Archiv der Kategorie Retrospektive
estern war ich mit meiner Freundin R. in der Stadt. Erst waren wir was essen und anschließend Cocktails trinken. Ich hab mir gedacht, ich probiere mal alle Cocktails aus der Kategorie „Strong“, dann fällt mir das Auswählen nicht so schwer, schließlich gab es ja davon nur vier. Scheinen nicht so beliebt zu sein, deswegen gibt es bestimmt auch nicht so viele.
Zu jedem Cocktail gab es ein Los, mit dem man etwas gewinnen konnte. R. hatte sehr viel Glück. Erst gewann sie einen Salat, dann eine Pizza und einen Gutschein für einen Salsa-Schnupperkurs und dann am Ende mal nichts. Ich gewann erst nichts, dann nichts, wieder nichts und dann auch einen Gutschein für einen Salsa-Schnupperkurs. R. meinte, ich hätte die Lose getauscht, als sie auf Toilette war, aber ganz ehrlich, das habe ich nicht.
Gegen halb zwei holte uns R.s Verlobter ab. Ich weiß gar nicht mehr, wo er uns abgeholt hatte, überhaupt konnte ich mich am Ende gar nicht mehr richtig an Details erinnern. Ach, echt doof, wenn das jetzt mit dem Alzheimer schon anfangen würde, ich bin doch noch gar nicht so alt.
Als wir bei mir waren, haben wir noch zum Abschied Tequila aus der Flasche getrunken, das war lustig. Danach kam ich nur noch schwer die Treppe hoch. Das war blöd. Vielleicht sind meine Ohren ja verstopft, die machen ja das mit dem Gleichgewicht, habe ich mal so aufgeschnappt.
Oh, Du glaubst auch gar nicht, was ich für einen festen Schlaf hatte. (Oder vielleicht waren es doch die verstopften Ohren, ich muss unbedingt mal zum Arzt gehen.) Über Nacht ist hier nämlich einer in meine Wohnung eingebrochen, ohne dass ich es gemerkt hatte. Als ich aufwachte, war ich völlig erstaunt, denn meine Schranktüre war abgerissen und lag auf einem umgekippten Stuhl neben dem Wohnzimmertisch. Und der Einbrecher scheint auch etwas nicht Verträgliches gegessen zu haben, denn er hat auch noch in mein Klo und drumherum gekotzt und dabei den Klodeckel zu Boden gerissen.
Ich frag mich, was der hier klauen wollte, denn mir fehlen keine Wertsachen, echt komisch. Aber er hat wohl meinen Gutschein für den Salsa-Schnupperkurs mitgenommen, den finde ich nämlich nicht mehr.
Liebes Tagebuch – was für ein aufregendes Wochenende! Bald melde ich mich wieder. Jetzt ist es ja auch echt schon spät, ich leg mich jetzt wieder hin, damit ich noch genug schlafen kann. Heute Morgen war mir nämlich komischerweise echt übel. Ich glaube, das lag am fehlenden Schlaf. Deswegen werde ich jetzt auch mal vernünftig sein.
Gute Nacht und viele Grüße, Deine Jenny.
P.S.: Heute ist der Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl.
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rgernis: Ich habe neulich Sahne steif geschlagen. Nach einer halben Stunde hatte ich keine Lust mehr, und hab die Sahne in den Mixer gekippt. Als ich die geschlagene Sahne in den Teller leeren wollte, habe ich statt den Behälter hoch zu heben den Behälter abgeschraubt und das ganze Zeug lag halb auf meiner Hand, halb auf meiner Küchentheke und ein bisschen was davon auf meinem Teppichboden. Ich stand erst mal fünf Minuten lang mit der kalt geschlagenen Sahne auf der Hand da und hab mich einfach nur tot gelacht. Danach war ich mehr als fünf Minuten einfach mal nur putzen.

Bizarres/Komisches: Das ist die Ouzo-Eis-Maschine, eine „Erfindung“ meines Vaters. Sie kam zum Einsatz beim Schurwald-Musikerring-Treffen, einer Veranstaltung, die wahrscheinlich zu neunundneunzig Prozent keiner von Euch besuchen wollen würde.
Bla… Bla… Bla…: Ich werde nach der Sommerpause wieder anfangen, Klarinette zu spielen. Ich brauche ein Hobby. Außerdem möchte ich gerne wieder eine Uniform. Uniformen sind ziemlich cool. Ich brauche einen Beruf mit Uniform! Vielleicht werde ich Stewardess.
Klugschiss: Wenn man bei einem einer Polka mit klatschen möchte, sollte man das erst ab Trio tun.
Kurz & knackig: „Wir haben Ihren Portierungswunsch, bei Ihrem bisherigen Dienstanbieter, neu angefragt. Sobald wir eine Rückinformation erhalten, bekommen Sie bescheid.“ Mein iPhone ist immer noch nicht da. Hallo T-Mobile? Ich werde Euren Hex-Code für das Telekom-Magenta aus Trotz jetzt vergessen.
Musik: Ich hab mir heute alle Musik-Titel auf YouTube von „Zelda – Ocarina of Time“ angehört.
Restmüll: Ein Spiel, bei dem es mich total aufregt, wenn ich verliere: „Super Smash Brothers“. Außerdem surfe ich seit ein paar Tagen mit Opera. Mein Firefox kackt immer ab, und Safari kann ich nicht ausstehen. Ja.
Wohnen: Ich werde der bösen Oma hier ein Ei in den Briefkasten werfen, weil sie mich unglaublich nervt. Muahaha.
Zitate: „Eine Pattsituation ist, wenn man in den Vertania-Wald läuft, nur noch ein Safcon dabei hat, das kein Tackle kann – und auf einen Gegner mit Safcon trifft, das auch kein Tackle kann.“
Gedenktag des Tages: Weltamateurfunktag.
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stern gehört bei mir ja nicht wirklich zu einer der gefeierten Feiertage. Früher haben wir zu Hause immer am Tag vor Ostern selbst unsere Osternester gebaut, nach dem Motto: je größer das Osternest, desto mehr passt rein.
Heute gibt es an Karfreitag weiterhin Fleisch, das Osterfeuer ist nicht wirklich was Besonderes („Soll ich Würstchen mitbringen?“) und ich habe das erste Mal tapeziert. Tapezieren ist echt irgendwie gay. Unter den Umständen war’s aber doch sehr lustig, und außerdem habe ich Tequila dafür bekommen. Und eine kalte Dusche zu Hause, weil das Öl alle ist. (Zumindest fast, wir haben Reserve. Die wurde aber erst nach meinem kalten Duschbad aktiviert.)
Momentan sitze ich vor dem Fernseher und überlege, wofür ich mein erstes Gehalt raushauen soll, bis ich mir wieder vor Augen führen muss, dass ich endlich mal die Reise nach Paris mit meinem Bruder buchen muss. Weil ich meine Wette verloren habe, dass er sein Abi sowieso nicht besser als mit einem Durchschnitt von 2,0 schafft. Als zusätzliche Hürde habe ich ihm die Noten vom türkischen Marsch geschickt, den er aber auch schon spielen kann, verdammt. Und ja, er ist total ehrgeizig und sitzt inzwischen schon morgens um 7.45 Uhr acht Stunden lang da. Und lernt. Das ist ganz schön krank, und ich fühle mich wie in der Irrenanstalt.
Da ich zu doof bin und mir das alles zu unsicher ist, online zu buchen und so weiter (mein Gott, ich klinge schon wie mein Vater), werde ich also die nächsten Tage mal ein Reisebüro mit meinem Besuch beglücken, und mich erkundigen. Plan ist, hin zu fliegen (oder mit der Bahn, je nachdem, was günstiger ist), dort zwei Tage zu bleiben, die Stadt anzusehen (am liebsten irgendwo mit einer Gruppe einen Tag lang, und der nächste Tag mal auf eigene Faust) und dann wieder zurück zu fliegen/fahren. Tipps und Tricks sind gerne willkommen.
Abgesehen davon sind meine Pläne für morgen: Den Inhalt meiner Festplatte in meinem PC auf eine externe verfrachten, mir endlich mal ein Festnetz-Telefon zu besorgen und das Abi-Shirt beziehungsweise Abi-Zeitungs-Cover für meinen Bruder zu gestalten. Und meine Wohnung wieder zu verwüsten. Angefangen habe ich neulich schon mit meinem Klodeckel. Ich will einen neuen, mit Meerestieren drauf oder so.
Gedenktag des Tages: Tag für die Aufklärung über Minengefahr und die Unterstützung von Antiminenprogrammen.
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as hier aussieht wie ein romantisches Candle-Light-Dinner zwischen mir und meinem Laptop, war leider nur ein Stromausfall. Als ich mitten am Aufräumen war (ohohooo). Ich stand also da, auf dem Weg zum Bad (eigentlich ist es völlig wurscht, wo ich stehe, da die Wohnung zu klein ist, als dass es groß einen Unterschied machen würde), als plötzlich das Licht und die Musik mit einem lauten „PENG“ ausgingen – und ich im Dunkeln stand.
Ich starrte eine Weile ins Schwarze und wartete, bis mir einer mit meiner riesigen Bratpfanne eins überziehen würde. Als das nicht passierte, dachte ich an einen Rache-Akt der Oma zwei Stockwerke unter mir auf Grund zu lauter Musik nach acht (die Uhrzeit, an der auch die Haustür abgeschlossen wird). Lag aber wohl doch insgesamt an etwas anderem (ich sollte anfangen, nicht alles so persönlich zu nehmen). Die Quote der Taschenlampe benutzenden Menschen an diesem Abend war nämlich sehr hoch.1
Ich dankte Gott für meinen Hunderter-Pack Teelichter, zündete mir ein paar Kerzen an, und wartete. Und wartete. Ich ärgerte mich über meine zuvor übergeschäumte Fritteuse, weil ich Sanella-Fett benutzt hatte. Sinnierte über den nächsten Tag. Rief mir ins Gedächtnis, dass ich noch meine Wäsche aufhängen muss. Legte mich schlafen. Und als ich da so lag, so fast am Einschlafen, ging das Licht auch schon wieder an.
Am nächsten Tag passte mich die Oma ein Stockwerk unter mir ab, und überlegte, ob der Stromausfall etwas mit meinem Staubsauger zu tun hatte, den ich gestern ja noch – im Sinne des Aufräumens – kurz vor Stromausfall benutzt hatte. Die hat vielleicht Nerven. Wenn ich mit einem Staubsauger mal einem ganzen Viertel den Strom abdrehen kann: yeah. Dann mach ich das wie bei Oceans’s Eleven. Und raub beim nächsten Mal gekonnt den Pizza-Service hier um die Ecke aus.
- Dinge, die ich unbedingt noch brauche (für den Fall der Fälle): eine Taschenlampe. Am besten inklusive Batterien. ↩
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anchmal gibt es Momente, in denen nur für einen kurzen Augenblick die Welt aus den Fugen gerät. Diese Momente sind selten, zeigen einem aber, wie klein man aber eigentlich ist – und wie machtlos manchmal.
Gestern Mittag fielen, als ich auf Arbeit war, mehrere Schüsse draußen auf der Straße. Ich war total perplex, wusste nicht genau, ob ich jetzt möglichst schnell reagieren sollte oder mir denken, dass das alles nur ein schlechter Scherz war. Der leblose Körper am Boden sah von oben merkwürdig irreal aus, und ich fiel in so eine Art Schockstarre. Von unten schrie eine Frau noch „Er hat ihn erschossen!“, mein Chef rief die Polizei und alles ging ganz schnell.
Ich kann nicht beschreiben, was in den Sekunden nach dem Geschehen in mir los war, irgendwie war es so, als ob alle negative Energie, die man in den letzten Wochen, Monaten oder gar Jahren erlebt und erfahren hat, auf mich einstürzten. Ich befand mich in einer Hülle, abgeschottet vom ganzen Rest. Und als der Pizza-Service eine halbe Stunde später kam, klingelte, abkassierte mit den Worten „Das ist hier aber eine gefährliche Gegend“, fühlte es sich so falsch an, jetzt schon zurück in die „Realität zurück zu kehren“. Zu essen. Leute anzurufen, und davon zu erzählen. Darüber zu reden.
Seltsam, dass das hier passiert ist, in einem kleinen, völlig friedlichen Viertel. Doppelt so seltsam, jeden Tag auf Arbeit zu gehen, und die Stelle zu sehen, an dem der Tote lag. Es ist schon fast wieder vergessen, und doch so präsent. Man hört tagtäglich davon und ist extrem abgehärtet, bis es vor der Haustüre passiert. Das ist so bizarr, dass man es nicht in Worte fassen kann.
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