Nachdem ich heute in der Schule war, dachte ich mir: „Hey, so ein Friseurbesuch wär doch nicht schlecht!“ Diese Erkenntnis habe ich schon länger, spätestens nachdem mir beim Kämmen und Fönen meiner Haare die Hälfte davon auf den Boden davonsegelte, und ich mir schon bald überlegt habe, einen Teppich für den Flur daraus zu basteln. Bin dann also in Cannstatt zum nächstbesten Friseur, lasse mir die Haare schneiden und … stelle fest, dass ich meinen Geldbeutel gar nicht dabei habe. Das mache ich absichtlich (also, den Geldbeutel daheim lassen, nicht bewusst ohne Geldbeutel Dienstleistungen verlangen), schließlich würde ich sonst mein wertvolles Geld dauernd ausm Fenster werfen.
Die Friseurin war davon natürlich nicht besonders begeistert. Erzählte mir von ihren zig Kunden, die schon öfters „mal eben“ Geld holen wollten, und nie wieder kamen. Kann ich ja auch nachvollziehen. Und ich kann auch nachvollziehen, dass ich das alles abbekomme. Auch wenn ich nur mit ehrlichen Absichten den Friseur aufgesucht hatte. Hab dann meine Tasche geöffnet und überlegt, was ich ihr am ehesten als Pfand dalassen sollte. Das Wertvollste war mein absolut genialer grafikfähiger Taschenrechner aus der Oberstufe, aber Friseurinnen können da wohl nix mit anfangen. Meinen Collegeblock wollte sie auch nicht. Im Endeffekt habe ich ihr meinen ganzen Tascheninhalt angeboten. Hab sie dann schließlich gefragt, was sie denn jetzt tun wolle. Wir haben uns dann darauf geeinigt, meinen Schal dazulassen. Meinen Sechs-Euro-Schal! Junge, dann hätte ich doch schon eher den Taschenrechner genommen, den kann man immerhin noch für ’nen Zehner bei ebay verscherbeln.
Bin dann wieder nach Hause gefahren, überlegte mir: „Hach ja, geh ich halt noch mal eben mal fix aufs Rathaus mich anmelden.“ Also ab, am Rathaus angekommen, Nummer gezogen. Sechsundzwanzig. Formular ausgefüllt, Kleber auf den Personalausweis bekommen und eine lustige Bemerkung zu meiner Adresse dazu. Inzwischen hat sich das Angeben der Adresse eh schon zu ’nem Art Running Gag entwickelt. „Ha, die Türkenstraße! In Untertürkheim!“ Unglaublich lustig. Anfangs fand ich das tatsächlich noch ganz witzig.
Bin dann wieder nach Cannstatt gefahren, hab der Friseurin ein Stück ihres guten Glaubens an die Menschheit und ihr Geld (zurück)gegeben, bin dann weiter zum Charlottenplatz zur SSB-Beratungsstelle (Beratungsstelle klingt irgendwie so nach … Drogen, Sex, Gewalt, ungewollt schwanger …), habe dort mein Abo für meine Fahrkarte geändert (dann kam der Running Gag und so), durch den Running Gag so aufgewühlt hat der Herausgeber meines Fahrkartenausweises meinen Nachnamen gleich mal falsch geschrieben. Was mir aber auch erst wieder in der Stadtbahn auffiel.
Als letztes habe ich dann beim Arbeitsamt angerufen und mir den Antrag für Berufsausbildungsbeihilfe angefordert, nachdem ich dem Menschen an der Hotline ein etwa zehnminütiges Interview über mich, meine Schullaufbahn und meine sexuellen Vorlieben den Berufen meiner Eltern gab. Und somit hab ich alles Organisatorische an einem Tag – in knapp zwei Stunden – erledigt. Ich bin sehr stolz auf mich.
Um zum Resümee zu kommen: Bis zur vollständigen Beendigung der Aufgaben habe ich den Eistee in meinem Zimmer umgekippt, bin übers LAN-Kabel gestolpert, habe dabei eine Leiste von der Wand gerissen und zur Feier des Tages lautstark Howard Carpendale laufen lassen, als einer meiner Mitbewohner die Wohnung betrat. Um das zu feiern, werde ich mir jetzt meine Spaghetti von Freitag aufwärmen und mir DSDS über RTLnow reinziehen. Nach der Schlager-Einlage ist mein Image eh schon versaut.
Der Beitrag wurde am Dienstag, den 12. Februar 2008 um 17:38 Uhr veröffentlicht und wurde unter Bizarres/Komisches, Ego & I, Retrospektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
14 Reaktionen
um 18:05
Da warst aber sehr tapfer heute und wie Wilhelm Busch schon sagt:
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.
Ich weiß gar nicht, welchen Absatz ich da zuerst kommentieren soll und daher sag ich einfach nur: Fünf Sterne (von fünf). 
ui, du warst ja richtig fleißig, aber wieso den schal da bevorzugt hat wüsste ich wirklich mal gerne 
die Türkenstraße! In Untertürkheim! – HAHAHAHA lol rofl HIHIHIHIHI…
sorry musste sein… und werd ich morgen gleich nochmal abziehen 
das mit dem frisör is aber echt zum lachen *haha*
was ummelden und fahrkarte beantragen angeht, muss ich auch mal machen… vielleicht morgen… mal sehen…
Klingt doch ganz gut. Stell Dir vor, Du wärest am Schluss über das WLAN-Kabel gestolpert. 
ich versteh nicht, wie man etwas kaufen/gemacht haben möchte, ohne vorher daran zu denken, ob man genug bzw überhaupt geld dabei hat. ist mir ein rätsel. den pfand fand ich auch lustig. schal.
um 15:07
Marc: „neues Leben, neue Frisur“?
Warum hast du den Ein-Euro-Schal nicht da gelassen? So günstig hättest du nie wieder die Haare geschnitten bekommen. 
um 19:22
Du bist ungewollt schwanger? Heidenei…
ich muss mal los werden, dass ich dein „neues Leben“ mit dem Auszug aus zu Hause und dass du jetzt alles wirklich alleine machst und auch musst richtig interessant finde… lese sehr gern mit. Aber eig war das schon immer so.
Beratungsstelle klingt irgendwie so nach … Drogen, Sex, Gewalt, ungewollt schwanger … und ausserdem nach Howard Carpendale.
beeblebrox: Howard Carpendale? Aua. Ging’s Dir wirklich SO übel?
Klar.
jeannie: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.
Ich kenn das nur von Tic Tac Toe.
Henning: Ich weiß gar nicht, welchen Absatz ich da zuerst kommentieren soll und daher sag ich einfach nur: Fünf Sterne (von fünf).
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André: Klingt nach viel um die Ohren.
Geht.
beta: ui, du warst ja richtig fleißig, aber wieso den schal da bevorzugt hat wüsste ich wirklich mal gerne
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Konnte wohl mehr damit anfangen.
tux: sorry musste sein… und werd ich morgen gleich nochmal abziehen
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Hast den ja nur 876475 Mal gebracht gestern.
tux: was ummelden und fahrkarte beantragen angeht, muss ich auch mal machen… vielleicht morgen… mal sehen…
Ummelden innerhalb einer Woche eigentlich.
Marc: Stell Dir vor, Du wärest am Schluss über das WLAN-Kabel gestolpert.
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Mir kann alles passieren.
bogus: ich versteh nicht, wie man etwas kaufen/gemacht haben möchte, ohne vorher daran zu denken, ob man genug bzw überhaupt geld dabei hat.
Mir passiert gerade ständig Zeug, das einem nicht passieren sollte, das mir zuvor noch nie passiert ist. Ich versteh das genauso wenig. Vielleicht zu viel in meinem Kopf.
Marc: Friseurbesuch, ist das das gelebte Klischee „neues Leben, neue Frisur“?
Nö, war einfach nur notwendig.
Zfen: Warum hast du den Ein-Euro-Schal nicht da gelassen? So günstig hättest du nie wieder die Haare geschnitten bekommen.
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Bin zu gutmütig.
Maik: Du bist ungewollt schwanger? Heidenei…
Nicht, dass ich wüsste.
Alex: ich muss mal los werden, dass ich dein „neues Leben“ mit dem Auszug aus zu Hause und dass du jetzt alles wirklich alleine machst und auch musst richtig interessant finde… lese sehr gern mit.
Danke.
Freut mich.
Der Servicedeskmanager: Beratungsstelle klingt irgendwie so nach … Drogen, Sex, Gewalt, ungewollt schwanger … und ausserdem nach Howard Carpendale.
Ach was. 
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12
um 17:55
Howard Carpendale? Aua. Ging’s Dir wirklich SO übel?