Archiv der Kategorie Ego & I
ch komme von meinem allerersten Junggesellinnenabschied nach Hause, und bekomme eine Mail, das mein Blog heute sechs Jahre alt geworden ist. Scheiße, meine Freundinnen, die alle jünger sind als ich, fangen an zu heiraten, ich bin nicht mal ansatzweise schwanger, vergesse aber, dass mein Blog heute Geburtstag hat. Ich weiß nicht, wo das hinführt. Vielleicht zur Torschlusspanik oder schlimmstenfalls Midlife-Crisis.
Früher hätte ich zu diesem Anlass ein neues Layout gebastelt, die Stunden und Minuten gezählt, runter bis Null. Heute erfahre ich per Mail, dass ich vielleicht einen Artikel schreiben soll, der das Jubiläum irgendwie beschreibt. Ich bin ja so offline, das ist der Wahnsinn. Hätte ich das damals vor sechs Jahren gewusst.
Heute vor sechs Jahren war ich achtzehn Jahre alt, in der elften Klasse auf dem Wirtschaftsgymnasium (oh mein Gott!) und wusste nicht, wo mich das Leben hinbringen wird. Ich erzählte Euch alles über mich, meinen damaligen Freund, meine Geschwister und das ich unglaublich gerne Zelda spielte. Ich schrieb Artikel über Themen, die ich ich heute verabscheue – diese Tagebucheinträge, was ich den Tag über gegessen hatte – und finde, dass ich unglaublich erwachsen geworden bin. In noch mal sechs Jahren lache ich darüber.
Heute vor drei Jahren war ich einundzwanzig Jahre alt, zog das erste Mal von zu Hause aus, und begann meine Ausbildung. Ich erzählte Euch alles über mich, meine Arbeit, dass wir Bier ab fünf tranken und ich das erste Mal Nike-Schuhe von meinem ersten Gehalt kaufte (was meinen Vater unglaublich stolz machte, wahrscheinlich). Ich schrieb Artikel über Themen, die ich mich heute nicht mehr getraue zu schreiben – Artikel über die Arbeit, weil nicht jeder Arbeitgeber gerne darüber liest, und weil ich darüber nachdenken muss, wer diese Artikel in Zukunft liest.
Heute, vor etwas mehr als einem halben Jahr, bekam ich mein erstes volles Gehalt, zog ich in meine erste eigene Wohnung in eine Stadt, in die ich inzwischen liebe, die ich kennen gelernt habe, als ich voller Hoffnung war, voller Verzweiflung, fröhlich, am Boden zerstört, voller Liebeskummer und letztendlich voller Liebe. Und Angst. Wenn man erst mal irgendwo ankommt, ist die Angst trotzdem da, es zu verlieren.
Heute bin ich vierungzwanzig Jahre alt, sitze hier, vor etwas, das ich vor sechs Jahren durch Zufall erschaffen habe. Ein Blog, der schon sechs Jahre von diversen Leuten mitverfolgt wird, der nicht übermäßig populär wurde, aber auch nicht zu etwas, mit dem ich mich nicht mehr identifizieren kann. Ich liebe diesen Ort – hier zu schreiben. Alles Gute zum sechsten Geburtstag, Station57.
Gedenktag des Tages: Maria Königin.
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ls vor knapp einem Jahr Laktoseintoleranz bei mir festgestellt wurde, dachte ich eigentlich nicht, dass das mein Leben wesentlich beeinflussen würde. Und wer mich kennt, weiß, dass mich so gut wie nichts wirklich aus der Fassung bringt und ich das meiste auf die leichte Schulter nehme – das mit der Laktoseintoleranz habe ich auch als typische Modekrankheit abgetan, die gerade jeder zu haben scheint. Mit der Zeit wurde ich eines besseren belehrt, und wenn ich heute was Ernst nehme, dann die Reaktionen meines Körpers.1
Ich habe inzwischen festgestellt, dass ich zwar ein, zwei Joghurtlöffel oder Stückchen Käse vertrage, aber mit übermäßigem Verzehr von Milchprodukten langsam tun sollte. Im Prinzip hat man als Laktoseintoleranz-Mensch folgende Möglichkeiten:
- Man verzichtet auf Milchprodukte. Ist auf Dauer aber nicht wirklich zu empfehlen und schränkt einen ganz schön ein.
- Man verwendet laktosefreie Produkte. Gibt es immer mehr in den Supermärkten zu kaufen, aber deckt halt noch nicht alles an Milchprodukten ab.
- Man nimmt vor laktosehaltigen Mahlzeiten Tabletten ein, die das Enzym Lactase ersetzen und den Milchzucker abbauen.
- Man isst einfach die ganze Zeit Chinesisch, yammi.
Ich habe gelernt, welche Gerichte Laktose enthalten und einen Rhythmus entwickelt, wann und wie viel ich wovon esse und vertrage. Das fängt beim Frühstück an:
Beim Frühstück lasse ich alles, das Laktose enthält, von vorne herein weg. Auf nüchternen Magen hilft nicht mal eine Tablette – ging eigentlich immer schief, so dass ich morgens beispielsweise Käse oder heiße Schokolade komplett meide. Für Butter habe ich früher Margarine als Substitut genutzt, heute gibt es die laktosefrei.
Mittags, wenn wir essen gehen oder bestellen, versuche ich Gerichte mit Käse oder Sahne zu vermeiden. Eine Tablette hilft zwar beim Verarbeiten der Laktose, leider kann man bei den Gerichten oft nicht wissen, wie viel Käse oder Sahne verkocht wurde, so dass eine Tablette oft nicht ausreicht oder man eben mehr als nötig verbraucht. Die Tabletten sind preislich ganz okay (sechzig Tabletten bei knapp siebzehn Euro bei den stärksten), müssen aber auch nicht im Unverstand verbraucht werden.
Wenn man selbst kocht, ist das Ganze wieder etwas einfacher. Ich handle es so, dass ich, falls vorhanden, laktosefreie Produkte kaufe, die mit nicht laktosefreien Produkten kombiniere (wenn nötig) und mir dafür eine Tablette einwerfe. Anfangs ist man erstaunt, in wie vielen Gerichten Milchprodukte verwendet werden, man lernt aber schnell, umzudenken. Die laktosefreien Produkte sind zwar etwas teurer und schmecken pur etwas süßer, weil die Lactase schon in Glukose und Galaktose gespalten wurde, das wirkt sich aber nicht auf das fertige Gericht am Ende aus. Schmeckt wie sonst auch.
Hier ein Satz, der ein Fazit darstellen soll.
Und morgen im Mach-das-Leben-besser-Ratgeber: Den Chinesen um die Ecke überzeugen, ohne Glutamat zu kochen.
Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Afghanistan.
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Wie isst eigentlich eine mit Laktoseintoleranz?
18. August 2010 um 17:52 Uhr
ch hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wie schlimm das in anderen Städten so ist, aber in Stuttgart kann man am Wochenende keinen Schritt in die Stadt machen, ohne einer Gruppe von Heiratswilligen plus deren Anhängsel über den Weg zu laufen, die einem irgendeinen Scheiß andrehen wollen, den man weiß Gott überhaupt nicht brauchen kann.
Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, weshalb es alle so unglaublich amüsant finden, in der Stadt Leute anzuquatschen, Unterschriften auf weißen Leggins von Frauen zu sammeln und im Vollsuff irgendwo in der Theodor-Heuss-Straße abzuhängen. Und die T-Shirts! Die T-SHIRTS! Oh Mann. Ich sterbe jedes Wochenende mehr an Augenkrebs und dem Lesen von verblödeten Sprüchen.
Aufmerksame Leser wissen, dass ich dieses Jahr als Brautjungfer fungiere. Die Hochzeit findet im August statt, und zeitnah auch der Junggesellinnenabschied. Es wurde von diversen Menschen organisiert, umorganisiert, abgesagt, und letztendlich, nun, wer hätte es gedacht, findet der Junggesellinnenabschied in Stuttgart statt.
Das ist okay, Freunde heiraten schließlich nur ein Mal, da mache ich auch mit ohne zu meckern – ich trinke einfach das Doppelte von allen. Nur bei dem Kauf des Shirts musste ich leider die Spaßbremse spielen – ich ziehe mir nämlich kein Shirt an auf dem steht: „Und alle Bienen freuen sich.“1 (Bei der Braut steht übrigens: „Biene auf dem letzten Flug“, oder so etwas Ähnliches.) Erst recht nicht in einer Stadt, in der ich wohne. Es wird der Abend sein, an dem ich wahrscheinlich allen Menschen, die ich in Stuttgart so kenne, über den Weg laufen werde. Mit einem Haufen voller Bienchen.
Jaha, ich bin ja SO spießig! Mir egal, lasst mich.
Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Mazedonien.
- Sorry, M. ↩
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… angeschnitten, über den Dächern von Paris. Bald mehr dazu.
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eulich stolperte ich über den Trailer des „Facebook-Films“ der da heißt „The Social Network“. Im ersten Moment dachte ich, wer denn auf die Idee käme, einen Film über die Entstehung eines soziales Netzwerk zu drehen (David Fincher, übrigens) – aber wenn man bedenkt, wie viel „Einfluss“ Facebook auf unser Leben nimmt, ist die Überlegung gar nicht mehr so abwegig.
Ich klickte mich, um ein wenig mehr Informationen zu erhalten (sorry, hab mich jetzt echt noch nicht für die Entstehung von Facebook interessiert), auf Wikipedia durch die Links, und las unter anderem den Artikel zu Mark Zuckerberg, Mitgründer von Facebook, in dem Folgendes stand:
Anfang des Jahres 2010 erklärte Zuckerberg in einem Interview mit Mike Arrington von TechCrunch, dass er „Privatsphäre“ nicht mehr zeitgemäß findet. Er begründete seine Ansicht damit, dass die Privatsphäre inzwischen ein überholtes Konzept sei, da mehr und mehr Nutzer immer mehr von sich persönlich im Internet preisgeben.
Ich beschäftige mich, wie den meisten schon aufgefallen sein sollte, immer mehr mit dem Thema – deswegen widert mich diese Aussage auch tierisch an. In erster Linie deshalb, weil sie von einem Mitgründer des momentan größten Social Networks stammt, einem Bereich des Internets, in dem das Thema Privatsphäre eine große Rolle spielen sollte.
Wenig Privatsphäre wäre für mich ein wichtiger Faktor, um mich definitiv nicht anzumelden. Warum? Weil ich die Möglichkeit haben will, mich Freunden/wasauchimmer mitzuteilen, ohne dass die ganze Welt es erfährt. Und Facebook ist dafür recht praktisch, das muss man dem Unternehmen schon lassen. Es gibt nichts Vergleichbares.
Eigentlich waren mir die AGB bei Facebook, als ich dort noch angemeldet war, recht „egal“, sag ich mal. – Okay, die haben meine E-Mail-Adresse. Oh, komisch, Facebook schlägt mir einfach so Freunde vor – die ich auch noch kenne! Wie das denn? Ach, was soll’s … Und die personalisierte Werbung. Wayne! Und überhaupt ständig das Umstellen der Privats- und Anwendungseinstellungen, so dass andere doch plötzlich meine Fotos sehen. Ja, mein Gott, stell ich das halt wieder um. Und überhaupt, sollen die doch die Urheberrechte daran bekommen. Und, äh, die lesen mein Adressbuch aus, wenn ich Facebook fürs Handy installiere?
Inzwischen bin ich nicht unglücklich darüber, da raus zu sein, weil ich echt nichts verpasse im Leben, wenn ich dem Verein fernbleibe. Mal abgesehen von der Datenschutz-Thematik: es raubt Zeit (in meinem Fall definitiv).1
Ich kenne eigentlich keinen Internet-Nutzer (abgesehen von denen, die bewusst ihren Namen ins Netz stellen, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen und, ja, „Internet-Newbies“2), der achtlos mit Daten und Fakten rund um seine Person im Internet um sich wirft. Ich behaupte sogar das Gegenteil, nämlich, dass verstärkt mehr Menschen auf ihre Privatsphäre im Internet achten, weil sie sich bewusst sind, dass das Internet nichts vergisst und es von immer mehr Menschen genutzt wird. Manche mehr, manche weniger.
Klar ist der Mensch seit dem Internet öffentlicher geworden und verbreitet mehr Informationen über sich im Netz. Anfangs noch, in Gästebüchern mit vollem Namen. Ich erinnere mich auch an die Anfangszeit der Blogs, überwiegend privat, die lustig und munter über alles bloggten, was ihnen in den Sinn kam. Das gibt es so auch kaum noch. Weil sich der Blogger über die Konsequenzen bewusst wurde. Auch ich gehöre dazu.
Abschließend bleibt zu sagen, dass für einen Menschen wie Mark Zuckerberg Privatsphäre sowieso etwas anders definiert ist als die Privatsphäre eines Otto-Normalbürgers, da er ständig in der Öffentlichkeit steht. Deswegen darf man das Ganze aber keinesfalls abwerten. Ein Grundrecht als „nicht mehr zeitgemäß“ zu nennen – also, wenn wir mit dem Internet in die Richtung gehen, steige ich aus.
Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Venezuela. (Ich lese immerzu „Vuvuzela“.)
- Und es hat die Zahl der Blogeinträge beträchtlich gesenkt: Denn was ich auch „kurz“ los wurde: es war gesagt, und bedurfte keiner längeren Ausformulierung. Genau so bei Twitter, das ich primär nutze, um Leute auf neue Blogeinträge aufmerksam zu machen und ab und an auch auf meine Ungeschicklichkeit in allen Bereichen des Lebens. (Meine Twitter-Affinität hält sich aber auch in Grenzen.) Doppelt geposteter Content ist auch etwas Unnötiges. ↩
- Eigentlich ist es schon fies mit den Privatsphäre-Einstellungen. Leute, die mit dem Internet beziehungsweise Social Networks nicht wirklich vertraut sind, sind also von vorne herein „gläsern“, da sie das meiste, was eingesehen werden kann, für alle freigegeben haben. Nicht bewusst meist. Gerade bei Social Networks ist es daher wichtig, zu bestimmen, wer wie viel sehen, und dem User zu vermitteln, wie er was einstellen kann und nicht die Unwissenheit mancher auszunutzen. ↩
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Facebook, Zuckerberg, Privatsphäre. (Schon wieder!)
5. Juli 2010 um 14:00 Uhr