Die Promille noch fühlbar im Blut bin ich heute Morgen in die S-Bahn gestiegen. Ich stand völlig neben mir und beobachtete mich quasi selbst und konnte mein Verhalten somit genau analysieren. Das Ergebnis der Analyse war recht simpel und schnell erarbeitet: Ich wusste nicht wirklich, was ich eigentlich tat, auch wenn ich es gerade tat. Und die drei Stunden Schlaf waren nicht genug.

Vor mir in der S-Bahn saß eine Frau, die eine Broschüre las. „Leben mit Gott“ oder so etwas Ähnliches. Ich schau sie also an, und frage direkt: „Sie sind ja eine ganz Gläubige, was?“ Die Antwort habe ich auch gar nicht erst verstanden, war eigentlich auch nicht auf Kommunikation aus, schließlich habe ich ja zur gleichen Zeit Musik gehört. Wahrscheinlich sagte sie etwas wie: „Und Sie sehen schon irgendwie aus wie ein Penner, was?“ Hat mich auch gar nicht weiter interessiert, bin kurz darauf nämlich einfach eingeschlafen.

Im Geschäft hab ich dann erst mal meine Mails abgerufen. Hab nur Spam bekommen. Unter anderem mit dem Betreff „You Are Chosen As a Leader For the Mission of God“. Ich vermute das war die Rache der gläubigen Frau.

Trotzdem ging ich wie gewohnt meiner täglichen Arbeit nach. Dabei habe ich mir ständig eingebildet, dass mein Handy vibriert, dabei war das nie der Fall. Bis auf einmal. Da dachte ich, es vibriert nicht, obwohl es vibrierte … Dieser Absatz sagt eigentlich aus, wie ich das heute alles so gehandhabt habe.

Unabhängig davon wurde das Wetter im Laufe des Tages immer beschissener, je nüchterener ich wieder wurde.

Verrückte Welt.

Ich mag Freitage. Alle Die meisten sind ausgeruht und freuen sich aufs Wochenende. Und rückblickend betrachtet war das auch der Highlight-Tag der Woche: Mittags gab’s Tortellini von Kollegin F., für den Rest Weißwurst. Außerdem lagen irgendwann auch irgendwie Gummibärchen von irgendjemandem auf meinem Schreibtisch. :nixwiss

Und der erste Satz um kurz nach sechs von meinem Chef an den ihm unbekannten Henning, der mich in der Agentur abgeholt hat: „Willsch ’n Bier?“

Während dem Arbeiten mit dem Layout-Programm QuarkXPress.

Lehrer: „Und jetzt schreibt ihr alle mal Typografie in Euer Dokument! Typografie – mit f!“
Ich (auf das Dokument des Druckers neben mir starrend, lese): „Typographie.“
Lehrer (herumlaufend, sich an den Drucker wendend): „Typografie – mit f!“
Drucker (tippt): „Typografhie.“
Lehrer: „Jetzt noch ohne h und dann sind wir wohl alle so weit.“

Jetzt weiß ich auch, warum sich unser Deutsch-Lehrer des Öfteren mal ganz subtil über Drucker lustig macht. Die sehen alle aus wie Menschen ohne Perspektive. Und wenn die den Mund aufmachen, weiß man auch warum. Tschuldigung. Echt mal. Wenn ein Drucker fragt, was der Unterschied zwischen Print und Non-Print ist, weiß ich ja auch nicht, was der eigentlich den ganzen Tag in seiner Druckerei oder in der Berufsschule lernt. Vorurteile, die sich bestätigen. Und bis jetzt habe ich noch keinen aus meiner Workflow-Gruppe kennengelernt, der mich vom Gegenteil überzeugt hätte … Und wenn man bedenkt, dass diese Internet-Seite von Mediengestalter-Lehrern gestaltet wurde, dann … ach, lassen wir das. -.-

Mann, nach vier Jahren Wirtschaftsgymnasium mag ich den Wirtschaftskunde-Unterricht heute genauso sehr wie den BWL-Unterricht damals. Meine Noten sind genauso beschissen und die Kommentare genauso vielversprechend. :mrgreen:

Heute habe ich die extreme Spannung des Unterrichts mal visuell festgehalten.