chon ziemlich lange her, dass ich ihn gesehen habe. Aber Onkel M. ist noch immer das schwarze Schaf der Familie. Man sieht ihn ziemlich selten, man munkelt, er wohnt irgendwo in einem Wohnwagen und arbeitet nie. Er hat da was, gesundheitlich, er kann das nicht. Sagt er.
Sein Haar war früher lang und fein, heute ist es lang und verfilzt. Man sagt, da würden Tiere drin wohnen. Ich hielt das früher immer für Unsinn, war mir aber nie so sicher, deswegen hielt ich mich davon fern.
Onkel M. hatte in jungen Jahren, vor zehn, zwölf Jahren, eine Freundin, die T. Sie wohnten zusammen in einer Wohnung, die so klein war, dass gerade mal ein Bett und eine Couch hinein passten. Die Wände waren mit Graffitti voll gesprayt, im Bad bröckelte der Putz von der Wand. Wir spielten dort manchmal Monopoly.
Die T., die war genauso ein schwarzes Schaf in ihrer Familie, und somit passten die beiden wirklich gut zueinander. Als die beiden vorhatten zu heiraten, schlugen alle die Hände über ihren Köpfen zusammen und mutmaßten, was denn nun passiere.
Die Hochzeit fand in recht kleinem Kreise statt. Vielleicht fünfzig Leute. Verwandte und Freunde, in einer kleinen Kneipe. Allerlei Menschen, die nicht nach konventionellen Regeln zu einer Hochzeit gekleidet waren. Die ersten waren schon mittags betrunken, eine Menge Gläser gingen zu Bruch und der Wirt hinter dem Tresen stand kurz vor seinem Nervenzusammenbruch, als bei einem lustigen Hochzeitsspiel überall Sahne landete, wo keine Sahne hätte landen sollen. Zwei Freundinnen sangen für die Braut „Ich find Dich scheiße“ von Tic Tac Toe. Ich fand das lustig, meine Oma nicht so.
Überhaupt schimpften alle lautstark, erst recht, als das Brautpaar sich draußen einen Joint baute. Danach sang T. uns allen etwas vor, T. hatte schließlich Gesangsunterricht. Ich kann mich nicht mehr wirklich daran erinnern, aber ich glaube, die meisten fanden es grauenhaft.
Heute, in der bald im Halb-Jahres-Abstand zwei Hochzeiten stattfinden, erinnere ich mich daran zurück, wie das da war, während wir heute Brautjungfern-Kleider aussuchen. Bei Hochzeiten werden Frauen ein bisschen zu Furien. Ich halte mich da raus, aus diesen kleinen Skandalen, die die Planung begleiten. Unterhaltend ist es trotzdem, so dass ich mit halben Ohr voll dabei bin. (Ich mutmaße mal, dass bei Onkel M. keiner meiner Verwandten so richtig mitgeplant hat.)
Onkel M. und T. sind heute nicht mehr zusammen. Sie haben sich nach kurzer Zeit einfach nicht mehr verstanden, und trennten sich – nach den Worten der Verwandtschaft, auch nicht ganz friedlich. Weiß keiner so genau. Ich vermute, die hatten einfach keinen Polterabend.
Gedenktag des Tages: Internationaler Tag der Familie.
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16 Kommentare
Überaus passender Gedenktag.
Jenny: Sie wohnten zusammen in einer Wohnung, die so klein war, dass gerade mal ein Bett und eine Couch hinein passten.
Soll Leute geben, die müssen sich da sogar noch für eins entscheiden.
@henning es gibt zwar leute deren wohnung so klein is das da nur ne couch reinpasst, aber die wohnen da dann auch nur allein
Ich war noch nie in meinem 22-jährigen Leben bei einer Hochzeit dabei. Dabei würde ich so gern mal…. Und wenn es so eine Kneipenhochzeit wie bei Onkel M. ist……
koennte auch eine Geschichte aus einem deutschen unabhaengigen Programmkinostreifen sein, wie ich Filme am liebsten mag.
Und wieso wills du auf einmal heiraten Jenny
Irgendwie war ich auch noch nie auf ner Hochzeit. Also so ner richtigen halt. Muss wohl auf meine eigene warten
Katja: Ich war noch nie in meinem 22-jährigen Leben bei einer Hochzeit dabei. Dabei würde ich so gern mal….
Ich in meinem bald 20jährigen Leben auch noch nicht…
finde ich ja persönlich traurig, heißt für mich, dass in meiner Familie nicht viel geheiratet wird, bzw wenn nur heimlich und standesamtlich (wie meine Cousine) oder wenn ich nicht da bin (wie meine andere Cousine).
Könnte bitte mal jmd heiraten und mich einladen?
Dann kann ich ja mal aus meinem Leben von den erlebten Hochzeiten plaudern. Naja, die ersten waren in der Verwandschaft und ich war noch klein. Ist dann halt eine Hochzeit und man trifft ganz viele Onkels und Tanten. Der Spaßfaktor ist schwankend, wenn es keine anderen Kinder gibt und die Großen keine Zeit für einen haben.
Später heiraten Kollegen, das geht dann gerade so, denn irgendwelche Spaßvögel meinen ja dann immer, dass man was aufführen müsse. Immer schön mit Jobbezug. Aahh, wie lustig.
Und dann gibt es noch die Hochzeiten der entfernt lebenden buckligen Verwandschaft, die einen zwar einläd, aber vergisst, dass man deren Freunde und Schiwerverwandschaft nicht kennt und dementsprechend verloren rumsitzt, wenn bei der Sitzordnung daran nicht gedacht wurde.
Naja, und dann kommt die Zeit in denen die Ehen wieder auseinander gehen. Denn „bis der Tod euch scheidet“ stammte schließlich aus einer Zeit, in der die Leute gerade mal 35 Jahre alt wurden. Und nach den ganzen Trennungen dann sieht man das mit den Hochzeiten etwas nüchterner.
„Die Hochzeits-Crasher“ (Wedding Crashers) ist übrigens ein lustiger Film zum Thema.
Ha, ich find an Hochzeiten nur Polterabende lustig 
Nächstes Jahr heiratet ne Klassenkameradin kirchlich (in 13 Tagen standesamtlich) *muharharhar* POLTERABEND!!!
Katja: Ich war noch nie in meinem 22-jährigen Leben bei einer Hochzeit dabei. Dabei würde ich so gern mal…. Und wenn es so eine Kneipenhochzeit wie bei Onkel M. ist……
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Michi: Irgendwie war ich auch noch nie auf ner Hochzeit. Also so ner richtigen halt. Muss wohl auf meine eigene warten
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Eure Verwandtschaft/euer Freundeskreis ist nicht sehr bindungsfähig auf diese traditionelle Weise, ganz klar!
quin: Und wieso wills du auf einmal heiraten Jenny
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Jetzt aber mal wieder raus aus Deiner Traumwelt.
Mona: Könnte bitte mal jmd heiraten und mich einladen?
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Schleich Dich doch mal irgendwo ein.
Marc: Der Spaßfaktor ist schwankend, wenn es keine anderen Kinder gibt und die Großen keine Zeit für einen haben.
Boah, ja. Flashback. Ich war auf so vielen Hochzeiten, als ich klein war. Das war immer bei uns im Dorf, immer am selben Platz. Das war gut. Das waren die besten Hochzeiten – vorausgesetzt, es waren genug andere Kinder da.
Marc: Immer schön mit Jobbezug. Aahh, wie lustig.
Ich hasse dämliche Spiele.
Marc: Und dann gibt es noch die Hochzeiten der entfernt lebenden buckligen Verwandschaft, die einen zwar einläd, aber vergisst, dass man deren Freunde und Schiwerverwandschaft nicht kennt und dementsprechend verloren rumsitzt, wenn bei der Sitzordnung daran nicht gedacht wurde.
Hatte ich auch schon. Nun ja, Verwandtschaft nicht ganz, aber es kam aufs Gleiche raus.
Marc: Und nach den ganzen Trennungen dann sieht man das mit den Hochzeiten etwas nüchterner.
Richtig.
Marc: „Die Hochzeits-Crasher“ (Wedding Crashers) ist übrigens ein lustiger Film zum Thema.
Oh ja.
Helmut: POLTERABEND!!!
HAHAHA. Mach sie fertig.
Seid froh. Wenigstens müsst ihr nicht irgendwelche indischen Hochzeiten ertragen, mit vollster Kitschmontur und irgendwie fünfhundert Menschen die alle fragen, wann man denn selber heiraten würde…
Tja. Aber so ist das halt. Und dann sind alle eh unglücklich weil die arrangierte Ehe halt nicht wirklich ideal ist.

„Schiwerverwandschaft“ ist ein blöder Tippfehler und sollte „Schwiegerverwandschaft“ heißen.