30. August 2006

Wir können alles. Außer Hochdeutsch.

Als ich klein war, machte ich mir nie irgendwelche Gedanken über unsere Dialekt. Für mich war es normal, schwäbisch zu reden, und die ‚im Fernsehen‘ waren diejenigen, die doch absolut nicht richtig sprechen konnten. Überhaupt klang ‚unsere Sprache‘ doch viel schöner als dieses ‚eingebildete Hochdeutsch‘.

Wenn man dann in die Schule kommt, wird man dann förmlich desillusioniert. „Ihr seid jetzt in der Schule, und da lernt ihr richtiges Deutsch.“

Da heißt es nicht mehr ‚dem Papa sein Fuß‘ sondern ‚der Fuß des Vaters‘ – und der Fuß war auch nicht mehr das, was er einmal war, denn der hieß ab sofort ‚Bein‘. Auch die bösen Dinger, die mich nachts im Sommer stachen, waren ‚Stechmücken‘, und keine ‚Schnacken‘. Und ‚Mucken‘ waren ‚Stubenfliegen‘.
Auch das mit den Zeiten war seltsam, ich verstand damals nicht, warum ich nicht mehr „ich habe das gemacht gehabt“ sagen durfte und stattdessen nun belehrt wurde, dass es „ich hatte das gemacht“ hieß.

Ja, die Umstellung der ‚Sprache‘ ist schon nicht ganz leicht für uns schwäbischen Kinder gewesen. Viele verfielen vor Verwirrung oft ins ‚Schwäbisch-Deutsch‘ und das klang noch schlimmer, als das Urschwäbisch selbst. Auch viele Lehrer hatten es auch bestimmt nicht leicht mit uns gehabt. Schließlich gab es auch einige trotzige Kinder, die voller Wut ihren Dialekt verteidigten und behaupteten: „Des hoißt net ‚Fliegenklatsche‘ des hoißt ‚Muggabatschor‘!

Aber im Großen und Ganzen gabe es doch schon einiges, was sich sprachlich gelohnt hat, zu ‚verlernen‘.

Denn wenn man auch vieles ausrotten konnte, es gibt bis heute noch etwas, das viele Schwaben nie verlernen werden. Das fiel mir auf, als ich letztens einen Schwaben im Fernsehen reden hörte.
Es gibt da bestimmte zwei Wörtchen. Und immer, wenn diese zwei Wörtchen fallen, erleide ich physische und psychische Schmerzen, weil sich das doch selbst in meinen Ohren grauenhaft anhört. Der Übeltäter heißt der wo.

Der wo tritt überall bei uns auf, in der Definitionen verlangt werden. Und das passiert in meinem Klassenzimmer recht oft. Der wo hat so oft seinen Auftritt, dass es meine Deutschlehrerin schon aufgegeben hat, vom der wo-betroffene Schüler die ganze Zeit zu korrigieren. Der wo will berühmt werden. Der wo will gelesen werden. Und deshalb schmuggelt er sich immer wieder in die Köpfe und in das Geschriebene. Der wo ist irgendwie einfach unausrottbar.

Es gibt deshalb einen Wunsch, den ich schon länger hege:
Der Mensch, der wo das erfunden hat, mit dem würde ich gerne mal ein ernstes Wörtchen reden. Ja. Und damit die Welt verbessern.


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21 Reaktionen

Uhi naja wir im „hohen“ Norden müssen uns mit sowas nicht rumschlagen, dass Berlinerisch wurde ja großteils ausgerottet. Was ich immer überlegt habe, es müsste sich doch mal ein Sachse mit einem Bayer oder einem Schwaben in ihrem Dialekt unterhalten. Ich glaub die werden überhaupt nicht verstehen, was der andere sagt :)

@Janin: Als (Original-)Schwabe kann ich sagen, ich verstehe die Bayern und Sachsen doch recht gut. Nur bei Kölsch und Plattdeutsch setzt es auch bei mir aus. :)

Abr mir Schwoba wellat au it emmer mir jedem schwätza… ;)

„Schnaken“ lernte ich vor vielen Jahren und benutze es unheimlich gern, weil es klanglich ein passendes Wort für die Viecher ist.

Naja, Schwäbisch klingt wenigstens „clever“. Andere Mundarten lassen mich manchmal da zweifeln. Ich denke da an Mannheimerisch. Wobei das die Mannheimer über die Südhessen auch sagen.

Ich finds immer lustig, dass unser Dialekt (eine Mischung aus Hochdeutsch, Platt, Berlinerisch, etwas sächsich und was auch immer) mit dem sächsischen verwechselt wird.
Worüber wir uns dann auch immer aufregen, dass der Rest kein so schönes Deutsch kann wie wir. Gerade bei den Niedersachsen sieht es ganz schlimm aus, die ziehen immer alles so lang.

Was mir gut gefällt ist sächsisch ohne zu sächseln. Das klingt in etwa so wie Kai Pflaume. Wir hatten einen Prof, der so sprach und das klang sehr schön.

@Hubbe: Nee ich hingegen verstehe plattdeutsch besser als sächsisch oder bayrisch :). Ich find bei plattdeutsch immer Lustig wie sie manches ausprechen, wie Kutter = Kudääääää

Platt zum verstehen gibt es bei MC Winkel. Klingt cool.
http://www.whudat.de

Ich verstehe bayrisch und sächsisch auch recht gut. Wobei ich sächsisch einfach grausam finde… :/
@ Looza: Schnaken… *c rausstreich*
Sächsisch ohne zu sächseln klingt irgendwie aber auch komisch. Das wäre dann ja… recht deutsch? Ich finde, Kai Pflaume redet eigentlich so ganz normal ‚hochdeutsch‘.
Und Platt ja, so nach MC Winkel klingt das echt lustig – wobei eigentlich doch noch gut verständlich (für mich zumindest). *g*

Der gemeine Franken sagt oft „gell“ und „fei“ :D

bin kein schwabe, würde es aber so schreiben, schnacken ist die norddeutsche form von „sich unterhalten“.

Ich finde, dass manche Dialekte dem Luxemburgischen etwas ähneln xD Naja, das ist ja eigentlich auch ein moselfränkischer Dialekt..

danke für deinen comment :) es freut mich das dir mein layout gefällt ^^

Ich finde den schwäbischen Dialekt vor allem freundlich. Die Menschen hören sich echt nett an. Ich bin gern in Stuttgart und höre die Stuttgarter gern reden. Lustig wirds, wenn ich ab und an auf die Alb komme … da geht es richtig zur Sach, was Dialekt angeht. Ich garantiere, dass jemand der das nicht kennt, nur wenig verstehen wird.

„Der wo“ höre ich persönlich auch oft, verwende es aber nicht. Im badischen höre ab und zu auch das „Der was“. Das ist meiner Meinung nach noch einen Zacken schärfer. „Der was do hinne steht, meent des“. Dialekt ist schon etwas ulkiges.

Meine Erfahrung mit den Schwaben ist grundsätzlich positiv. Formulierungen wie „Komschtaminunter?“ konnte ich irgendwann auch verstehen. Zumal es da ums „mit nach unten zum Mittag essen gehen“ ging :)

Kölsch klingt aber irgendwie prollig. Sächsisch klingt leicht dämlich (sorry an Sachsen) und als Niedersachse liegt mir dann doch Hochdeutsch… Aber der wo ist wirklich mal fies.

Ich glaube, Eigenarten im Dialekt gibt es überall, auch wenn man in Berlin oder Brandenburg wohnt.

Die Zahl 11 spreche ich wie „ölf“ aus.

Und in Nebensätzen mit „dass“ benutzen hier viele Leute „damit“, das finde ich richtig schrecklich. Es ist richtig schlimm, damit die das nicht können.

@ Helmut: „Fei“ gibt’s hier ja auch. So richtig ins Deutsche übersetzen kann ich das aber nicht. Ich glaube, das ist nur ein Wort zur besonderen Betonung.
@ Looza: Wikipedia meint auch ‚Schnaken‘. Gut, ’schnacken‘ gibt’s hier nicht, hier heißt das ’schwätza‘.
@ André: Der was gibt’s auch ab und an mal. Aber eigentlich ganz selten. Und das ist auch gut so, hört sich noch grausamer an als der wo. :)
@ Marcel: Hm, irgendwie liegt unser (schöner) Dialekt ja mal ganz vorne im Rennen. :D
@ Christin: Das mit dem ‚damit‘ finde ich jetzt allerdings komisch, das ist doch Sinn entstellend, oder?

heyhey! viele neue blogeinträäge, jaa ^^ eigentlich immer interessant, amüsant und soo. mags jedenfalls sehr, wollt ich nur mal loswerden. =)

@ Jenny: Ja, manchmal ist es wirklich sinnentstellend. Gibt aber auch Sätze, in dem das Damit in seiner ursprünglichen Bedeutung komplett sinnlos wäre, da hört es sich dann einfach nur schrecklich an.
Zum Beispiel: Ich meine, damit du herkommen sollst.

Da zieht sich bei mir echt der Magen zusammen.

Klingt echt sehr, sehr komisch. :/

Dann schaut mal was die Schwaben noch alles so können ausser Deutsch …

http://www.fischerfratze.de

Ist schon übel – der Vater der Dübel.

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