Der Trink-Urlaub
Gestern Abend gegen halb elf klingelte es Sturm. Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei uns in der WG mal klingelt, strebt eigentlich gegen null. Und wenn es mal klingelt, ist es irgendeiner vom Deutschen Roten Kreuz, der uns Geld abnehmen will. Deswegen war ich auch recht perlex. Und fürs DRK war’s echt auch schon wieder zu spät.
Beim ersten Rangehen an die Sprechanlage bekam ich keine Antwort. Fünf Minuten später klingelte es wieder. Wieder keine Rückmeldung an der Sprechanlage, aber als ich den Türöffner betätigte, hörte ich jemanden hochkommen. Nach einigen Minuten sah ich dann Mitbewohner S. im Treppenhaus, sich schwer ans Geländer lehnend, die Treppen hochschwanken. Als er mich anschaut und meinte „Hihihi! … Hihihihi! Die anderen … schie getrauen schich nich‘ hoch ..!“ war das die Bestätigung dafür, dass er stockbesoffen war. Aber so richtig. Ich fand’s irgendwie lustig. Vor allem, weil bei uns gerade der „Stern“ aufm Klo liegt, aufgeschlagen auf der Seite, auf der groß steht: „Deutsche saufen oft bis zum „Filmriss“!“ Hat er im Laufe des Abends bestimmt auch irgendwann mal gesehen, als er über der Kloschüssel hing.
Betrunkene soll man ja erst mal lassen. Und auf gar keinen Fall mit denen reden. Das ist das Schlimmste. Mach ich grundsätzlich nicht. Also ließ ich ihn erst mal. Mit lautem Rumpeln rumpelte er rumpelnd durch die halbe Wohnung und rumpelte alles um. Ich hatte Angst um das Aquarium. Die Fische schwimmen immer wie wild gegen die Scheibe, wenn sie sich unsicher fühlen.
Als ich wieder nach ihm schaute, war die Haustüre noch offen und auf dem Weg von der Tür bis zum Gang hat er seinen Schlüssel und ein Bifi verloren. Und seine Hose. Er lag halb ausgezogen auf dem Boden, kichernd und mit sich selbst redend. Unter dem Esstisch. Die Nacht war wohl auch nicht sonderlich angenehm, und das Klo schien sein bester Freund zu sein. (Ich fand’s schon immer schrecklich, immer Zimmer neben Klos zu haben! Irgendwann erkennt man die Leute nur noch, weil man weiß, wie es sich anhört, wenn die pinkeln. Ich WILL das nicht mehr!) Heute Morgen lag er jedenfalls laut schnarchend auf dem Sofa (von da aus ist der Weg zur Toilette nicht so weit).
Der hatte jetzt auch jede Menge Urlaub, und ich glaube, er hat nichts anderes gemacht, als sich permanent zuzukippen. Nun ja. Irgendwie muss man ja auch die Zeit rumbekommen und das Geld loswerden.
WG-Leben
7 Reaktionen
Der scheint noch was anderes genommen zu haben als nur alk…
Traurig, traurig.
Ich hatte mal ne n Klassenkameraden, der im betrunkenn Zustand im Schullandheim aus dem Fenste rgefallen ist. Schädelbasisbruch. Der wollte glaub auch nur kotzen. Ich habe ihn dann bei der Beerdigung wieder gesehen – zu dem Zeitpunkt des Schullandheims hatte ich schon die Schule gewechselt. Das besondere an Beerdigungen von jungen Menschen: sie sind besonders traurig und keiner kann verstehen wie das nur passieren konnte.
loooool – hat mitbewohnerin p. ihn auch gleich mal so kennengelernt?? xD
Sei froh, dass du ihn nicht nach Hause bringen musstest! Betrunkene können dabei schnell sehr nervig werden

(Ich fand’s schon immer schrecklich, immer Zimmer neben Klos zu haben! Irgendwann erkennt man die Leute nur noch, weil man weiß, wie es sich anhört, wenn die pinkeln. Ich WILL das nicht mehr!)
ich lach mich weg
wenn es mal ist ist es ja in ordnung aber ständig „unter strom“ stehen ? näää
hmmm… warum genau soll man mit Besoffenen nicht reden?
also mal davon abgesehen, dass es meist eh nur dummes Zeug is, seh ich nich wo der Fehler liegt, das zu tun..?
Wobei so ab nem bestimmten übertriebenen Besoffenheitsgrad und je nach Stimmung/Verhalten des Besoffenen, okay.. gibt schon Fälle.. aber generell?
Wenn er kichernd unterm Esstisch saß, war vielleicht noch weng was anderes im Spiel? XD
Ich saß noch nie betrunken kichernd unterm Esstisch. Bin nur mal auf den Weg zum Kotzen eingepennt… unterm Waschbecken.