Archiv der Kategorie Retrospektive

als ich klein war, machte ich mir nie irgendwelche Gedanken über unsere Dialekt. Für mich war es normal, schwäbisch zu reden, und die ‚im Fernsehen‘ waren diejenigen, die doch absolut nicht richtig sprechen konnten. Überhaupt klang ‚unsere Sprache‘ doch viel schöner als dieses ‚eingebildete Hochdeutsch‘.

Wenn man dann in die Schule kommt, wird man dann förmlich desillusioniert. „Ihr seid jetzt in der Schule, und da lernt ihr richtiges Deutsch.“

Da heißt es nicht mehr ‚dem Papa sein Fuß‘ sondern ‚der Fuß des Vaters‘ – und der Fuß war auch nicht mehr das, was er einmal war, denn der hieß ab sofort ‚Bein‘. Auch die bösen Dinger, die mich nachts im Sommer stachen, waren ‚Stechmücken‘, und keine ‚Schnacken‘. Und ‚Mucken‘ waren ‚Stubenfliegen‘.
Auch das mit den Zeiten war seltsam, ich verstand damals nicht, warum ich nicht mehr „ich habe das gemacht gehabt“ sagen durfte und stattdessen nun belehrt wurde, dass es „ich hatte das gemacht“ hieß.

Ja, die Umstellung der ‚Sprache‘ ist schon nicht ganz leicht für uns schwäbischen Kinder gewesen. Viele verfielen vor Verwirrung oft ins ‚Schwäbisch-Deutsch‘ und das klang noch schlimmer, als das Urschwäbisch selbst. Auch viele Lehrer hatten es auch bestimmt nicht leicht mit uns gehabt. Schließlich gab es auch einige trotzige Kinder, die voller Wut ihren Dialekt verteidigten und behaupteten: „Des hoißt net ‚Fliegenklatsche‘ des hoißt ‚Muggabatschor‘!

Aber im Großen und Ganzen gabe es doch schon einiges, was sich sprachlich gelohnt hat, zu ‚verlernen‘.

Denn wenn man auch vieles ausrotten konnte, es gibt bis heute noch etwas, das viele Schwaben nie verlernen werden. Das fiel mir auf, als ich letztens einen Schwaben im Fernsehen reden hörte.
Es gibt da bestimmte zwei Wörtchen. Und immer, wenn diese zwei Wörtchen fallen, erleide ich physische und psychische Schmerzen, weil sich das doch selbst in meinen Ohren grauenhaft anhört. Der Übeltäter heißt der wo.

Der wo tritt überall bei uns auf, in der Definitionen verlangt werden. Und das passiert in meinem Klassenzimmer recht oft. Der wo hat so oft seinen Auftritt, dass es meine Deutschlehrerin schon aufgegeben hat, vom der wo-betroffene Schüler die ganze Zeit zu korrigieren. Der wo will berühmt werden. Der wo will gelesen werden. Und deshalb schmuggelt er sich immer wieder in die Köpfe und in das Geschriebene. Der wo ist irgendwie einfach unausrottbar.

Es gibt deshalb einen Wunsch, den ich schon länger hege:
Der Mensch, der wo das erfunden hat, mit dem würde ich gerne mal ein ernstes Wörtchen reden. Ja. Und damit die Welt verbessern.

***

Wir können alles. Außer Hochdeutsch.

30. August 2006 um 07:44 Uhr

Retrospektive, Tagtägliches

21

Gefällt mir! (0 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

ich hatte schon fast immer recht schlechte Augen. Als ich neun Jahre alt war, hatte ich eine Brille bekommen (auf die ich damals sehr stolz war), und als ich fünfzehn war, bin ich auf Kontaktlinsen umgestiegen. Darauf hat mich meine damals beste Freundin gebracht, mit dem Argument, dass mich dann der Junge, in den ich damals unglaublich verknallt war, endlich registrieren würde.

Der Junge registrierte mich nicht, dafür aber meine Freundin.

Jedenfalls bin ich immer recht gut mit Kontaktlinsen ausgekommen. So gut, dass ich nicht mal mehr eine Brille brauchte. Ich ging jedes halbe Jahr zum Arzt, um mir meine Kontaktlinsen für das nächste halbe Jahr zu kaufen, reinigte sie anständig und alles war gut.

Mit der Zeit wurde ich immer nachlässiger. Eines Abends hatte ich bei einer Freundin übernachtet, die auch Linsen trug. Ich hatte damals meine Box für die Linsen vergessen und war kurz davor, deswegen wieder nach Hause zu gehen. Meine Freundin meinte damals aber: „Ich tu‘ meine Linsen gar nicht mehr aus den Augen, das geht auch.“ Ich war recht verwundert, tat es ihr aber nach.
Am nächsten Morgen war es zwar etwas komisch, der Blick etwas unscharf, aber es ging. Und von mal zu mal wurde es dann zur Angwohnheit, und das endete damit, dass ich sie ein ganzes halbes Jahr am Stück (!) in den Augen ließ. Und meine Augenstärke sich auf dem einen Auge um eine Dioptrie (!) verschlechterte.

Da ich echt schon kurzsichtig genug bin (-5,25 und -6,5 Dioptrien), war ich geschockt, und begann sie mehr oder weniger (eher weniger) wieder über Nacht ’raus zu machen. Aber es ist einfach nun mal so: Ich bin vergesslich, und so vergesse ich auch hin und wieder mal das Rausmachen.

Erst vor etwa ein, zwei Wochen habe ich bemerkt, dass ich einen Riss in der Linse hatte. Das geht schon noch mit dem Tragen, ist aber nicht so gut fürs Auge. Und als ich heute Morgen feststellte, dass meine Linse sich komisch anfühlte, nahm ich sie aus dem Auge, um sie zu reinigen. Dabei fiel mir auf, dass ein Stück Plastik (oder was auch immer das ist) fehlte. Und damit bin ich irgendwie die letzten paar Tage herumgelaufen. Irgendwie faszinierend wie das eigentlich ging – und erschreckend auch.

Was ich damit sagen wollte: Ich muss das ändern. Um es ändern zu können, brauche ich etwas, das mich daran erinnert. Deshalb der Eintrag.

*virtuelle To-Do-Liste herauskram*

To-Do-Liste:
- Essay schreiben
- BWL wiederholen: Kosten- und Leistungsrechnung
- Erinnerungszettel schreiben: Kontaktlinsen

Erledigt.

***

Erinnerungseintrag

28. August 2006 um 12:38 Uhr

Retrospektive, Tagtägliches

17

Gefällt mir! (0 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

vor langer Zeit, im Jahre 1999, reisten meine Familie und ich für drei Wochen nach Amerika, Ridgefield Park, in New Jersey. Dort wohnten wir vorübergehend bei meiner Tante und bei meinem Onkel.

Meine Tante hatte damals einen braunen, alten Toyota, der unglaublich laut war und recht dampfte, wenn er mal fuhr.
Immer wieder besuchten wir tolle Städte, Sehenswürdigkeiten und Fast Food Restaurants. An einem dieser Tage saßen mein Bruder, zwei meiner noch jüngeren Großcousins und ich also auf dem Rücksitz des oben beschriebenen Toyotas, tuckerten friedlich auf dem Highway nach einer Besichtigung irgendwo Richtung nach Hause, als plötzlich die Polizei hinter uns her fuhr, mit Blaulicht und Tatütata, und meiner Tante unmissverständlich klar machte, dass sie rechts ’ran fahren sollte.
Da meine Tante ein anständiger Bürger ist, leistete sie dem also Folge. Sie fuhr rechts ‚ran, und wartete bis der nette Polizist erschien, kurbelte das Fenster hinunter und fragte, was los sei.

Der nette Polizist sagte darauf erstmal gar nichts. Er betrachtete das Auto genau, während meine Tante immer wieder nach hakte. Er bat sie dann schließlich, das Auto untersuchen zu dürfen. Ein Wagen wie ihrer, ein brauner, alter Toyota, wurde als verdächtiges Auto gemeldet, das einem Verbrecher gehöre. Unmissverständlich machte er ihr klar:

„Sie sind ein potenzieller Verbrecher!“

Ich erinnere mich an das Gesicht meiner Tante, als sei es erst gestern gewesen, eine Mischung aus Frustration und Schock machte sich auf ihrem Gesicht breit. Sie begann dem Polizist klar zu machen, dass das gar nicht so sei, sehe sie aus wie eine Verbrecherin und dass sie außerdem „four hungry kids“ in ihrem Wagen habe, und dass das mehr als unhöflich sei.
Nach langem Trara und einer ausführlichen Wageninspektion ließ der Polizist uns also wieder fahren, meine Tante noch völlig außer sich.

Das war ein echtes Highlight für mich gewesen. Bei mir war sonst nie irgendein Verwandter oder Bekannter als potenzieller Verbrecher abgestempelt worden.

***

Sie sind ein potenzieller Verbrecher!

23. August 2006 um 15:18 Uhr

Bizarres/Komisches, Retrospektive

4

Gefällt mir! (0 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

ja, ich habe gerade festgestellt, dass der erste je von mir verfasste Blogeintrag genau vor einem Jahr verfasst wurde, nämlich am 22. August 2004. Und ich würde doch schon sagen, dass das ein Grund ist, um einen etwas umfangreicheren Blogeintrag zu schreiben und ein bisschen zurückzublicken.

In diesen zwei Jahren wurden bis jetzt circa 220 Einträge verfasst und ungefähr 1200 Kommentare abgegeben.

Den ganzen Beitrag lesen »

***

Zwei Jahre

22. August 2006 um 06:52 Uhr

Retrospektive, Station57

5

Gefällt mir! (0 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

ich habe gerade ein bisschen in meinen alten Schulsachen herumgestöbert, und dabei ist mir auch das in die Hand gefallen.

Das waren noch Zeiten Noten…

***

Damals war ich noch mathematisch begabt

21. August 2006 um 01:00 Uhr

Retrospektive, Schule

4

Gefällt mir! (0 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...