Apr
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Apr
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Ein fitter Start in den Tag IV
Abgelegt in Ausbildung/Berufsschule, Bizarres/Komisches, Retrospektive
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Die Promille noch fühlbar im Blut bin ich heute Morgen in die S-Bahn gestiegen. Ich stand völlig neben mir und beobachtete mich quasi selbst und konnte mein Verhalten somit genau analysieren. Das Ergebnis der Analyse war recht simpel und schnell erarbeitet: Ich wusste nicht wirklich, was ich eigentlich tat, auch wenn ich es gerade tat. Und die drei Stunden Schlaf waren nicht genug.
Vor mir in der S-Bahn saß eine Frau, die eine Broschüre las. „Leben mit Gott“ oder so etwas Ähnliches. Ich schau sie also an, und frage direkt: „Sie sind ja eine ganz Gläubige, was?“ Die Antwort habe ich auch gar nicht erst verstanden, war eigentlich auch nicht auf Kommunikation aus, schließlich habe ich ja zur gleichen Zeit Musik gehört. Wahrscheinlich sagte sie etwas wie: „Und Sie sehen schon irgendwie aus wie ein Penner, was?“ Hat mich auch gar nicht weiter interessiert, bin kurz darauf nämlich einfach eingeschlafen.
Im Geschäft hab ich dann erst mal meine Mails abgerufen. Hab nur Spam bekommen. Unter anderem mit dem Betreff „You Are Chosen As a Leader For the Mission of God“. Ich vermute das war die Rache der gläubigen Frau.
Trotzdem ging ich wie gewohnt meiner täglichen Arbeit nach. Dabei habe ich mir ständig eingebildet, dass mein Handy vibriert, dabei war das nie der Fall. Bis auf einmal. Da dachte ich, es vibriert nicht, obwohl es vibrierte … Dieser Absatz sagt eigentlich aus, wie ich das heute alles so gehandhabt habe.
Unabhängig davon wurde das Wetter im Laufe des Tages immer beschissener, je nüchterener ich wieder wurde.
Verrückte Welt.
Apr
27
Ich mag Freitage. Alle Die meisten sind ausgeruht und freuen sich aufs Wochenende. Und rückblickend betrachtet war das auch der Highlight-Tag der Woche: Mittags gab’s Tortellini von Kollegin F., für den Rest Weißwurst. Außerdem lagen irgendwann auch irgendwie Gummibärchen von irgendjemandem auf meinem Schreibtisch.
Und der erste Satz um kurz nach sechs von meinem Chef an den ihm unbekannten Henning, der mich in der Agentur abgeholt hat: „Willsch ’n Bier?“
Der vorgestrige Tag begann so gut. Nämlich mit dem Gehalt. Und weil ich mich schon den ganzen Tag von Salzstangen und grünen Bohnen ernährt hatte, dachte ich mir, muss mal wieder was Richtiges her. Also bin ich um kurz nach halb acht los zum Aldi, um mir zwei Packungen Knuspertaschen und eine Packung Pommes rauszulassen, plus Ketchup.
Zu Hause angekommen, überglücklich und sehnsüchtig die Knsupertaschen in der Tasche anstarrend, starrte ich auf die Tür und mir fällt auf, dass da doch was fehlt. Nämlich mein Schlüssel.
Blöderweise hat mir diesmal auch keiner aufgemacht. Da stand ich also, mit meiner Tiefkühlkost und Ketchup in der Tasche, und keiner machte mir die Türe auf. Hab dann bei der netten Dame im ersten Stock geklingelt, um wenigstens in den Hausflur zu kommen. Dort stand ich auch gut. Nach mehrmaligem Klingeln hat mir leider immer noch keiner geöffnet. Nachdem ich angerufen habe, auch nicht.
Kurz nach acht. Ich habe es mir inzwischen auf dem Hausflur vor der Türe gemütlich gemacht und einigen Leuten via SMS von meinem Leid erzählt (wenn man nichts zu tun hat wird man ziemlich kommunikativ (es gingen rund zwanzig SMS drauf für den Abend)). Da saß ich nun, die Taschen voll mit Essbarem, im Hausflur, und hatte Hunger. (Welch Ironie des Lebens.) Also, dachte ich mir, bestell ich mir doch erst einmal eine Pizza.
Den Flying Pizza-Service in Wangen kenn ich, weil der Flyer mal in der Toilette herumlag. Ich mag den Pizza-Service. Das liegt unter anderem daran, dass die sich als Erste nicht über die Türkenstraße-in-Untertürkheim-Sache lustig gemacht haben. Das hat denen richtig viele Bonus-Punkte verschafft. Abgesehen davon … kenne ich hier auf die Schnelle keinen anderen Pizza-Service. Also dachte ich mir, ich bestellt dort was.
Die Nummer habe ich dann vom tux bekommen. (Danke noch mal dafür.) Ich habe mir folglich erst mal eine Vier-Käse-Pizza rausgelassen. (Also, im Eigentumsvorbehalt sozusagen, ohne die Sache schon zu haben. Wobei das dann auch kein Eigentumsvorbehalt ist. Gilt das überhaupt bei Sachen wie Pizza (im Restaurant oder so)? Wieso komme ich überhaupt auf Eigentumsvorbehalt? (Ach, ist ja auch egal! (WG prägt.)))
Kurz nach halb neun. Meine Mutter hat mich angerufen, und wollte mich dazu anstiften, böse Verbrecher-Tricks auszuprobieren, wie zum Beispiel die EC-Karte zwischen Tür und Türrahmen zu schieben. Ich hab sie gerügt, wie so so etwas vorschlagen könne, sei ja nicht gerade rechtmäßig. Dabei habe ich das davor schon ausprobiert, allerdings mit meiner AOK-Karte, die jetzt ziemlich mitgenommen aussieht. Gebracht hat das alles aber nichts.
Nachdem meine Mutter mich angerufen hat, hat der Henning angerufen, der meinte, er kommt mal vorbei. Da hatte ich natürlich nichts dagegen, schließlich mag Henning kein Käse, und würde mir deshalb auch nicht meine Pizza wegessen.
Kurz nach neun: Henning kommt an. Etwas später der Pizza-Mann mit meiner Pizza. Ich freute mich tierisch, vor allem, weil ich dann quasi gleich noch ein Mittagessen für den nächsten Tag hatte. Schließlich habe ich die Pizza nicht ganz gegessen, ausgefuchst wie ich bin.
Kurz vor zehn Uhr. Hoffnung aufgegeben, dass noch jemand kommt. Ich habe mir deshalb bei meinem persönlichen Obdachlosenheim eine Übernachtungsmöglichkeit verschafft und meine Tiefkühlkost verstaut. Hier noch mal vielen lieben Dank an meine persönliches Obdachlosenheim!
Am nächsten Tag rief ich ab elf Uhr morgens in regelmäßigen Abständen zu Hause an. Etwas später, als ich die Hoffnung mit dem Telefon aufgegeben habe, schrieb ich eine Mail an Mitbewohner S., wann er denn zu Hause sein würde, um mir die Türe zu öffnen. Mitbewohner S. schrieb mir auch prompt und sachlich zurück.
Kurz nach halb sieben am Abend. Ich habe Glück. Ich bin wieder in meinem Zimmer! … Mitbewohner S. erzählt mir, er sei den Tag davor die ganze Zeit zu Hause gewesen. Ich war aber zu glücklich, um ihm böse zu sein und ihm vorzuwerfen, dass er mal ganz derbe auf seinen Ohren saß. Ich saß ja gestern schließlich auch ganz derbe auf meinem Gedächtnis. Und: Man muss auch verzeihen können.
Abschließend kann ich nur meinen Papa zitieren. Der sagt immer zu mir: „Was man nicht im Kopf hat, das hat man in den Füßen.“ Und ich finde, da hat er wie immer Recht.
Ich bedanke mich hiermit recht herzlich beim Arbeitsamt, die mir gerade eben per Brief mitgeteilt haben, dass sie mich mit Berufsausbildungsbeihilfe beglücken. Ich muss echt sagen, ich habe mit längerer Bearbeitungszeit meines Antrags gerechnet. Somit werde ich gegen Ende des Monats nie wieder in die Verlegenheit kommen, Pfandflaschen gegen Essen umtauschen zu müssen.
Ich bedanke mich außerdem beim Fyling Flying Pizza Service in Wangen. Auch wenn ihr im hässlichsten mir bekannten Stadtteil Stuttgarts Eure Pizza-Station aufgebaut habt, habt ihr meinen Tag gestern etwas besser gemacht.
Den Rest der Geschichte gibt es morgen. Heute freue ich mich einfach des Lebens, auf Knuspertaschen ausm Aldi und stupides Fernsehen bei „Germany’s Next Topmodel“.
Over and out!







