Gesucht und gefunden
Ich will ja mal ganz ehrlich sein. Ich habe mich weiterentwickelt. Kaum zu glauben, aber wahr. Aber ich sehe inzwischen ein paar Dinge wesentlich anders, also vor ein paar Jahren. Metamorphose, uuhuu!
Ich blogge jetzt schon seit viereinhalb Jahren. Das ist eine ganze Menge, nämlich zwanzig Komma fünf Prozent meines Lebens, also fast ein Fünftel (!) meiner verlebten Zeit. Das ist ziemlich lange. Und ich fand es immer sehr toll. Ich finde es immer noch toll. Nur war das am Anfang noch was ganz anderes. Da las nicht mein kompletter Freundeskreis mit und auch nicht meine komplette Verwandtschaft, Mitschüler oder Arbeitskollegen (die ich damals noch nicht hatte, aber das ist ja mal völlig wurscht). Inzwischen änderte sich das ja rapide, weil Web 2.0 und so, jeder im Studi, Face Book, … und was es sonst so für Zeug gibt.
Ich war nie ein großer Fan von irgendwelchen Social Networks (oder wie sich das schimpft), weil ich keine Lust habe, dass mich jeder in diesen Portalen finden kann. Ich nutze ein paar Dinge für meinen Blog, eine Galerie für Bilder, ich nutze Last.fm, weil es toll und praktisch ist. Der Rest ist für mich Internet-Prostitution.
Ich bin mir bewusst, dass es hier auf meiner Seite alles Mögliche über mich herausfinden lässt, und mich jeder im Netz finden kann. Eben Internet-Prostitution: Wenn auch kontrolliert, weil ich bestimme, wer hier was liest und welche Bilder von mir eingestellt werden – und nicht jeder Depp mich auf Bildern verlinken kann, die irgendein anderer ins Netz gestellt hat, wie beispielsweise im Studi.
Ja, und das alles treibt mich eben immer mehr in den Zwiespalt: Schreibe ich das jetzt oder lasse ich es bleiben? Ich fühle mich zunehmend eingeschränkt, und das ist scheiße. Ich habe früher tausende dämliche Einträge geschrieben, ohne mich zu fragen, wer es liest oder ob es denn peinlich sein könnte.
Dieser Blog ist wie eine dieser Plattformen, wo man mich finden kann, und ich fühle mich mehr und mehr dazu gezwungen, bestimmte Dinge nicht mehr von mir Preis zu geben, weil alles, was mal im Internet ist, auch wiederauffindbar ist. Das ist vielen, die das Internet nutzen, nicht mal klar.
Ich habe mir oft überlegt, ob ich mir einen neuen Blog auf einer offiziell verfügbaren Plattform eröffnen soll, wo man nicht gleich ergoogelbar ist. Und mir vielleicht einen Nickname zulege, wie SmartBabe85. Oder mir eine geheime Identität verschaffen soll wie Sailor Moon. Aber wir wissen ja: Irgendwie kriegt das Internet uns ja alle. Deswegen ist das alles ziemlicher Bullshit. Außerdem hänge ich an Station57.
Es gibt viele Blogger, die mich immer wieder auf folgenden Gedanken bringen: Ist doch scheißegal, was das Internet denkt. Du bist quasi wie ein Promi, alles von Dir ist irgendwie nachlesbar. Trotzdem finde ich das dann irgendwie komisch, wenn mich jemand darauf anspricht und meint, er hat mich nachgegoogelt. Und gerade im Medien-Bereich ist das ja gängig, schließlich ist man ja mega internetaffin und googelt sowieso alles nach. Damit meine ich auch vor allem in der Zukunft. Wer weiß, was das Leben noch bringt, wo ich mich bewerben und arbeiten werde. Und bevor ich irgendwo neu anfange, weiß die Hälfte des Betriebes, dass ich gerne Pommes esse und Pfandflaschen abgebe, wenn’s am Ende des Monats mal wieder knapp wird. Muss das sein?
Ich bin mir über das alles nicht im Klaren, habe noch keinen Entschluss gefasst. Aber wer sich wundert, warum vermehrt weniger (ah, toll!) – qualitativ und quantitativ – kommt, weiß nun, warum.
Ego & I, Station57
Dinge, die ich nicht kann
Ja, es gibt natürlich Dinge, die ich nicht kann. Genauer gesagt, gibt es sehr viele Dinge, die ich nicht kann. Muss man ja auch nicht alles breit treten. Weil Ego und so. Aber heute sage ich Euch eines, was ich nicht kann: programmieren.
Ich dachte immer, jemand wie ich, der gerne Webseiten bastelt und auch auf Grund der Benutzung von Wordpress und selber Themes bauen und so, könnte ich bestimmt auch programmieren. Wär ja uncool, wenn nicht. Damals, in der zwölften Klasse, mussten wir alle programmieren. Visual Basic. Und das klappte auch ganz gut, weil es genug gab, die schlechter waren als ich. Und weil ich mich darin ja so gut fühlte, machte ich freiwillig noch den Kurs in der dreizehnten Klasse. Und mein Abi darin. Und ich habe festgestellt, dass es genug gab, die besser waren als ich.
Natürlich muss man so einen Scheiß Programmiersprachen auch als Mediengestalter in spe lernen. Oder zumindest mal gesehen haben. Weil Mediengestalter im Bereich der Medien die Deppen sind, und möglichst alles können sollten. Kreativ sein, gute Screendesigns bauen, Flash, HTML/CSS, am besten auch noch das Netzwerk administrieren und natürlich programmieren. Wir sind also Grafiker und Programmierer in einem, nur unstudiert.
Ich kenne mich ja ein bisschen mit PHP aus. Ein bisschen. Minimal. Und ich kann auch ein bisschen rumwurschteln, dass ich irgendwas Tolles mit If-Abfragen reinbaue. Aber das Programmieren lasse ich getrost denen, die es beruflich ausüben: Programmierern. Will ja auch keinem den Arbeitsplatz klauen, dass machen wir Mediengestalter ja schon untereinander.
Ich wurde neulich in der Schule mit meiner Unkenntnis konfrontiert, und war sehr glücklich, als ich meine Aufgaben geschafft habe. Mit der Zahl 50 anfangen und dann im Fünfer-Schritt abwärts bis 0 alle auflisten. In zwei Schulstunden. In PHP. Mit For-Schleife. Ich kann ja eigentlich nur Endlosschleifen. Das ist bei mir gottgegeben. Deswegen war ich auch sehr glücklich, als ich es doch geschafft habe.
Aber hey, ich kann Binär-Code lesen und umrechnen.
Ausbildung/Berufsschule, Ego & I
Organisationstalent III
Ja, mich gibt es noch. Während der Schulzeit schlaf ich ja neunzig Prozent der Zeit, ich bin’s ja eigentlich nicht gewohnt, so viel Zeit zu haben. Wohin auch damit?
- Ich hab bei der IHK angerufen. Poah, bis ich die mal dran hatte, die ich gebraucht habe, ging der Akku meines Telefons zwischendurch mal alle. Der hält aber auch immer nur fünf Minuten … Nun ja, ich hab mir jetzt mein Formular zuschicken lassen, damit ich meine Abschlussprüfung schon dieses Jahr im Dezember machen kann. Hoffen wir, dass mich meine Agentur auch übernehmen kann, wär sonst schon ein bisschen uncool. Uncool ist auch, dass ich weiß, dass ich weitere fünfzig Jahre kontinuierlich arbeiten muss. Aber das sicherlich nicht vor der Kiste, das weiß ich sicher.
- Ich hab meinen Strafzettel bei der VVS endlich bezahlt, weil ich Anfang Januar immer noch mit Dezember-Karte S-Bahn gefahren bin.
- Ich war bei meinem Optiker. Das im rechten Glas sind keine Kratzer sondern „Produktionsfehler“. Wie auch immer, jedenfalls krieg ich ein neues Glas.
- Ich hab mit Erschrecken festgestellt, dass mein Mietvertrag nur noch etwas mehr als ein halbes Jahr läuft. Hab deswegen angefangen zu sparen, so eine Kaution schüttel ich ja irgendwann nicht einfach so ausm Ärmel. Schon gar nicht mit Azubi-Gehalt.
- Ich war übers Wochenende in München. Mein Bruder Uwe ist gefahren, das erste Mal so eine Strecke, seit er den Führerschein hat. Hat er toll gemacht. Als meine Mutter, also gewohnte Nicht-Fahrerin, loslegte, hatte ich wesentlich mehr Angst. Irgendwie verlernt man das Autofahren schon ’n bisschen, wenn man sonst nur die Öffentlichen nutzt. Zumindest glaube ich das … ich hab ja eigentlich keine Ahnung!
Ego & I, Retrospektive
Hey, alles glänzt, so schön neu!
Gestern hab ich sie mir abgeholt: meine Brille. Und natürlich hab ich sie zu Hause gleich aufgesetzt – und was soll ich sagen, ich fühle mich, als würde ich stockbesoffen durch die Welt laufen. Die Optikerin hat mich zwar emotional darauf vorbereitet, dass die Gewöhnungszeit „bei Ihrer Stärke ein bis zwei Wochen“ dauern würde, aber nun ja … man glaubt’s ja erst, wenn man’s selbst mal erlebt hat.
Vor allem heute Morgen, als ich mir die Haare geglättet habe. Das war ja sooo umständlich, weil ich irgendwie gar nicht gecheckt habe, wo sich mein Glätteisen gerade eigentlich befindet. Ich habe mich die ganze Zeit entweder im Spiegel angeschielt, oder an der Brille vorbei rausgeschaut, und mich gewundert, warum ich eigentlich nichts sehe. Deswegen habe ich auch stundenlang das Bad besetzt, und Mitbewohnerin P. kam zwanzig Minuten später zum Zug, als sie eigentlich gewohnt ist. Als ich dann die Welt „draußen“ betreten habe, fühlte ich mich, als sei ich geh- und sehbehindert. Jeder Autofahrer hätte ein leichtes Spiel gehabt, mich einfach so, ohne dass ich es überhaupt merken würde, umzufahren, weil ich im Wesentlichen darauf konzentriert war, einen Fuß ordnungsgemäß vor den anderen zu setzen.
Ach ja, übrigens habe ich es geschafft, schon jenseits Kratzer in meinem rechten Glas zu haben. Laut Optikerin sollte man ja „die Brille mit warmen Wasser und Spüli waschen, und sie mit einem nicht fusselnden Tuch abtrocknen“. Hab’s gestern mit meiner Bettdecke gemacht, und jetzt weiß ich nicht, ob das Kunststoffglas wirklich so empfindlich ist, oder ob der Kratzer schon vorher drin war. Aber nun ja, man glaubt es ja erst, wenn man es selbst getestet hat.
So ganz allgemein würde ich ja sagen, dass Kontaktlinsen vom Sehen her echt mehr deluxe sind. Allein, dass man eben überall scharf sieht. Oder man nur die Augen hochdrehen muss, um oben was zu sehen, und nicht den ganzen Kopf. Oder der Klassiker: kein Anlaufen wenn man von draußen bei den Temperaturen in den Bäcker schlappt! Aber das ist sicherlich alles nur Gewöhnungssache, wie die Optikerin gesagt hat.
… weiter ins All!
Ego & I, Retrospektive
28,25 Stunden wach
Wie immer stellt sich am Ende des Urlaubs auf Grund ungewöhnlicher Schlafrhythmen die Frage: Sehe ich am ersten Arbeitstag aus wie ein Zombie oder lieber am Tag davor?
Ich habe mich für heute – also „den Tag davor“ – entschieden. Da ich es mir in den letzten Tagen angewöhnt habe, regelmäßig gegen vier oder fünf Uhr am Morgen ins Bett zu gehen, finde ich es einfacher, jetzt einfach mal aufzubleiben, heute Abend dann müde und früh ins Bett zu gehen und am ersten Arbeitstag nicht auszusehen wie Michael Jackson ohne Mundschutz.
Ich habe also, nachdem ich eine Runde psychologischen Scheiß gelesen habe, um sechs den Fernseher auf SAT.1 geschaltet und schaue das Frühstücksfernsehen. Da laufen schon zum zweiten Mal die Berichte von der Stunde davor – wahrscheinlich sind die Anmoderationen auch noch die gleichen geblieben, so genau hab ich jetzt gar nicht darauf geachtet. War zwischendurch nämlich am Duschen und Überlegen, ob ich Mitbewohnerin P.s Aufback-Brötchen wegesse. Hab mich dann aber bewusst dagegen entschieden, weil ich ihr zwischendurch mal die Packung Milch geklaut habe.
Inzwischen glaube ich, dass es ganz hilfreich wäre, wenn es langsam mal etwas hell werden würde – so um sieben Uhr in der Früh und auch noch an einem Feiertag lässt sich relativ wenig machen. Ich freue mich heute sogar auf die Sternsinger.
Ego & I

