eute Morgen war ich bei meiner Augenärztin. Nach ungefähr eineinhalb Jahren mal wieder. Daran schuld war mein rechtes Auge, das seit Donnerstag entzündet ist und ich dank der Rötung aussehe wie ein Kiffer.
Angekommen in der Praxis im dritten Stock. (Dachte mir, da ich mich gerade ja sonst nicht großartig bewege, könnte ich ja die Treppen benutzen. (War ’ne doofe Idee.)) Ich hatte zwar keinen Termin, aber mein Auge sagte mehr als tausend Worte. Nach der Entrichtung der Praxisgebühr setzte ich mich in das bunt eingerichtete Wartezimmer in den gelben Drehsessel neben den roten Stuhl und überlegte mir, welche der anspruchsvollen Frauenzeitschriften ich als erstes lesen sollte. Die engere Auswahl bestand aus der „Gala“, „Bild der Frau“ und „Tina“. Ich entschied mich für das illustrierte Kinderbuch „Maulwurf und der kleine Vogel“.
Nach einer Weile holte mich die Arzthelferin aus dem Wartezimmer und begleitete mich zum Behandlungszimmer, wo mir auch meine Augenärztin H. von der M. über den Weg lief. Also, ich wusste anfangs gar nicht, dass das meine Augenärztin war (sein sollte). Meine Augenärztin hat (eigentlich) kurzes, graues Haar und trägt in der Regel Kleidung in den typischen Rentnerfarben grau, beige, braun und schwarz.
Diese Frau aber sah aus wie ein Hippie – nicht wie meine Augenärztin! Rot gefärbte, lange Haare, grüner Pulli, rot-weiß-gelb gestreifte Hose und Jesuslatschen. Brille mit rotem, dicken Gestell. Es war nicht schwer, mir das fehlende Stirnband und die Gitarre vorzustellen, eventuell noch ein Tütchen in der Hand und den Geruch von Jamaika in der Luft. Passend zu meiner Augenrötung.
Da ich sie ja im ersten Moment erst gar nicht erkannte, schenkte ich ihr auch keine Beachtung. Dachte erst an eine Praktikantin oder der Kleidung nach an eine Gärtnerin, die sich um die Hanfpflanzen Blumen auf dem Fenstersims kümmerte. Bis sie mich bat, auf den Stuhl zu sitzen. Da sah ich der bitteren Realität ins Auge.
Ich weiß zwar nicht, was in dem Leben der H. von der M. vorging, aber es muss ein ziemlicher Wandel gewesen sein. Man entscheidet sich in der heutigen Ära der Emos ja nicht einfach so, wie ein Hippie auszusehen.
Trotz allem ließ ich mir von ihr in die Augen leuchten und sagen, dass ich mir doch in Gottes Namen endlich eine Brille anschaffen solle. Außerdem hat sich meine Sehstärke um eine halbe Dioptrie verschlechtert. Ich habe Augentropfen bekommen und einen Tipp, wo man den nächsten Dealer findet Termin für nächste Woche.
Abschließend muss ich sagen: ja. Ich bin merklich geschockt. Und ja. Das lässt mir irgendiwe keine Ruhe. Ich werde schon bald herausfinden, was der Grund für diesen Imagewandel war. Spätestens nächste Woche.
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16 Kommentare
vielleicht solltest du dir dann ja auch mal gedanken über ne brille machen. kann ja alles helfen. wahrscheinlich hat sie mit ihrem zu rentnermäßig angezogenen und langweiligen mann einfach mal schluss gemacht um noch ein bisschen mehr ihr leben zu genießen. man weiß ja nie was so einen wandel auslösen kann, wobei beziehungsumbrüche doch oft ein grund dafür sind. sprech da aus eigener erfahrung
Wie alt ist die gute Frau denn? Ich hätte nämlich so spontan jetzt auf (verspätete) Midlifecrisis getippt. Dem grauen Haar entnehme ich, dass sie durchaus die Hippies miterlebt hat, vielleicht wollte sie ja schon immer dazugehören und hat es jetzt in die Tat umgesetzt. Es gibt ja auch diese netten Midlifecrisis-Ratgeber (meine Mutter hatte mal so einen zu Hause), die einem raten, seine innersten Wünsche auszuleben…
H.v.M. hat sich nachdem ihre 4 Kinder groß genug warten von ihrem Mann , der Leo von Adelberg getrennt. Sie hat sich auch von ihrem Praxispartner getrennt und eine eigene Praxis aufgemacht. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt
Jenny: typischen Rentnerfarben grau, beige, braun und schwarz.
ich bin noch kein rentner und trage fast nur genau diese farben.
Jenny: Man entscheidet sich in der heutigen Ära der Emos ja nicht einfach so, wie ein Hippie auszusehen.
es wäre doch wesentlich schlimmer gewesen, wenn sie mit streifenpulli und piercing in der seitlichen lippenpartie aufgetaucht wäre.
Die Geschichte hat mich richtig zum Schmunzeln gebracht. Mich würde auch tierisch interessieren, was deine Augenärztin dazu bewegt, so einen krassen Imagewandel durch zu machen. Aber dass du im ersten Moment etwas geschockt warst, kann ich mir sehr gut vorstellen.
Marten: vielleicht solltest du dir dann ja auch mal gedanken über ne brille machen. kann ja alles helfen.
Helfen nicht. Wäre halt Luxus. Ohne Linsen sehe ich nichts. Und nun ja, wenn mal was mit meinen Augen ist, ist so etwas ja auch ganz praktisch. (Ok. Wenn ich ehrlich bin, war ich einfach immer nur zu faul um mir eine Brille beim Optiker herauszusuchen.)
Ines: Wie alt ist die gute Frau denn?
Gut über fünfzig, wenn ich schätzen müsste.
Marten: man weiß ja nie was so einen wandel auslösen kann, wobei beziehungsumbrüche doch oft ein grund dafür sind.
Ines: Ich hätte nämlich so spontan jetzt auf (verspätete) Midlifecrisis getippt.
Moeri: Mich würde auch tierisch interessieren, was deine Augenärztin dazu bewegt, so einen krassen Imagewandel durch zu machen.
jeannie: H.v.M. hat sich nachdem ihre 4 Kinder groß genug warten von ihrem Mann […] getrennt. Sie hat sich auch von ihrem Praxispartner getrennt und eine eigene Praxis aufgemacht.
Selbst ist die Frau. 
Woher weißt Du das? Warst Du zufällig mal in unserem Bäcker?
bogus: ich bin noch kein rentner und trage fast nur genau diese farben.
Das Eine schließt das Andere ja nicht aus.
bogus: es wäre doch wesentlich schlimmer gewesen, wenn sie mit streifenpulli und piercing in der seitlichen lippenpartie aufgetaucht wäre.
Da ist was dran. Bloß wäre das wohl gewohnter.
Helmüt: Blah, von Ärzten hab ich erstmal genug!!!
Hätte ich auch, wenn mir wer am Darm rumschnippelt.
Helmüt: P.s: Blog ist wieder am leben
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irgendwie amüsant zu lesen! Ich habe mir deine Augenärztin vor meinem inneren Auge vorgestellt. Komische Vorstellung!
Aber eine Brille ist nichts Schlimmes, warum willst du keine?
Ich habe seit Anfang des Jahres eine, wäre zwar fast an der Tür des Optikers hinausgestolpert, als ich die Brille aufhatte, aber es hatte was. Ich kam mir 10 cm größer vor! Und bei meiner Größe ist das ein tolles Gefühl.
Henning: Hehe… mal wieder schön geschrieben!
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Verena: Aber eine Brille ist nichts Schlimmes, warum willst du keine?
Öhm. Insgesamt will ich keine, weil Brillen mich immer genervt haben. Bei Regen und Schnee ständig Wasserflecken, im Sommer rutschte sie immer die Nase hinunter, sie läuft oft an, …
Zfen: Ich hätte gerne mit ihr … sagen wir … Erfahrungen ausgetauscht.
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Du kannst ja einen „Termin“ ausmachen.
jeannie: Ich hab private Informationsquellen
Oma sei Dank.
[…] neuer Frauenarzt lispelt und sieht aus wie Ken. Irgendwie gerate ich immer an seltsame Ärzte, habe ich langsam das Gefühl […]
[…] circa zwei Wochen habe ich von meiner Augenärztin eine Rechnung bekommen (von den Terminen von Juli letzten Jahres! Irgendwie sind die da recht langsam mit dem Verschicken von Rechnungen.). Gestern […]
