Stadt, Land, Fluss
Damals, als meine Geschwister und ich gerade so weit waren, dass wir schreiben konnten und uns ein wenig Allgemeinwissen angeeignet hatten, spielten wir oft mit meinem Vater „Stadt, Land, Fluss“.
Neben den berühmten Spalten „Stadt“, „Land“ und „Fluss“ gab es auch noch „Pflanze“, „Tier“ und „Musikgruppe/Sänger“. Manchmal ließen wir den Fluss auch weg, der Einfachheit halber.
Beim Buchstaben „S“ in der Spalte „Musikgruppe/Sänger“ hatte mein Vater grundsätzlich „Schweißfuß“ stehen. Er bestand beharrlich darauf, dass es diese Band gäbe, doch wir schüttelten stets den Kopf und ließen die Punkte nicht gelten.
Gestern hatten wir es beim Mittagessen wieder davon … und als mein Vater meinte, wir seien doch so internetaffine Menschen und da „stünde doch sowieso alles drin“, nahm sich das Mr. I zu Herzen, und googelte nach „Schweißfuß“. Und tatsächlich. Über diese Band gibt es sogar einen Wikipedia-Eintrag. Ich kann es immer noch gar nicht glauben.
Echt bitter, wie viele Punkte mein Vater bei diesem Spiel wohl bis jetzt verloren hat, weil wir ihm nie glaubten. Noch bitterer ist, dass wir uns das ganze Leben lang anhören dürfen, wie Recht er doch hatte.
Bizarres/Komisches, Retrospektive
Ab durch die Hecke
Wer wissen will, wie mein Wochenende war: Mein persönliches Highlight war mein Sprung durch die Hecke, der gar nicht als Sprung durch die Hecke geplant war, sondern als Sprung-in-die-Hecke-und-Abprall-Sprung.
Konnte ja nicht ahnen, dass die Hecke nur knapp zwanzig Zentimeter dick war … war jedenfalls völlig verwirrt, als ich plötzlich nach ’nem halben Salto auf der anderen Heckenseite neben einem Teich lag.
Bizarres/Komisches, Kurz & knackig, Retrospektive
Nachtruhe
Gestern ging bei uns die Party schlechthin. Gegen sechs kamen ein paar Jungs zu Mitbewohner F., pressten kräftig vor, verschwanden dann etwas später, um sich das Finale irgendwo in der Stuttgarter Innenstadt anzuschauen.
Gegen zwölf kam der erste Teil merkbar laut zurück, gegen halb eins klingelte der Rest Sturm und die Truppe war wieder komplett.
Gegen halb zwei bin ich dann ins Bett. Kurz darauf hörte ich Schritte im Flur. Irgendeiner blieb vor meiner Türe stehen, drückte dann meine Klinke runter. Als er merkte, dass abgeschlossen war, ging er aufs Klo, und kurz darauf drückte er dann wieder meine Türklinke hinunter.
Ich hatte echt keine Ahnung, was das denn jetzt sollte, aber Betrunkenen traue ich in ihrem Zustand alles zu. Ich dankte meinem tollen Instinkt, die Türe abgeschlossen zu haben.
Etwas später schepperte es deftig im Flur. Einer der Jungs legte sich mit dem Schlafsack auf den Flur, hat wohl ein paar Dinge übersehen, und schien die richtige Schlafposition nicht zu finden. Jedenfalls robbte er durch den ganzen Flur, so dass ich mir glatt überlegte, ihn in den Putzplan in die Spalte „Flur staubsaugen“ einzutragen.
Kurz darauf kam der nächste Betrunkene in den Flur, und stolperte natürlich über den im Flur robbenden Menschen drüber, was dann die nächste Mordsgaudi war. Irgendwann gegen drei Uhr war dann auch mal Ruhe.
Ich bin jetzt natürlich auch fit wies Toastbroat. Immerhin ist die EM jetzt vorbei.
Retrospektive, WG-Leben, Ärgernis
Sonnwendfeier
Am Samstag bin ich mal wieder zurück in die Heimat gefahren, weil in meinem kleinen Heimatdörfchen eine Sonnwendfeier stattfand, wie in den ganzen anderen Dörfchen drumherum wohl auch. Das ist jetzt das dritte Wochenende mit irgendeiner Festlichkeit – aber wie irgendwer kürzlich zu mir sagte … „in ’nem Dorf kann man ja nichts anderes machen außer sich betrinken“. Seh ich zwar nicht so, aber …
… das könnte man glatt so sehen, wenn man die Verkündung der Tombola-Preise mitbekommen hat:
- Platz 5: Zwei Flaschen Wein.
- Platz 4: Eine Flasche Ramazotti.
- Platz 3: Fünf Liter Bier.
- Platz 2: Zehn Liter Bier.
- Platz 1: Eine Ballonfahrt.
Das ist wahrscheinlich die einzige Tombola, in der man als Dörfler nicht den ersten Preis haben will.
Sonst kann ich echt nur sagen, dass man auf dem Lande echt total anspruchslos ist. Ich meine, man stellt ein Zelt auf eine Wiese, verkauft Bier und Essen und die Menschen sind glücklich!
Und nachher setzt man sich mit seinen Freunden vors Feuer, und stellt fest, dass fast neunzig Prozent der Anwesenden von sechs bis zehn siebzehn bis zweiundzwanzig Jahren Pokémon für das beste Game-Boy-Spiel halten (und das vor Tetris!) und man Freunde, die eigentlich schon längst daheim im Bett waren, wieder aufs Fest zurückholen kann, wenn man ihnen verspricht, eine Flasche Bier auszugeben.
Und Bier gab’s ja genug und relativ günstig.
Und das Wegsaufen von Gehirnzellen wird einem dann vom Biertrinker auch ganz rational und in zehn Minuten erklärt, weil man ja auch zwischendrin mal vergessen kann, was man eigentlich genau sagen wollte: „Wenn ein Löwe hinter einer Antilopenherde her ist, reißt er nur die Alten und Schwachen. Und so ist das mit der Zerstörung der Gehirnzellen auch. Erst werden die alten und schwachen Zellen abgetötet.“ Na dann, Prost!
Ich habe mich persönlich ja mit ’ner Cola und drei Portionen Pommes in den acht Stunden begnügt. Fand’s nur doof, dass es ab zwei Uhr morgens keine Pommes mehr gab. Aber man kann ja auch nicht alles haben.
Retrospektive