Lauf heute also zur Post um meinen Brief in den Briefkasten werfen, und stelle am Briefkasten fest, dass ich den Brief gar nicht mitgenommen habe.

Es gibt zwei immer wieder auftretende Zeit-Phasen, die ich auch immer wieder gerne überspringen würde: Die WM/EM-Euphorie, wenn sich „alle“ plötzlich für Fußball interessieren – und die paar Wochen vor und kurz nach den Bundestagswahlen, wenn „alle“ plötzlich die totale Ahnung von Politik haben.

Pfui. Ätzend ist das.

Es gibt Jahreszeiten, die einfach für den Arsch sind. Winter zum Beispiel. Braucht keine Sau. Kalt, matschig, löst Depressionen aus. Und der Sommer, das komplette Kontrastprogramm. Heiß, schwül, alle laufen fast nackt durch die Straßen und wollen sich paaren.

Der einzige Vorteil von Sommer und Sonne: meine Wäsche auf dem Wäscheständer trocknet schneller.

Bei mir ist in meiner kleinen Bude gerade Sauna-Zeit. (Das mache ich ja sonst auch eher selten, höchstens ich bin in einer Phase höchster Euphorie und Motivation.) Ich schwitze, es ist heiß, nachts kann man nicht schlafen, morgens sieht man dann beschissen aus oder hat Kopfschmerzen. Oder beides.

Ich brauche jedenfalls ganz dringend einen Ventilator, sonst bin ich zu Anfang des eigentlichen Sommers ein Wrack. Notgedrungen ziehe ich auch ins Treppenhaus. Schön kühl, und seit ich mich damals ausgesperrt habe habe ich auch festgestellt, dass es da ganz gemütlich ist.

Der vorgestrige Tag begann so gut. Nämlich mit dem Gehalt. Und weil ich mich schon den ganzen Tag von Salzstangen und grünen Bohnen ernährt hatte, dachte ich mir, muss mal wieder was Richtiges her. Also bin ich um kurz nach halb acht los zum Aldi, um mir zwei Packungen Knuspertaschen und eine Packung Pommes rauszulassen, plus Ketchup.
Zu Hause angekommen, überglücklich und sehnsüchtig die Knsupertaschen in der Tasche anstarrend, starrte ich auf die Tür und mir fällt auf, dass da doch was fehlt. Nämlich mein Schlüssel.

Blöderweise hat mir diesmal auch keiner aufgemacht. Da stand ich also, mit meiner Tiefkühlkost und Ketchup in der Tasche, und keiner machte mir die Türe auf. Hab dann bei der netten Dame im ersten Stock geklingelt, um wenigstens in den Hausflur zu kommen. Dort stand ich auch gut. Nach mehrmaligem Klingeln hat mir leider immer noch keiner geöffnet. Nachdem ich angerufen habe, auch nicht.

Kurz nach acht. Ich habe es mir inzwischen auf dem Hausflur vor der Türe gemütlich gemacht und einigen Leuten via SMS von meinem Leid erzählt (wenn man nichts zu tun hat wird man ziemlich kommunikativ (es gingen rund zwanzig SMS drauf für den Abend)). Da saß ich nun, die Taschen voll mit Essbarem, im Hausflur, und hatte Hunger. (Welch Ironie des Lebens.) Also, dachte ich mir, bestell ich mir doch erst einmal eine Pizza. :nixwiss

Den Flying Pizza-Service in Wangen kenn ich, weil der Flyer mal in der Toilette herumlag. Ich mag den Pizza-Service. Das liegt unter anderem daran, dass die sich als Erste nicht über die Türkenstraße-in-Untertürkheim-Sache lustig gemacht haben. Das hat denen richtig viele Bonus-Punkte verschafft. Abgesehen davon … kenne ich hier auf die Schnelle keinen anderen Pizza-Service. Also dachte ich mir, ich bestellt dort was.
Die Nummer habe ich dann vom tux bekommen. (Danke noch mal dafür.) Ich habe mir folglich erst mal eine Vier-Käse-Pizza rausgelassen. (Also, im Eigentumsvorbehalt sozusagen, ohne die Sache schon zu haben. Wobei das dann auch kein Eigentumsvorbehalt ist. Gilt das überhaupt bei Sachen wie Pizza (im Restaurant oder so)? Wieso komme ich überhaupt auf Eigentumsvorbehalt? (Ach, ist ja auch egal! (WG prägt.)))

Kurz nach halb neun. Meine Mutter hat mich angerufen, und wollte mich dazu anstiften, böse Verbrecher-Tricks auszuprobieren, wie zum Beispiel die EC-Karte zwischen Tür und Türrahmen zu schieben. Ich hab sie gerügt, wie so so etwas vorschlagen könne, sei ja nicht gerade rechtmäßig. Dabei habe ich das davor schon ausprobiert, allerdings mit meiner AOK-Karte, die jetzt ziemlich mitgenommen aussieht. Gebracht hat das alles aber nichts.

Nachdem meine Mutter mich angerufen hat, hat der Henning angerufen, der meinte, er kommt mal vorbei. Da hatte ich natürlich nichts dagegen, schließlich mag Henning kein Käse, und würde mir deshalb auch nicht meine Pizza wegessen.

Kurz nach neun: Henning kommt an. Etwas später der Pizza-Mann mit meiner Pizza. Ich freute mich tierisch, vor allem, weil ich dann quasi gleich noch ein Mittagessen für den nächsten Tag hatte. Schließlich habe ich die Pizza nicht ganz gegessen, ausgefuchst wie ich bin.

Leckere Pizzareste

Kurz vor zehn Uhr. Hoffnung aufgegeben, dass noch jemand kommt. Ich habe mir deshalb bei meinem persönlichen Obdachlosenheim eine Übernachtungsmöglichkeit verschafft und meine Tiefkühlkost verstaut. Hier noch mal vielen lieben Dank an meine persönliches Obdachlosenheim!

Am nächsten Tag rief ich ab elf Uhr morgens in regelmäßigen Abständen zu Hause an. Etwas später, als ich die Hoffnung mit dem Telefon aufgegeben habe, schrieb ich eine Mail an Mitbewohner S., wann er denn zu Hause sein würde, um mir die Türe zu öffnen. Mitbewohner S. schrieb mir auch prompt und sachlich zurück.

Kurz nach halb sieben am Abend. Ich habe Glück. Ich bin wieder in meinem Zimmer! … Mitbewohner S. erzählt mir, er sei den Tag davor die ganze Zeit zu Hause gewesen. Ich war aber zu glücklich, um ihm böse zu sein und ihm vorzuwerfen, dass er mal ganz derbe auf seinen Ohren saß. Ich saß ja gestern schließlich auch ganz derbe auf meinem Gedächtnis. Und: Man muss auch verzeihen können.

Abschließend kann ich nur meinen Papa zitieren. Der sagt immer zu mir: „Was man nicht im Kopf hat, das hat man in den Füßen.“ Und ich finde, da hat er wie immer Recht.

Und mein Regenschirm liegt in der Agentur. Was sagte ich gestern kurz vor Feierabend noch zu mir selbst? … Ach ja – genau. „Regenschirm mitnehmen? Nee. Regnet morgen doch eh nicht.“