Die Arbeiten der Berufsschule sind nach einem einfachen Schema zu lösen: auswendig lernen.
Auf die erste Arbeit habe ich mich ziemlich gut vorbereitet. War auch recht einfach zu lösen, weil: alles auswendig gelernt. Die zweite ebenso. Auf die dritte habe ich fast nichts mehr gelernt – auf die heutige dann gar nichts (was mich im Nachhinein doch sehr geärgert hat, da man Noten ja quasi für wenig Aufwand hinterhergeschmissen bekommt). War trotzdem recht lösbar.
Ich find’s schön. Vor allem eben Aufgaben nach folgendem Schema: „Bringen Sie die Tätigkeiten in die richtige Reihenfolge: Abendessen, Frühstück, Mittagessen.“ Oder: „Geben Sie einfach wieder, was sie auf den ganzen Blättern ausweniggelernt haben, und Sie bekommen eine Eins mit Sternchen.“
Macht Spaß, man wird echt gefördert. Alles für das Niveau der Berufsschule.
Nachdem ich heute in der Schule war, dachte ich mir: „Hey, so ein Friseurbesuch wär doch nicht schlecht!“ Diese Erkenntnis habe ich schon länger, spätestens nachdem mir beim Kämmen und Fönen meiner Haare die Hälfte davon auf den Boden davonsegelte, und ich mir schon bald überlegt habe, einen Teppich für den Flur daraus zu basteln. Bin dann also in Cannstatt zum nächstbesten Friseur, lasse mir die Haare schneiden und … stelle fest, dass ich meinen Geldbeutel gar nicht dabei habe. Das mache ich absichtlich (also, den Geldbeutel daheim lassen, nicht bewusst ohne Geldbeutel Dienstleistungen verlangen), schließlich würde ich sonst mein wertvolles Geld dauernd ausm Fenster werfen.
Die Friseurin war davon natürlich nicht besonders begeistert. Erzählte mir von ihren zig Kunden, die schon öfters „mal eben“ Geld holen wollten, und nie wieder kamen. Kann ich ja auch nachvollziehen. Und ich kann auch nachvollziehen, dass ich das alles abbekomme. Auch wenn ich nur mit ehrlichen Absichten den Friseur aufgesucht hatte. Hab dann meine Tasche geöffnet und überlegt, was ich ihr am ehesten als Pfand dalassen sollte. Das Wertvollste war mein absolut genialer grafikfähiger Taschenrechner aus der Oberstufe, aber Friseurinnen können da wohl nix mit anfangen. Meinen Collegeblock wollte sie auch nicht. Im Endeffekt habe ich ihr meinen ganzen Tascheninhalt angeboten. Hab sie dann schließlich gefragt, was sie denn jetzt tun wolle. Wir haben uns dann darauf geeinigt, meinen Schal dazulassen. Meinen Sechs-Euro-Schal! Junge, dann hätte ich doch schon eher den Taschenrechner genommen, den kann man immerhin noch für ’nen Zehner bei ebay verscherbeln.
Bin dann wieder nach Hause gefahren, überlegte mir: „Hach ja, geh ich halt noch mal eben mal fix aufs Rathaus mich anmelden.“ Also ab, am Rathaus angekommen, Nummer gezogen. Sechsundzwanzig. Formular ausgefüllt, Kleber auf den Personalausweis bekommen und eine lustige Bemerkung zu meiner Adresse dazu. Inzwischen hat sich das Angeben der Adresse eh schon zu ’nem Art Running Gag entwickelt. „Ha, die Türkenstraße! In Untertürkheim!“ Unglaublich lustig. Anfangs fand ich das tatsächlich noch ganz witzig.
Bin dann wieder nach Cannstatt gefahren, hab der Friseurin ein Stück ihres guten Glaubens an die Menschheit und ihr Geld (zurück)gegeben, bin dann weiter zum Charlottenplatz zur SSB-Beratungsstelle (Beratungsstelle klingt irgendwie so nach … Drogen, Sex, Gewalt, ungewollt schwanger …), habe dort mein Abo für meine Fahrkarte geändert (dann kam der Running Gag und so), durch den Running Gag so aufgewühlt hat der Herausgeber meines Fahrkartenausweises meinen Nachnamen gleich mal falsch geschrieben. Was mir aber auch erst wieder in der Stadtbahn auffiel.
Als letztes habe ich dann beim Arbeitsamt angerufen und mir den Antrag für Berufsausbildungsbeihilfe angefordert, nachdem ich dem Menschen an der Hotline ein etwa zehnminütiges Interview über mich, meine Schullaufbahn und meine sexuellen Vorlieben den Berufen meiner Eltern gab. Und somit hab ich alles Organisatorische an einem Tag – in knapp zwei Stunden – erledigt. Ich bin sehr stolz auf mich.
Um zum Resümee zu kommen: Bis zur vollständigen Beendigung der Aufgaben habe ich den Eistee in meinem Zimmer umgekippt, bin übers LAN-Kabel gestolpert, habe dabei eine Leiste von der Wand gerissen und zur Feier des Tages lautstark Howard Carpendale laufen lassen, als einer meiner Mitbewohner die Wohnung betrat. Um das zu feiern, werde ich mir jetzt meine Spaghetti von Freitag aufwärmen und mir DSDS über RTLnow reinziehen. Nach der Schlager-Einlage ist mein Image eh schon versaut.
Ich habe am Freitag von elf bis zwei Uhr nachts Küche und Bad geputzt. Samstag den Backofen und die Mikrowelle. Die Drehscheibe aus der Mikrowelle ist nach dem Spülmaschinen-Gang immer noch nicht sauber. Ich habe gestern alle Schachteln ausgeräumt beziehungsweise nicht ausgeräumt, da ich das Zeug eh nirgends hinstellen kann. Schachteln in den Keller getragen. (Ich mag das dritte Stockwerk nicht.) Ich habe das ehemalige Fernsehtischchen aufgebaut. Es wackelt, fehlt wohl ein Teil. Kleidung/Handtücher/Bettwäsche da eingeräumt draufgelegt. (Gott sei Dank habe ich nicht so viele Klamotten.)
Suche gerade mein Schulzeug. Mir fällt ein: Das steht im Keller. Ganz unten. Und da drauf die ganzen Schachteln, die ich gestern in den Keller geräumt habe.
Nachdem ich jetzt relativ lange nichts mehr von mir hören ließ, wird es mal wieder Zeit. Dass ich wenig geschrieben habe, lag unter anderem daran, dass ich mir wegen diversen privaten Umständen eine neue Bleibe gesucht habe, was mit relativ viel Zeitaufwand und wenig Internet verbunden war. Letztendlich kann ich Euch sagen: nachdem mein Bruder fast von einer Stadtbahn umgenietet wurde, weil er an Stellen gefahren ist, an denen er nicht hätte fahren sollen, wir mein Zeug ausgeladen haben (wie kann man eigentlich fast gar nix haben und dann doch so viel!), bin ich doch gut in meinem neuen Zuhause angekommen, einer WG in Stuttgart-Untertürkheim, mit zwei männlichen Mitbewohnern. Einen kenne ich noch nicht mal, arbeitet zu sehr seltsamen Zeiten.
Seit Mittwoch wohne ich also hier.
Ausgefuchst wie ich ja so bin, habe ich mir natürlich auch den Weg von hier zur nächsten Stadtbahn auf vvs.de angeschaut, mir eingeprägt – und bin am nächsten Tag irgendwo im Nirvana herumgeschlappt. Zumindest dachte ich mir dann, als ich am Neckar ankam, dass da bestimmt keine Stadtbahnen fahren. Bin dann also in die entgegengesetzte Richtung gelaufen, las schon von weitem auf einer roten Backsteinmauer „Vanja du Nutte“ und fühlte mich schon viel zielsicherer. Ich habe dann die nächste Bahn gefunden und bekommen. Kam etwas zu spät zur Arbeit.
So schön ist die Strecke zur Arbeit leider nicht mehr, was unter anderem daran liegt, dass die Bahn durch den hässlichen Stadtteil Stuttgart-Wangen fährt. Urghs.
Von Untertürkheim selbst habe ich noch nicht viel gesehen. Ich weiß, dass fünf Minuten weiter weg das Rathaus ist, acht Minuten weit weg das Hallenbad und irgendwo daneben das Inselbad ist. Irgendwie so was wie ein Freibad mit Rutschen und Spaß und so. Ich müsste theoretisch mal abchecken, wo hier der nächste Aldi/Lidl ist, damit ich mir die wichtigsten Dinge kaufen kann: Ketchup und Zahnpasta. Eventuell auch noch einen Backofenreiniger, in dem Ding mach ich so keine Pommes. Und am besten auch noch etwas, womit man das Abflussrohr in der Dusche einigermaßen abflussbereit bekommt.
Mein Zimmer ist ziemlich klein. Glaube rund zehn Quadratmeter groß. Passte mein alter Schrank nicht rein. Habe keinen neuen. Lebe mometan aus dem Koffer, was Kleidung betrifft. Und aus Kartons, was alles außer Klamotten betrifft. Hab mein Regal vergessen. Muss ich noch holen. Und dem Mitbewohner klar machen, dass ich bohren muss, obwohl er es mir verboten hat. Na, wird schon.
Nächste Woche, eine Schulwoche (=Zeit), werde ich hier den Backofen putzen und den Staubsauger auspacken. Und das Bad putzen. Dann mit Parfum mein Revier markieren. Dann werde ich mich vielleicht heimisch fühlen.
Apropos heimisch fühlen: Egal wo ich wohne, irgendwie ist es immer das gleiche Gefühl. Wenn ich von hier ausziehe, werde ich es auch nicht bereuen oder dem nachtrauern. Ich habe bis jetzt keinem Heim nachgetrauert. Nicht mal wirklich dem, in dem ich fast einundzwanzig Jahre gewohnt habe. Nur den Menschen dort. Ich glaube, meine richtige „Heimat“ habe ich noch nicht gefunden. Oder ich bin einfach rastlos. So sicher bin ich mir da irgendwie nicht.
Hab mir gerade eine Packung Kinder Country gekauft und nach dem Essen des ersten Riegels den Rest in die unterste Schublade gelegt. In der Hoffnung, dass ich nicht alle auf einmal esse (frei nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“).
Hoffentlich passiert mir in ein paar Monaten nicht wieder das.
Irgendwie doch nicht so die Mega-Taktik. (?) Mhm.
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