Wenn ich etwas überhaupt nicht mag, dann ist es Hektik. Hektik entsteht bei mir eigentlich nur, wenn ich mal verschlafen habe, und ich vom Aufstehen bis zur Busabfahrt nur noch fünf Minuten habe, ich mich anziehen und meine Sehhilfe einsetzen muss, parallel dazu mein Essen mache und es in die Schultasche packe.
Samstag war es dann mal wieder so weit: Mein Cousin, der etwas aus meinen Haaren machen sollte, kam etwas später, und ich hatte dann nach der Frisiererei dem Frisieren (Was ’n Wort! – Gibt’s das überhaupt?) noch genau fünfzehn Minuten, bis ich von Marina und Fischi abgeholt wurde.
Ich habe dann in fünfzehn Minuten mein Kleid angezogen, Haarspray gesucht, keines gefunden, mir Pflaster gegen Blasen an meinen Füßen befestigt, meine Ohrringe rausgemacht, einen in den Abfluss rollen lassen, andere Ohrringe reingemacht, Dichtungsringe vom Arm weggemacht und Ketten um den Hals und Arm gelegt.
Während wir dann zur Stadthalle fuhren, stelle ich fest, dass so ein Kleid schon suboptimal ist. Das war genau in dem Augenblick, in dem ich versuchte, eine Tasche zu finden, um mich handtaschenloses Wesen von dem Geld in meiner rechten Hand zu entledigen. Wenig später stellte sich auch der Gang auf die Toilette als Herausforderung heraus. So etwas sollte man in der Klamotte auch mindestens fünf Minuten vorplanen, damit man ohne das Kleid in der Tiefe der Kloschüssel zu versenken die Blase leeren kann. Tipp für die Zukunft: Am besten den Abend über auch wenig trinken, um den Gang zur Toilette vorzubeugen.
Der Abiball fing dann um kurz nach neunzehn Uhr mit dem Einmarsch der hundertsieben Abiturienten des Wirtschaftsgymnasiums Göppingen zur Titelmusik von Star Wars an, passend zu unserem Abimotto „School Wars, Abisode 07 – The revenge of the students“. Schade, dass sie uns nicht noch mit Laserschwertern ausgestattet haben.
Anschließend folgte die Rede des Schulleiters. Einige Mädels senkten nach wenigen Minuten schmerzvoll stöhnend den Blick Richtung Fuß, und ich war schadenfroh, meine (flachen!) Ballerinas anzuhaben. Anschließend wurden die Belobigungen und Preise verteilt (die sowieso meist der Typ mit dem Einserschnitt absahnte (ach ja: der Mathematikpreis ging an ein Mädchen!)) für die Streber Fleißigen unter uns mit einem Schnitt von 2,0 (wenn ich mich recht erinnere) bis 1,0, und ich ging mit meinem Durchschnittsschnitt im Geiste schonmal den Weg zum Büffet.
Nachdem die ersten Zeugnisse an die Klasse 13a und 13b verteilt wurde, gab es Essen und anschließend wurde die erste Tanzrunde eröffnet. Da ich keine Karte mit Essen hatte (weil die Karte dann umsonst war!), aß ich mich von links nach rechts – und anschließend an der anderen Seite des Tisches – noch von rechts nach links durch. Es ist doch irgendwie von Vorteil, eine große Familie zu haben.
Anschließend kam das Ereignis, wegen dem wir eigentlich so hier waren, nämlich das Essen. Äh, nee. Hatten wir ja schon. Ich meinte die Zeugnisvergabe an die Klassen 13c und 13d. Also unter anderem an mich. Ich freute mich schon wie Sau, und hoffte insgeheim, dass keiner bemerkte, dass ich auf der Bühne alle zwei Minuten mein Kleid einige Zentimeter nach oben zog, damit es mir nachher nicht zu sehr nach unten rutschte, wenn ich mein Zeugnis abholte.
„Und sehr herzlich gratulieren wir Jennifer!“ Ich fürchtete mich ja schon länger vor dem Moment, mein Zeugnis abzuholen. Ungefähr seit dem Moment, als mein Vater mir mitteilte, dass er genau dann ein Schild hochheben würde mit der Message „Go, Jenny, go!“. (Das war zwei Tage vor dem Abiball.) Schilder hatte meine Familie nicht dabei, dafür riefen sie recht laut „Jenny for president!“, was ungefähr genauso peinlich war.
Nach einer weiteren Tanzrunde wurde die Klasse 13e noch mit Zeugnissen versorgt (besonders lustig war ein Schüler, der nach der Nennung seines Namens verspätet auf die Bühne kam, und auf die Frage, warum er denn nicht da war um sein Zeugnis abzuholen mit „Mir war mein Glas Sekt eben noch wichtiger!“ antwortete), die Schulsprecherin mit der schrecklichen Piepsstimme versorgte die Lehrerinnen und Lehrer mit kleinen Geschenken, dankte den Komitees und hielt anschließend noch eine kleine Rede. Es gab noch eine tolle Tanzeinlage der Tanz AG (die wider meinen Erwartungen echt gut war!) und zum Schluss wurden alle Abiturienten nochmals auf die Bühne geholt, um ein gemeinsames Foto zu machen. Anschließend wurde Whitney Houstons „One moment in time“ gespielt, und alle fingen an zu heulen.
Einige gingen nach dem Abiball noch in eine Disco, die sich „Die Wache“ nannte. Zfen, Lisanne, Lisannes Freund Tommy und ich trafen uns anschließend dort, um noch etwas zu feiern. Meine Schwester musste zuhause bleiben, da sie mit ihren hohen Absatzschuhen kurz nach dem Abiball umknickte, und ihr Fuß geschwollen war. Wieder war ich froh, meine (flachen! Ätsch!) Ballerinas anzuhaben.
Nach drei Stunden und immer monotoner werdender Musik beschlossen Zfen und ich, nach Hause zu gehen. Ich meine: echt gehen. Nachdem wir eineinhalb Stunden geschafft hatten, beschloss eine äußerst liebenswürdige Dame, die eigentlich in die entgegengesetzte Richtung wollte (!), uns noch zu mir zu fahren, und dann war der Tag gegen fünf Uhr morgens auch zu Ende.
Alles in allem war es ein richtig schöner Abend. Ich danke hier an der Stelle erstmal meinen Eltern. Meiner Mama, für das Abiballkleid, für das Haarspray, das sie mir extra noch gekauft hatte, für Bob der Bär junior, für meine Socken mit meinem Abischnitt, für die anderen zwanzig Paar Socken, fürs Fahren, und natürlich dass sie extra hergekommen ist! Meinem Papa für das Finanzieren des Abends in Form von Abizeitung, Essen, für die Disco später am Abend und seine unverzichtbare Anwesenheit. Und natürlich danke an Zfen, Romy und Lars, meinen Geschwistern Lisa, Uwe, David und dessen Freundin Ani, dass sie sich Zeit genommen haben, da sein zu sein. Ohne Freunde und Familie ist so ein Fest nicht wirklich feiernswert!
Der Beitrag wurde am Montag, den 25. Juni 2007 um 17:32 Uhr veröffentlicht und wurde unter Retrospektive, Schule abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
24 Reaktionen
Ich gratuliere auch mal. Und ich lobe auch mal das Outfit. ist wirklich mal was mit Stil.
Glückwünsche. So haben die 13 Jahre nicht so ein 08/15-Ende.
Und jetzt sehen wir Jenny auch mit Kopf und Kleid in echt. Gut, das das Kleid schulterfrei war, so konnt man Dich leichter finden.
Tja, und jetzt beginnt die Zeit in der nach oben keine Grenzen gesetzt sind. Bislang war 15 Punkte das Beste, jetzt gibt es dauernd welche, die die Messlatte nach oben verschieben.
Die Wendung lautet übrigens „nach dem Frisieren“.
was seid ihr alle hübsch!
ja, solche veranstaltungen sind die pest in tüten. schlimm sowas. ein pompöser abschluss von vielen jahren leiden. bei whitney housten hätte ich geweint wegen der generellen schlechtness.
auch immer wieder toll zu lesen: die charakterisierungen. mir scheint immer, daß es dafür nur so 3 presets gibt. die sind deutschlandweit immer die gleichen. mit viel blah und frommen wünschen.
um 21:07
woher kennst du in dominic?
ganz ehrlich. er ist mein freund
um 21:08
bitte danke 
Herzlichen Glückwunsch
Wie haben denn eure Lehrer so gefeiert?
Ich weiß nur vom Mathe-LK-Lehrer, dass der wohl bisschen über den Durst hinaus getrunken hat und deswegen auch erst gegen Mittag am Folgetag ausm Bett kam 
um 00:28
Jaaa du Pansen das war ein Abend… wir habens auch noch nach Haus geschafft – wir mussten nicht mal laufen *g*! Jetzt haben wirs doch tatsächlich hinter uns… 
Glückwunsch Jennylein.
Muss ich dir nie wieder Hausaufgaben machen 
simon: […] Blogpost kommt sicherlich. Irgendwann.
Ich musste mich ehrlich gesagt überwinden zu schreiben. War so viel.
Marcel: Ich gratuliere auch mal. Und ich lobe auch mal das Outfit. ist wirklich mal was mit Stil.
Danke!
Marc: Tja, und jetzt beginnt die Zeit in der nach oben keine Grenzen gesetzt sind. Bislang war 15 Punkte das Beste, jetzt gibt es dauernd welche, die die Messlatte nach oben verschieben.
Ich hab so schon selten die 15 Punkte erreicht.
bogus: ja, solche veranstaltungen sind die pest in tüten. schlimm sowas. ein pompöser abschluss von vielen jahren leiden. bei whitney housten hätte ich geweint wegen der generellen schlechtness.
bogus: auch immer wieder toll zu lesen: die charakterisierungen. mir scheint immer, daß es dafür nur so 3 presets gibt. die sind deutschlandweit immer die gleichen.
Das liegt daran, dass die meisten Schreiber nicht mit Können gesegnet sind.
bogus: mit viel blah und frommen wünschen.
Was sonst? Die Texte werden in der Regel von Freunden geschrieben. Ich denke, da ist es voraussehbar, dem anderen alles Gute zu wünschen. Ich hab mich jedenfalls über meinen Text gefreut. War zwar schreiberisch nicht die Bombe, aber ich weiß, wer hinter diesem Text steckt und was er mir sagen will.
mary: woher kennst du in dominic?
Ich kenne die meisten aus meiner Blogroll nicht persönlich.
Christin: Wie haben denn eure Lehrer so gefeiert?
Unser Bio-Lehrer war später noch in der Disco, ansonsten habe ich nichts mitbekommen.
Quetschke: Schön, dass du’s jetzt hinter dir hast, Jenny…
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Ich will nochmal.
Lisanne: […] wir habens auch noch nach Haus geschafft – wir mussten nicht mal laufen *g*!
Helmüt: Muss ich dir nie wieder Hausaufgaben machen
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Pscht! 
Scheiße, was mir auffällt: Wie hoch ist eure Frauenquote? Das ist ja unglaublich!
Jenny: Das liegt daran, dass die meisten Schreiber nicht mit Können gesegnet sind.
verlangt auch keiner. ich habe lediglich geschmunzelt als ich es las, weil exakt der gleiche aufbau von charakterisierungen in jeder abizeitung die ich bisher las (viele) zu finden ist. war gar nicht abwertend gemeint.
Jenny: War zwar schreiberisch nicht die Bombe, aber ich weiß, wer hinter diesem Text steckt und was er mir sagen will.
war gar nicht so dezidiert auf deine persönliche charakterisierung ausgerichtet. lies mal deine abizeitung n paar jahre später und dir fällt auf bei wievielen leuten so hohle phrasen gedroschen worden sind.
achja. disclaimer: alles von mir gesagte entspricht nur meiner meinung. unser abiball war auch funny (jedenfalls später). der formale teil ist. ja. er ist.
um 15:46
Es war DEIN Abiball und ich bin stolz auf dich
simon: Scheiße, was mir auffällt: Wie hoch ist eure Frauenquote? Das ist ja unglaublich!
Drei Jungs und jede Menge Mädchen. Wenn ich jetzt wüsste, wieviele wir waren, hätte auch das mit der Quote geklappt.
bogus: lies mal deine abizeitung n paar jahre später und dir fällt auf bei wievielen leuten so hohle phrasen gedroschen worden sind.
Wieso? Weil es sich nicht erfüllt? Oder weil es die Leute später eventuell nicht mehr so meinen?
jeannie: Es war DEIN Abiball und ich bin stolz auf dich
Wär auch schlimm, wenn nicht. 
Irgendwer da oben: So haben die 13 Jahre nicht so ein 08/15-Ende.
Fünfzehn.
Ich fands auch ganz lustig und so … Gratuliert habe ich ja schon reichlich. Und jetzt such dir nen Job, ich hab einen hohen Lebensstandard. 
um 23:54
Vielleicht täuscht das Photo ja, aber wenn nicht, ist das sehr interessanter Schmuck, den Du da trägst (und ich meine nicht den so mühevoll installierten Nasenring). Erinnert an die Ohrringe der Bajoraner. Sieht sehr gut aus.
Zfen: Und jetzt such dir nen Job, ich hab einen hohen Lebensstandard.
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Das sagst gerade DU.
Maik: Vielleicht täuscht das Photo ja, aber wenn nicht, ist das sehr interessanter Schmuck, den Du da trägst (und ich meine nicht den so mühevoll installierten Nasenring). Erinnert an die Ohrringe der Bajoraner. Sieht sehr gut aus.
Ich trage nie Schmuck, und deshalb sind das auch nur zehn Euro teure Ohrringe aus einem Schmuckladen der sich „Bijou Brigitte“ schimpft (oder andersrum). Aber gut, dass es interessant aussieht. 
also 1. wollte ich keine absätze anziehen, weil ich eh schon großgenug bin, und weil ich absätze nich mag.
2. war es dunkel, ich sang;,mein kleiner grüner kaktuss“, überall waren schlaglöcher und ich bin hin und her gesprungen.
-da darf mir das „umknicken“ passieren ._.
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25
um 18:36
Na dann hastes ja endgültig rum. Glückwunsch, ich habs auch bald geschafft, zwar kein Abitur, aber ne Ausbildung, Blogpost kommt sicherlich. Irgendwann.