Trauerstunden
Schonmal sechzehn Gedichte aus dem Heimat- und Exil-Lyrik-Büchlein in eineinhalb Stunden gelesen? Wenn nicht, dann Glückwunsch, ich war heute nach den zwei Stunden mehr oder weniger geistig am Ende.
Wenn man hundertzwanzig Minuten lang sechzehn Gedichte bespricht, die nichts anderes beschreiben außer Trauer, Hoffnungslosigkeit, Krieg und Einsamkeit, wird man mit der Zeit auch depressiv.
Gut 7,5 Minuten durchschnittlich wurden pro Gedicht für die Besprechung gebraucht, sechzehn Mal irgendwo erneut Einsamkeit, Auswandern, Fluchtgedanken, Tod, Freunde/Familie verlieren und so weiter. Ich habe mir vor lauter Depression die Fingernägel abgekaut und befürchte, dass dann – wenn wir ungefähr zehn der Gedichte ausführlichst auf rhetorische Mittel und Inhalt untersuchen beziehungsweise interpretieren (was wohl mehrere Stunden in Anspruch nehmen wird) – meine Finger daran glauben müssen.
Nie gewusst, dass Deutschstunden so verstören können.
Schule
6 Reaktionen
Gedichte können schon was feine sein, Frau R. Ausländer macht allerdings so oder so deppresiv.
Öffnet ihr die Bundeslade –
seht nur, wie im Speck die Made,
fett umfüttert von Soutanen
träumen schwer Pneumaniens Ahnen;
Gedichte … Pff 
Ich hab einmal ne Abhandlung über ne Kurzgeschichte als Abschlussprüfung abgeben müssen. Ich habe noch nie so verkackt am Thema vorbei geschrieben.
Ich denk mal, jedes Gedicht, jede Geschichte löst beim Leser andere Emotionen aus. Das Problem dabei ist, daß Deutschlehrer keine Emotionen haben sondern ne „Maske“, bei der drinsteht, was das Gedicht angeblich auslösen soll.
Christin: Ich mag Gedichtanalysen sowieso nicht
Ich auch nicht, habe mich bis jetzt ja immer erfolgreich drücken können.
Matthias: Gedichte können schon was feine sein, Frau R. Ausländer macht allerdings so oder so deppresiv.
Nicht nur die Rose macht depressiv, der Rest ebenso.
Zfen: Gedichte … Pff
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Das denke ich ja insgeheim auch.
Marcel: Ich denk mal, jedes Gedicht, jede Geschichte löst beim Leser andere Emotionen aus. Das Problem dabei ist, daß Deutschlehrer keine Emotionen haben sondern ne “Maske”, bei der drinsteht, was das Gedicht angeblich auslösen soll.
Jeder kann anders interpretieren. So lange man begründet und beschreibt, ist das bei uns mal kein Problem. Es gibt hier bei uns zumindest mal nicht nur eine Lösung.
Gedichte…
Wir lernen in der Schule Feedbackregeln… *rolleyes* genauso ätzend wie Gedichte…

Es ist auch bedrückend, wenn du ein viertel Jahr lang nur Texte liest, die dir vorwerfen, weder lesen noch schreiben noch korrektes Deutsch zu können.
Und Woyzeck fand ich auch verstörend, so ein bisschen zumindest.
Ich mag Gedichtanalysen sowieso nicht.