunter anstatt drüber. Das soll mal einer verstehen. Aber gut. Immerhin im richtigen Kino …

… dafür aber im falschen Film. Ich wurde schon recht stutzig, als da „A Marvel Production“ stand. Und nach den ersten fünf Minuten wurde mir auch klar: „Iron Man“. Also, wirklich „Iron Man“, nicht der Film mit Heroin-Sportler-macht-Ironman und so. Marvel-Comic-Verfilmung. Also nix wie raus hier. Zurück in Kino 8.

In Kino 8 sah das jetzt schon wesentlich anders aus. Also setzte ich mich diesmal, um nicht wieder über das Ehepaar zu stolpern, weiter vorne hin, hatte ja freie Platzwahl. Als ich dann wenige Minuten später Axel Stein im Film sah, dachte ich mir schon wieder, ich wäre im falschen Film. Schließlich war mein Film voll von Tragik. Und nicht lustig. Und nun ja, er war also tatsächlich ein Teil des Films (der übrigens „Lauf um dein Leben – Vom Junkie zum Ironman“ hieß, und nicht „Iron Man“). Und bei jeder dramatischen Szene … als die Spritzen fleißig in den Armen steckten … wartete ich auf den Gag. Er kam nie. War echt ungewohnt. Tut mir Leid, Axel. Du hast einfach den Komik-Touch.

Letztendlich war der Film aber trotzdem ganz okay. Und immerhin ist es nicht so schlimm, allein im Kino zu sitzen, als allein auf ein Konzert zu gehen. Und nicht so teuer.

Man muss es immer irgendwie positiv sehen.

Die Promille noch fühlbar im Blut bin ich heute Morgen in die S-Bahn gestiegen. Ich stand völlig neben mir und beobachtete mich quasi selbst und konnte mein Verhalten somit genau analysieren. Das Ergebnis der Analyse war recht simpel und schnell erarbeitet: Ich wusste nicht wirklich, was ich eigentlich tat, auch wenn ich es gerade tat. Und die drei Stunden Schlaf waren nicht genug.

Vor mir in der S-Bahn saß eine Frau, die eine Broschüre las. „Leben mit Gott“ oder so etwas Ähnliches. Ich schau sie also an, und frage direkt: „Sie sind ja eine ganz Gläubige, was?“ Die Antwort habe ich auch gar nicht erst verstanden, war eigentlich auch nicht auf Kommunikation aus, schließlich habe ich ja zur gleichen Zeit Musik gehört. Wahrscheinlich sagte sie etwas wie: „Und Sie sehen schon irgendwie aus wie ein Penner, was?“ Hat mich auch gar nicht weiter interessiert, bin kurz darauf nämlich einfach eingeschlafen.

Im Geschäft hab ich dann erst mal meine Mails abgerufen. Hab nur Spam bekommen. Unter anderem mit dem Betreff „You Are Chosen As a Leader For the Mission of God“. Ich vermute das war die Rache der gläubigen Frau.

Trotzdem ging ich wie gewohnt meiner täglichen Arbeit nach. Dabei habe ich mir ständig eingebildet, dass mein Handy vibriert, dabei war das nie der Fall. Bis auf einmal. Da dachte ich, es vibriert nicht, obwohl es vibrierte … Dieser Absatz sagt eigentlich aus, wie ich das heute alles so gehandhabt habe.

Unabhängig davon wurde das Wetter im Laufe des Tages immer beschissener, je nüchterener ich wieder wurde.

Verrückte Welt.