Betriebsbesichtigung bei Audi
Heute hatten wir einen Ausflug. Wir haben ja so relativ wenig Ausflüge. Finde ich eigentlich auch gut so, weil ich Ausflüge irgendwie doof finde. Heute aber fand ich das Ganze ausnahmsweise mal interessant.
Wir hatten heute eine Betriebsbesichtigung im Audi-Werk in Neckarsulm und haben mitverfolgen dürfen, wie der A6 entsteht. Am Anfang haben wir so Hörer bekommen, die man sich so ums Ohr pappt (quasi so eine Halterung), und in so ein Empfangsgerät einsteckt, so dass die Frau Führerin alles bequem über Mikrofon erzählen konnte, ohne in lauteren Fertigungsstellen schreien zu müssen. Ich sage Euch, das Ding fürs Ohr war überhaupt nicht tricky, das konnte man nämlich nicht ans Ohr anpassen. Das führte halt dazu, dass ich die ganze Zeit mehr damit beschäftigt war, das Ding an mein Ohr zu halten, damit es nicht herunterfällt, anstatt der guten Dame zuzuhören. Ich glaube, ich habe neben der kleinen Nase auch noch verdammt kleine Ohren.
Ja, die Führung war eigentlich interessant, muss ich sagen. Anfangs haben wir gesehen wie die riesen Rollen Material von so Maschinen zerschnippelt wurden und in den Pressen gepresst (mit 7000 Tonnen Presskraft (o.s.ä) – ich habe mir mal vorgestellt, wie das ist, in so einer Presse zu landen, uah), später hat man dann gesehen, wie Roboter die Teile miteinander verschweißt hatten. In der Endfertigung hat man dann gesehen, wie die Karossierie auf den Motor (und was noch so unters Auto kommt) kommt, was die Leute bei Audi ganz romantisch ‚Hochzeit‘ nennen.
Die Führungsdame war manchmal auch ganz lustig. Als wir gerade an der Stelle waren, an der der Motor unter die Karosserie kommt, erzählt sie lustig, welche Leutchen hier so arbeiten, beispielsweise KFZ-Mechaniker oder Elektroniker. Und dass sie selbst mal Friseuse Friseurin gelernt hat, dann irgendwo im Eletronikbereich gearbeitet hat und aufgestiegen ist (schließlich hat man als Friseurin echt viel Kundenkontakt und kann gut mit Menschen umgehen, man ist also dafür geschaffen Führerin im Audi-Werk zu werden). Also Leute, Hauptschulabschluss? Friseurin gelernt? Auf zu Audi! Da kann man gut aufsteigen.
Wenn man so sieht und hört, dass in jeder Fertigungsstelle mehr als 96 Prozent alles völlig automatisiert abläuft, denkt man ja unweigerlich auch an die Probleme der Substitution in unserer Gesellschaft. Aber nein. So Frau Friseurin-Führerin. So schlimm sei das ja gar nicht. Denn es gibt ja auch noch Leute, die die Roboter programmieren und warten (das reicht doch). Von wegen die Substitution sei so schlimm. Das alles da was die Roboter machen, war früher mal ein „Knochenjob“. Die Leute sind bestimmt froh, dass sie das nicht mehr machen müssen.
Ansonsten war das alles auch echt praktischer BWL-Unterricht. Alles was wir so gelernt hatten im Laufe der letzten zwei Jahre hat man hier gesehen. Es gab Tochtergesellschaften. Die just in time-Produktion. Verschiedene Fertigungsstellen, was mich immer an die Betriebsabrechnungsbögen in Kosten- und Leistungsrechnung erinnerte, wo man die Gemein- von den Einzelkosten trennt.
Ich sehe es einfach schon vor uns: Immer das praktische Beispiel an Audi. „Damals, als wir bei Audi waren, da gab es auch die Lackierei, das ist eine Kostenstelle!“, höre ich jetzt schon, wenn wir das nächste Mal praktische Beispiele für irgendeinen Unfug brauchen.
Trotzdem war ich froh, bald wieder daheim zu sein. Das Laufen war echt nervig, meine Beine waren irgendwie so wackelig. Was mich auch noch richtig gestört hat, war, dass meine linke Kontaktlinse auf einmal nichtmal richtig funktionierte. War irgendwie dreckig, und sah alles vernebelt mit dem einen Auge (habe mir heute dann eine neue Kontaktlinse gekauft, leider -0,25 Dipotrien zu schwach, das fühlt sich jetzt an, als ich beim Sehen schielen würde).
Ja, eigentlich insgesamt ein ganz gelungener Tag. Dafür schreibe ich morgen Mathe.
Schule
3 Reaktionen
Ich mag Audi nicht…
Aber ansonsten hört sich das alles sehr toll an.
Und das mit der Substitution…
Der Hauptarbeitgeber hier in der Stadt, das Eisenkombinat Ost, hat etwa 50% seiner Stellen abgebaut, die Stadt wurde als reine Wohnstadt für das EKO errichtet, also kann man sich die wirtschaftliche Lage hier ja halbwegs gut vorstellen.
Du warst nur acht Kilometer von mir entfernt und hast nicht Bescheid gesagt?
Aber ich hätte sowieso keine Zeit gehabt
Und ja, Audi ist toll. Das die Werksbesichtigungen machen, wußte ich garnicht.
In der Saline in Jagstfeld könnt ihr auch den Stollen besichtigen. Das ist auch super interessant. Nur mal als Idee für den nächsten Ausflug.

Ist doch mal was nettes, so ein Ausflug. Die habe ich eigentlich immer gerne gemacht, ja wenn wir hinterher nicht immer ein Protokol hätten schreiben müssen.
Hast Du denn wenigstens einen Audi eingepackt?
Aber was hast Du denn heute noch so gelernt?
Wenn die ganzen Roboter die Arbeit übernehmen, was ja wegen des Knochenjobs oder der Gesundheit (siehe Lackiererei) oder den Kosten von Vorteil ist, muss also irgendetwas anderes für die Menschen gesucht werden.
Nun musst Du also morgen noch eine neue Kontaktlinse kaufen?