Jul
09
Ein fitter Start in den Tag VI
Abgelegt in Ausbildung/Berufsschule, Bizarres/Komisches, Retrospektive, Ärgernis
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Das ist echt bitter. Bin ja noch nicht mal auf den Gedanken gekommen, dass mir das je passieren würde, aber Tatsache: Ich bin heute morgen doch glatt eine Stunde früher ins Geschäft gefahren.
Ich wollt’s ja erst auf die paar Malibu-Kirsch von gestern schieben, bis mir einfiel, dass ich den Wecker absolut nüchtern gestellt hatte. Aber anscheinend war ich heute morgen um halb sieben (!) noch so fichte, dass ich gar nicht weiter darüber nachgedacht habe. So stand ich also um halb acht in der Stadtmitte … eigentlich hätte ich um die Zeit ja noch geschlafen.
Bevor ich dann um acht im Geschäft aufkreuze, wo ich eh den Großteil meines Tages verbringe, dachte ich mir, verbringe ich die Zeit voll businessmäßig mit Zeitung, Kaffee heißer Schokolade und Brezel im Bäcker. So ein Frühstück hat ja auch was – irgendwie. War aber irgendwie langweilig, so alleine. Selbst mit der „Welt Kompakt“-Zeitung. Den Großteil des Inhalts kannte ich eh schon aus Spiegel-Online. Echt doof.
Gegen halb neun bin ich dann mal ins Geschäft gelaufen, nachdem ich mir einige Stories der Blonden mit dem russischen Akzent vom Tisch nebenan gelauscht hatte, die ungefähr fünfzig Jahre älter aussah als ihr Mitschülerinnen. Zu viel Schminke, zu viel Solarium, zu viele Zigaretten. Definitiv.
Vor neun ist eigentlich noch fast keiner in der Agentur. Und der Rest dachte sich wohl, ich bin heute total arbeitsgeil. Klar, deswegen bin ich ja auch extra eine Stunde früher aufgestanden.
Dabei hätte ich Schlaf heute doch schon bitter nötig, nur mal so nebenbei.
Gestern sollte ich von der Agentur aus ein Unternehmen anrufen, das uns bis vierzehn Uhr für unseren Stand fürs Heusteigviertel-Fest ein paar Dinge liefern sollte – die aber nach vierzehn Uhr lange noch nicht da waren. Ich bekam einen Ordner mit Auftragsbestätigungen (oder ähnlichem) in die Hand gedrückt mit dem Hinweis, dass die Nummer, die ich anrufen sollte, dort draufsteht.
Ich bin hier die Einzige ohne Telefon. Also musste ich mich mit dem Ding erst mal bekannt machen. Wählte eine Null vor, und los ging’s. Ich wählte, und es tutete. Gleichzeitig klingelte es durch die ganze Agentur. „Komisch“, dachte ich mir. „Dass da jetzt gleichzeitig einer anruft!“ Ich lege also auf. Und das Klingeln war auch weg.
Dann probierte ich das Ganze noch mal. Es tutete. Und klingelte wieder durch die ganze Agentur. Und dann hatte ich plötzlich einen meiner Chefs in der Leitung. Hab ihm dann klar gemacht, dass ich eigentlich gar nicht mit ihm reden wollte.
Zufällig kam ein Kollege vorbei, und ich zog ihn zu Rate. Er meinte, ich solle ihm die Nummer diktieren.
Ich: „0 – 7 – 1 -1 – …“
Kollege U.: „Du weißt schon, dass das unsere Nummer ist?“
Ich: „Oh.“
Da merkt man mal, wie viel ich mit dem Telefon zu tun habe. Ich kenne nicht einmal unsere eigene Nummer.
Wenn ich scanne, mache ich das in der Regel nebenher. Und da ich deswegen meist auf etwas Wichtigeres fixiert bin, passiert es mir öfter mal, dass ich das zu scannende Blatt in den Scanner einlege, auf „Vorschau“ klicke … und dann irgendwann – in der Annahme, mein Blatt wäre schon gescannt – das Blatt aus dem Gerät nehme, ohne es eigentlich gescannt zu haben.
Ist mir heute vier Mal passiert.
Gestern rund zweihundert Plastikbecher mit Stickern in Form unseres Logos beklebt, heute zig hundert Anschreiben in Briefumschläge verpackt.
Meine Berufung ist das Fließband!
Unsere Inhaltsangabe, die für gestern geplant war, lief super ab.
Deutsch-Lehrer: „Hm, haben wir schon einen Termin für die Inhaltsangabe festgelegt?“
Alle: „Hum … nöööö …“
Deutsch-Lehrer: „Ja gut, dann legen wir mal ein Datum fest für den nächsten Block, dann haben wir das auch hinter uns.“
Ich find’s immer wieder sehr genial, dass es Menschen gibt, die noch planloser durch das Leben gehen als ich selbst. Kaum zu glauben.







