31. August 2006

Hilfe benötigt

Meist kurz vor den Ferien bin ich geradezu optimistisch, was mich und mein Lernverhalten angeht. Da nehme ich mir allerlei vor, in den Ferien zu tun, damit im nächsten Schuljahr alles besser klappt. Meist klappt das alles dann doch nicht so, wie geplant… Zumindest habe ich für diese Ferien mal eine Aufgabe, bin aber noch nicht (wirklich) an diese herangegangen.

In diesen Ferien muss ich einen Essay für Deutsch schreiben. Nun ja, schreiben ist für mich jetzt nichts Anstrengendes. (Zumindest finde ich es wesentlich entspannender, als ein Mathe- oder BWL-Abivorbereitungsbuch aufzuschlagen, nicht weiterkommen, mir die Haare zu raufen, weil ich aus den Lösungen aus dem dazugehörigen Lösungsheft nicht schlau werde. Anschließend das Buch voller Wut in die nächste Ecke zu werfen und festzustellen, wie wenig man eigentlich kann und weiß.)

Jedenfalls: Das Thema meines Essays lautet…

Vaterland ist, wo mich Luise liebt“ -
Vaterland – Muttersprache – Heimat

… und wenn ich ehrlich bin, kann ich persönlich wenig damit anfangen. (Das Zitat stammt übrigens aus Schillers Drama ‚Kabale und Liebe‘.)

Ich habe es in letzter Zeit desöfteren mal versucht, einen guten Einstieg zu finden, aber mir fällt einfach nichts ein. Das Thema ist für mich eigentlich eher ein ernsteres, nichts, womit man mit Witz und Ironie herangehen kann. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, hatte ich es noch nie so mit ernstem Schreiben.

Deshalb frage ich einfach mal herum. Ich bräuchte ein paar Ideen, Gedanken zum Thema, wenn einer also Lust hat, ein paar Fragen zu beantworten (die sind auch gewiss nicht schwer), wäre mir schon etwas geholfen. Dabei ist mir Eure Meinung wichtig, nicht die Definition eines Lexikons.

1. Wie definiert ihr Heimat?
Was verbindet ihr damit (Orte, Personen, Landschaften)? Ist ‚Heimat‘ ein fester Ort, oder ist Heimat da, wo die Liebe ist (siehe Zitat)?
2. Wie definiert ihr Vaterland?
3. Sind Vaterland und Heimat das Gleiche? Oder: Was ist der Unterschied?
4. Welche Themen falle Euch noch zum Thema des Essays ein, die angesprochen werden sollten?

Das sind die Fragen, die mir im Kopf herumschwirren. Für Anregungen, Vorschläge und Ideen bin ich also dankbar. Dann kann ich mal etwas Produktives leisten. :/


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17 Reaktionen

Irgendwer hat mal gesagt, Heimat ist da, wo ich meinen Mantel aufhänge. Diesen Spruch find ich total bescheuert, da ich meinen Mantel auch in der Arbeit aufhänge. Und da fühl ich mich bestimmt nicht heimatlich :) Ich denke, Heimat ist der Ort, an den es einen immer irgendwie zurück zieht, dabei muss es sich nicht einmal um nen bestimmten Ort handeln, sondern Heimat kann auch ein bestimmtes Ereignis sein an das man sich gern erinnert, was das Leben geprägt hat.

Die Muttersprache ist so ne Sache. Letztendlich ist die Muttersprache ja die Sprache, die man von Geburt an mitkriegt. Das Ding ist, daß man irgendwie froh ist, wenn man im Ausland war, sich mühevoll die Sprache angeeignet hat und dann endlich wieder nach Hause kommt und seine eigene Sprache hört. Ziemlich genial kommt das bei „Der Medicus“ von Noah Gordon rüber, wo der Hauptcharakter mehrere Jahre im Orient lebt und froh ist, wieder nach England zu kommen, um wieder die eigene Sprache zu hören.

Vaterland ist für mich nicht unbedingt Heimat. Wie ich ja oben bereits erwähnt habe, bedeutet Heimat für mich persönlich ein Gefüge aus Emotionen UND einem Ort, an dem ich mich wohl fühle. Vaterland klingt mir zu sehr nach Militär und Stolz. Mir persönlich fehlt der idealistische Bezug dazu. Man gelobt als Soldat auf das Vaterland, quasi auf das Ding, welches einen ohne mit der Wimper zu zucken in den Krieg schickt.

Ich war übrigens nie besonders gut im Deutschunterricht…

Du könntest „Resturlaub“ vom Tommy Jaud lesen, da geht’s um das Thema.

Zwei halbe Heimaten eregben zusammen übrigens keine ganze.

Hey…

Heimat: für mich der Ort, wo ich mit Freude immer wieder hin zurückkehre, wo ich mich wohl fühle und worauf ich mich freuen kann, wenn ich nicht da bin. Es ist der Ort, an den man immer wieder zurückdenkt, der einen „gefangen“ hat und nicht mehr loslässt.

Vaterland: Papas Grundstück. Spass beiseite: das Vaterland im eigentlichen Sinne finde ich doof, es ist Fügung, Schicksal, Glück oder Pech warum man an einem bestimmten Fleck Land geboren wird. Ex-DDR‘ler haben kein Vaterland mehr, ist also nichts beständiges (einige vermissen es auch nicht direkt), ich persönlich halte nichts von dem ganzen..

Ich hoffe du kannst damit was anfangen… :)

Du könntest erörtern, warum es Vaterland, aber Muttersprache heißt ;)

Heimat, ich glaube, für mich ist es das Meer, auch wenn ich so selten dort bin und in Kürze noch weiter weg ziehe. Ich habe nie dort gewohnt, aber seit vielen Jahren zieht es mein Herz dort hin, meine Gedanken.
Das ist meine Seelenheimat.

Der Unterschied zwischen Vaterland und Heimat ist für mich simpel – das Vaterland ist (in meinem Falle) Deutschland, dort bin ich geboren, aufgewachsen. Aber meine Heimat, die kann auch irgendwo ganz anders sein. Vielleicht wohne ich in zwanzig Jahren in Australien, dann ist mein Vaterland noch immer Deutschland, aber meine Heimat vielleicht Sydney. (Na ja, ich glaube eher weniger.) Heimat ist da, wo ich mich zu Hause fühle.

Mhm, also Heimat ist für mich der Ort wo ich zu Hause bin. Eigentlich ist das auch der Ort wo ich aufgewachsen bin, dann gibt es noch die zweite Heimat, dann wieder der Ort oder Region wo ich mich ebenfalls wohl fühle und lebe. Also schon kompliziert.
Heimat, da wo ich herkomme.
Zweite Heimat, da wo ich lebe oder gerne bin.
Vaterland ist für mich auch nur das Land wo ich geboren bin, aber der persönliche Bezug fehlt mit jedenfalls. Einige haben diesen Bezug und andere wiederum nicht. Vaterland klingt wirklich zu militaristisch und ich habe etwas gegen solche Begriffe.
Die Muttersprache ist dagegen eigentlich wieder einfach zu erklären, der Begriff sagt ja schon alles. Das ist die Sprache mit der ich aufwachse und die ich zuerst erlerne und das ist ja in der Regel die Sprache meiner Eltern.
Und da wo ich die Sprache lerne, ist meine Heimat.
Über die Sprache identifiziere mich mit meiner Heimat, aber eigentlich auch schon wieder mit dem Vaterland.
Wenn ich dann mir das Zitat anschaue, so würde ich sagen, dass es heute völlig überholt ist.
Damals galt die Heimat noch als Vaterland (das war auch wegen der vielen Staaten innerhalb Deutschlands viel einfacher) und diese Heimat verließen die wenigsten und deshalb ließ sich im Vaterland auch die Liebe finden.
Heute müsste es heißen, Heimat ist, wo Luise mich liebt.
Denn dort fühle ich mich heimisch.
Ich hoffe, ich konnte Dir mit meinem Gedankendurcheinander etwas helfen.

Auch wenn ich heute Abend nichts sinnstiftendes mehr von mir zu geben in der Lage bin: Kabale und Liebe habe ich mehrfach gelesen und gesehen: herrlich.

Dein Thema passt allgemein zu Schiller.

Zu meinen Abiturzeiten hatten wir das in ganz ähnlicher Form auch besprochen. Und ich kann mich ferner an lange und äußerst kontroverse Duskussionen erinnern.

Dennoch hilft eine lexikalische Definition oftmals weiter. Wikipedia beispielsweise meint ja „Heimat ist die Gesamtheit der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst. Auf sie wird seine Psyche geprägt, ihnen „ist er gewachsen“. Heimat ist, wo man sich nicht zu erklären braucht.“ – wie Du vielleicht schon gelsen hast.

An dieser Definition ist meiner Meinung nach schon viel Wahrheit. Ich möchte Dir kurz etwas schildern. Eine Dame, die ich kenne, ist 80 Jahre alt. Sie stammt ursprünglich aus Flensburg, also hoch im Norden. Schon seit ewigen Zeiten – ich kann die Dauer leider nicht genau bestimmen – wohnt sie jedoch in Baden-Württemberg. Seit nunmehr fünf Jahren – würde ich sagen – fährt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann regelmäßig an die Nordsee. Dort gehen sie viel spatzieren und sehen sich Orte an, zu denen es sie beide eben zieht.
Ich vermute, dass sie im Alter etwas in sich spürt, dass sie einfach zurück zu ihrem Ursprung zieht. Etwas, dass ihr das Gefühl der Vertrautheit gibt. Etwas, das sie schon seit ewigen Zeiten kennt, und dass sie so sehr mag. Etwas, dass ich Heimat nennen würde.

1) heimat ist der ort, an dem alle deutsch sprechen. (und ja, falls es nun irgendwo im urwald ein ort geben würde, an dem alle deutsch sprechen, würde ich den auch als heimat ansehen können; in schweiz und österreich würde ich mich auch heimisch fühlen)
2) vaterland ist deuschland. generell entweder das land in dem ich geboren bin oder in dem ich die meiste zeit meines lebens gelebt habe.
3) offensichtlich, nein. unterschiede siehe oben.
4) sprachwandlung im laufe der zeit („ist, wo“). absichtliche zweideutigkeit des satzes? wieso bringt google bei der suche nach dem zitat den verbesserungsvorschlag: „Vaterland ist, wo sich Luise liebt“?

wenn man keine einleitung weiß, geht immer eine definition. man definiere sich vaterland, muttersprache oder heimat und lege davon ausgehend los.
was auch immer geht, bei lehrern sogar meistens gut rüberkommt, einen aktuellen anlaß reinbauen. aufschwappende welle patriotismus zur/nach der fußball wm oder ein veweis auf das schiller jahr 2005.
das was lehrer als elegante einleitung bezeichnen kann man nicht vorgeben. elegant ist eine einleitung wenn sie schön zum rest des textes passt und hinführt. somit abhängig vom schreiber und sonst nix.
ich würde wohl anfangen indem ich mit dem untertitel von kabale und liebe einsteige und ihn in zusammenhang bringe mit der deutschen problematik gegenüber patriotismus/vaterlandliebe.

also für mich ist heimat dort wo man sich wohl und geborgen fühlt und deswegen auch freunde hat, wenn man zb umzieht in einanderes land oder so und man sich dort total wohlfühlt ist das heimat.
das vaterland dagegen ist meiner meinung nach der ort an dem du geboren bist.

Erstmal danke dafür, dass ihr Euch darüber Gedanken gemacht habt. Hat mir sehr weitergeholfen. :)

@ Marcel: Völlig wurscht, ob Du gut warst oder nicht. Es geht ja um die Gedanken, und nicht darum, dass Du es schreibst. Allein schon damit hilfst Du mir.
@ Christin: Ein Buch lese ich die nächsten zwei Wochen sicherlich nicht mehr. *g* Und von einer halben Heimat habe ich noch nie etwas gehört.
@ Marc: Ja, kann ich. :)
@ Lu: Ja, darüber habe ich auch schon nachgedacht, das zu erörtern. Könnte mal schauen, ob es interessant wäre.
@ doerfler: Hm, interessant, also das mit dem Vaterland == Heimat. Ich weiß nicht gebau, wie das war mit Heimat verlassen. Und ob Ferdinand mit dem Zitat sagen wollte, dass Luise Heimat ist. Ist aber ein interessanter Gedanke…
@ Matthias: Ich hab’s gelesen, als ich mich aus Versehen vom Haus ausgeperrt hatte, und nur dieses Buch zur Hand hatte… :/
@ André: Wikipedia und das Brockhaus habe ich gleich als erstes zu Rate gezogen. Aber es war ja interessant für mich zu wissen, ob die meisten Heimat so empfinden, wie es dort steht. :)
@ tb: Das mit der Zweideutigkeit verstehe ich jetzt nicht. Und warum Google diesen komischen Satz bringt, ist mir ehrlich gesagt auch ein Rätsel, schließlich ist der Satz an sich so ‚Vaterland ist, wo sich Luise liebt‘ nirgends zitiert. :/ Hm ja. Ich denke, mit dem Zitat anfangen ist das Vernünftigste, ich glaube, ich weiß später sonst nicht, wo noch ’rein damit, und umsonst steht es ja bestimmt nicht als Zitat da.
@ anja: Danke.

Vaterland ist für mich Deutschland, weil ich da geboren bin. Meine Heimat ist mein Bett, weil ich da am liebsten bin (auch alleine *LOL*).

Heimat ist für mich mein Geburtsstädtchen Gelsenkirchen, das wird sie immer sein auch wenn ich heute in Hessen lebe, das ist meine Wahlheimat…wenn ichmal wieder nach GE fahre dann fahre ich in die alte Heimat, nach Hause eben.
Da wo mein Herz hängt bin ich noch lange nicht beheimatet, auch wenn viele meinen das es so sein sollte.
Vaterland ist Deutschland aber ich kann dem Begriff nichts zuordnen dann lieber Heimatland dann stimmt es wieder, klingt alles etwas konfus aber ich weiß nicht wie ich es besser erklären sollte.
Es gibt aber einen Unterschied zwischen den beiden Wörtern für mich, und zwar bin ich in meinem Heimatland aber nicht in meiner Heimat, wo meine Kindheit und meine Erinnerungen sind.
Ok ich lass es mal so stehen :-)
Hoffe du kannst was damit anfangen

@ela: blau und weiß wie lieb ich dich…
Sorry Jenny, jetzt was zum Thema: ich habe erst seit einigen jahren das gefühl eine heimat gefunden zu haben. ich glaube, dieses Empfinden ist ein individuelles gefühl. vaterland, naja ich denke die voraussetzung hierfür ist eine gewisse verbundenheit mit diesem land und eine art von stolz, die man empfinden sollte. Unterschied? Gemeinsamkeit? Zuviele, um die jetzt noch alle aufzuschreiben. Kommt sicherlich auch darauf an, was der Lehrer an sich hören möchte. Viel Erfolg!

@ ela: Danke, das kann ich bestimnmt. :)
@ silly: Der Lehrer möchte besonders vielseitige Essays haben, nicht zwanzig Stück von Schülern, die alle gleich klingen. :)

@jenny: na dann musste wohl doch ganz alleine arbeiten ;-) abschreiben gilt nicht!

Hallo! (Oder besser gute Nacht ;D)
Du hattest mich letzte Woche gefragt und ich war zu beschäftigt und musste erst darüber nachdenken – jetzt aber wie ichs für mich definiert habe.

Vaterland ist das Land meiner „Väter“ (wobei Väter auch für Vorfahren stehen kann) – das Land in dem mein Vater (u. Großvater, Urgroßvater, …) gelebt hat. Entsprechend würd ich auch Mutterland definieren.

Heimat ist der Ort an dem ich mich zuhause fühle – das muss kein Land sein sondern irgendeine geographische Größe, auch eine Region kann die „Heimat“ vollständig umfassen und von der Nicht-“Heimat“ abgrenzen. Heimat ist der Ort an dem man aufgewachsen und (teilweise) erwachsen geworden ist.

Unser Bundespräsident hat es heute ziemlich auf den Punkt gebracht:

„Herkunft und Heimat prägen uns alle. Heimat: Das ist mehr als eine bestimmte Landschaft, Heimat, das sind Lebensweisen, Bräuche, das ist Musik und Literatur, das sind Überzeugungen, das ist eine ganz bestimmte Art, auf der Welt zu sein. Und Heimat, das sind menschliche Beziehungen, Freunde, Kameraden, Familienangehörige und ganz besonders natürlich die Geschwister und die Eltern. Wenn wir sagen, wir haben eine Heimat, dann sagen wir auch: Wir haben uns nicht allein aus uns selbst gemacht und gestaltet. Wir verdanken uns Anderem und Anderen. Wenn wir sagen, wir haben eine Heimat, dann bekennen wir uns auch zu unserer Begrenztheit und zu einer ganz bestimmten Form, die unser Leben geprägt hat.“

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