Jun

08

 

Während sich Demonstranten und Polizisten bei Heiligendamm gegenseitig verprügeln, geh ich’s in letzter Zeit friedlicher an. Heute stattete ich zum Beispiel dem Friseur einen Besuch ab. Dafür bin ich schon extra früh aufgestanden. Nun ja, eigentlich hatte ich vor, gegen elf Uhr morgens aufzustehen, aber der nette Nachbar war so freundlich, schon gegen acht Uhr den Rasen zu mähen. So hatte ich schon Zeit, mich psychisch auf den Besuch vorzubereiten.
Hätte ich gewusst, dass das Ergebnis so aussieht, wie es jetzt aussieht, dann wäre ich a) gar nicht erst ins Bett gegangen (um extra lang psychisch vorbereitet zu sein), b) falls doch, gar nicht erst aufgestanden oder c) hätte ich mich in Heiligendamm mitgeprügelt.

Ich bin also gegen zwölf beim Friseur eingetrudelt. Irgendwie sah die Dame am Schalter auch gar nicht aus wie eine Friseurin. Eher wie eine Arzthelferin. Weshalb ich ihr fast meine AOK-Karte mit den Worten „Aber die zehn Euro hab ich schon bezahlt!“ überreichte. Fast.
Ich setze mich also auf den Stuhl, und erklärte ihr, wie ich das alles geschnitten haben wollte. Pony wieder kürzer und hinten halt Spitzen schneiden und abstufen. Nix Kompliziertes, nix Ausgefallenes. Ich bin keines der Kiddies, die aussehen wollen wie Bill von Tokio Hotel. Ich hab doch so wenig Ansprüche. Ich bin so einfach zufrieden zu stellen.
Die Friseurin sah nicht nur aus wie eine Arzthelferin, sie schnitt meine Haare auch wie eine Hausfrau, die sich die Haushaltskasse aufbessern will. Als sie fertig war, war ich schon etwas entsetzt. Der Pony war etwas zu kurz geraten und hatte irgendwie keine konkrete Form. Das sah ungefähr aus wie mein „Ich schneide mir den Pony selber“-Ergebnis vor ungefähr zwei Monaten, als ich mir das Geld für den Friseur sparen wollte.

Dann war ich wieder daheim. Entsetzt war ich noch immer. Ich lief immer wieder zum Spiegel, um zu überprüfen, ob ich wirklich so aussehe, wie ich aussehe. Ich sah tatsächlich bei jedem erneuten Blick in den Spiegel so aus, wie ich aussehe. Schrecklich.

Inzwischen habe ich mich beruhigt. Schließlich muss man alles immer positiv sehen, irgendwie. Haare wachsen wieder nach. Es war immerhin billig. Die Friseurin hat mich nicht zugequatscht, wie es Friseurinnen sonst zu tun pflegen. Die Hauptschülerin Azubine dort war halbwegs unterhaltsam mit ihren Gesprächstthemen, die sie der Omi unter der Trockenhaube unterbreitete. Und zu guter letzt die andere Frau, die immer wieder mal auftauchte, und deren russischer Akzent – sah aus und hörte sich an wie eine aus einer der „Damen über fünfzig“-Telefonsexwerbesendungen. Und das Wichtigste: Der Fototermin für die Abizeitung war vor dem Friseurbesuch und der Abiball ist erst in zwei Wochen.

Immerhin.

Jun

06

 

Für Quetschke. Ich hab’s sogar geschafft, eines ohne Augenringe zu schießen. Und das nach dem Aufstehen. :freu

Memo an mich selbst: Friseur anrufen.

Weil ich ja heute sonst nichts Besseres zu tun hatte, bin ich nach langer Zeit mal wieder ab in die City gedüst, um mir ein paar Klamotten für den Sommer zu besorgen.

Das erste Tolle, das mir auffiel: Am Busbahnhof ist mal wieder ein Optimist in die Mini-Imbissbude eingezogen, die nach vier Wochen eh wieder dicht macht, weil es sich nicht rentiert. (Zumindest ging es den zig Vorgängern so, die ebenso ihr Glück versuchten.) Aber das sag ich denen ja nicht, weil’s jetzt endlich wieder (viel) Pommes für nur einen Euro gibt. Ha ha.

Aber um mal aufs Wichtige zu kommen: ich habe mein Glück im H&M, C&A, Mister & Lady Jeans und diversen Klein-Läden versucht.
Fazit: Trend „Gestreift“ ist endlich schon fast ausgerottet, dafür avanciert jetzt Trend „T-Shirts bis zu den Knien“ in fast jedem Modegeschäft. Gepaart mit Trend „Schwarz, gepunktet/mit Totenköpfen drauf“, Trend „Ballerinas: rot/schwarz/weiß, gepunktet/mit Totenkopf drauf“ und Trend „Haarband/Haarreifen mit diversen Mustern“ ergibt das den momentanen total angesagten „Emo-Look“ für Girls. Sieht zwar ganz niedlich aus, das Tragen überlasse ich aber doch mal trendbewussten Teenagern.

Und ja, eigentlich finde ich im H&M eigentlich immer etwas zum Anziehen, zumindest in jeder normalen Großstadt. Hier, in unserem kleinen Kreisstädtchen, ist das irgendwie nicht so der Fall. Überhaupt sind Größen über 36 hier – was Hosen betrifft – meist vergriffen, oder werden erst gar nicht erst produziert. Also relativ wenig Auswahl für meinen 38er-Arsch. (Nach der Erfahrung versuche ich erst gar nicht, hier etwas für meine Oberweite zu suchen.)
Tops habe ich auch kaum welche gefunden: die meisten entweder viel zu lang oder verziert mit rebellischen Schriftzügen wie „Rock‘n'Roll Princess“ oder „Punk Girl“.

Ergebnis: Da ich nicht so scharf drauf bin, im Hochsommer mit schwarzen Klamotten und wie ’n Pirat herumzulaufen, habe ich sehr lange gesucht, und immerhin ein rotes Tank-Top für mich gefunden. Wunderbar, sage ich Euch. Immerhin Geld gespart.

Ich war heute in Heilbronn, um mir einen Ring durch die Nase stechen zu lassen. Zumindest hatte ich das mal vor. Also, das mit dem Ring. Das war auch kein Thema, bis ich auf der Bank der Piercerin lag, sie mir die Nadel durch den Nasenflügel jagte und immer wieder meinte: „Mensch. Scheiße. Deine Nase. Deine Nase ist einfach viel zu klein!“ (Ich war persönlich ja froh, dass sie die Zange überhaupt in meine Nase bekommen hat.) Und einen passenden Ring für meine kleine Nase hatte sie so spontan auch nicht zur Hand. Beziehungsweise: hatte sie, sah aber scheiße aus. Da war der Ring ja größer als die Nase selbst. „Deine Nase ist für die Ringe einfach irgendwie zu klein. Das sieht scheiße aus!“

Jetzt habe ich einen kleinen Stecker in der Nase. Vorerst. Und wenn man den ungeschickt dreht, dann schaut der sogar aus der Nase und winkt. Weil: Nase ist ja zu klein. Und in vier Wochen geh ich wieder bei der Piercerin vorbei, und lasse mir einen selbst gekauften, kleineren Ring in die Nase pappen, um zu sehen, wie das aussieht.

Mal sehen, was mein Vater diesmal nach mir wirft, wenn er den anderen Piercing bei mir im Gesicht sieht. Bei meinem Labret war’s ja der Schraubenzieher.