
reitag: Am Freitag war eine große Stuttgart-21-Demo (eine von vielen …) mit anschließendem Marsch zum Landtag. Es waren irre viele Leute da, nach Schätzungen etwa dreißigtausend, die ihre Meinung kundtaten. War wie ein Faschingsumzug, nur mit mehr Leuten und weniger Verkleideten.
Groß abgesperrt war eigentlich nicht, der Landtag war mit Polizisten umstellt, aber das war auch völlig ausreichend so. Der negative Nebeneffekt an den ganzen Demos ist natürlich für alle Nicht-Beteiligten der Verkehr, der teilweise völlig brach lag. Uh. Ich stand sogar letzten Mittwoch wegen der Demo zehn Minuten mit der Stadtbahn in Cannstatt herum, und hab mir die Zeit mit Bejeweled vertrieben.
Samstag: Am Freitagmorgen habe ich mir noch ganz spontan auf den letzten Drücker ein Kleid für die Hochzeit am Samstag gekauft. Ich war vorsichtshalber am Tag vorher noch mal in der Stadt, um überhaupt mal zu wissen, was mir steht.
Aufmerksame Leser wissen, dass ich im Verlauf meines Lebens zwei Mal ein Kleid trug: mit neun, als ich Kommunion hatte und vor drei Jahren zu meinem Abiball. Zu meinem Kommunionskleid trug ich Turnschuhe (und eine bunte Leggings! Leggings! Ah! Gut, dass man das nicht sehen konnte), zu meinen Abend-Abiball-Kleid Ballerinas. Das sollte dieses Mal anders, nämlich richtig professionell, sein. Deshalb gab’s meine ersten Stöckelschuhe, bei denen ich eigentlich quasi schon wusste, dass es mich vor dem Altar (als Brautjungfer, versteht sich) voll hinbrettern wird. Und wenn nicht da, dann irgendwann später. Aber nach ein paar Flaschen Wein hat sogar das breakdancen am späten Abend geklappt, ich bin einfach das totale Naturtalent.
Morgens am Samstag war die standesamtliche Hochzeit, gegen Mittag dann in einer neuapostolischen Kirche der Gottesdienst. Komisch, der Gottesdienst, aber wen wundert’s, die bezeichnen sich ja alle als Apostel.
Wir hatten es ja neulich in der Heimat mal von meiner Unwitzigkeit, und dass der ältere meiner beiden Brüder es noch schafft, schlechtere Witze zu reißen als ich. Der Pfarrer war da noch mal eine Stufe mieser, was eigentlich kaum zu glauben (öhö!) – und vor allem: zu ertragen – war1. Abgesehen davon betonte er „Altar“ immer falsch und sagte stattdessen ständig „Alter“.
„Schwester Scheck“ sang zum Abschied noch das Ave Maria, das Brautpaar bekam ein „ganz besonderes“ Geschenke von der Kirche2, die Trauzeugen lagen vor lauter innerlichem Lachen schon fast am Boden und das Brautpaar war vermählt. Alles Gute! Und jetzt weiter im Programm, Leute: ich warte auf die Kinder. Ich will schließlich Patentante werden.
Montag: Ich bin jetzt mit meiner ersten Lektion in Russisch durch. Ich kann jetzt den Plural von Substantiven im Nominativ bilden, mich vorstellen, nach dem Befinden fragen und sagen, dass hier gegenüber die Bibliothek ist. Außerdem schreibe ich recht flüssig, und das, ohne in die kyrillische Schrift noch lateinische Buchstaben zu werfen.
Und weil ich so gut Russisch kann, habe ich gestern „Брат“ geschaut. Und ab morgen nenne ich mich Olga.3

Dienstag: Ich bin ein Künstler und werde mit meinem bald fertigen Stillleben die Welt revolutionieren. Und außerdem kann ich Stillleben aus dem Kopf malen, nachdem ich feststellte, dass die Äpfel gefault sind.
Heute: Endlich habe ich mal wieder pünktlich die Kehrwoche für die Woche geschafft. Dieses Mal habe ich den Staub, den ich sonst immer unter den Teppich kehre, auch mal ordnungsgemäß entsorgt. Völlig im Putzwahn fragte die nette Oma hingegen besorgt, ob ich denn wieder ausziehe, weil ich meine komplette Wäsche wusch und auch noch so gründlich kehrte. Das erklärt natürlich auch, wieso die grimmige Oma neulich so freundlich war.
Gedenktag des Tages: Antikriegstag.
- „Und wir haben uns schon überlegt, was das Brautpaar zur Hochzeit trägt! Beim Bräutigam haben wir schon geflunkert – trägt er wohl einen Anzug in grün, oder gar lila? Aber nein, er trägt weder einen grünen noch lilanen Anzug. Er trägt natürlich einen dunklen Anzug!“ ↩
- Eine Bibel. Geil. ↩
- Oder Anna. Natascha ..! Totaler Trend! Yeah, Natascha! … Klingt irgendwie total nuttig. ↩
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Best Coast & Rostam & Kid Cudi – All Summer
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ch bin sehr stolz auf meinen sehr bunt gemischten Musikgeschmack. Und trotz meiner Schlager-Sammlung, allen Britney-Spears-Alben in digitaler Form und meinem Faible für Marsch und Polka gibt es einen Unterschied zwischen mir und denen, die tatsächlich überhaupt keinen Musikgeschmack haben: Ich weiß trotz allem, welche Musik total peinlich ist, und welche nicht.1
Es gibt auch eine gewisse Toleranzgrenze, welche Menschen man auf Grund ihres Musikgeschmacks dissen sollte, und welchen man das verzeihen darf. Wenn meine gleichaltrige beste Freundin anfängt, Rihanna zu hören, ist das peinlich, wenn meine fünfzehnjährige Cousine plötzlich voll auf Jimi Blue abfährt, gerechtfertigt. In diesem Alter kann man für seinen Musikgeschmack nichts.
Mein Keller ist der Ort der Peinlichkeiten. Dort befinden sich meine Tagebücher von 1998, alte Briefe, Fotos und meine Kuscheltiere, die nie wirklich originelle Namen bekommen haben. Allerdings gibt es nichts mehr, das mich mehr bloßstellen könnte, als mein Musikgeschmack im Teenageralter.
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- Ja, ja, definitiv!
Deswegen gibt es auch an meinem Geburtstag eine Super-Neunziger-Party.↩
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Der peinliche Sound der Jugend I: Langsames Gedudel und Schnulzen pur.
23. August 2010 um 15:54 Uhr
ch komme von meinem allerersten Junggesellinnenabschied nach Hause, und bekomme eine Mail, das mein Blog heute sechs Jahre alt geworden ist. Scheiße, meine Freundinnen, die alle jünger sind als ich, fangen an zu heiraten, ich bin nicht mal ansatzweise schwanger, vergesse aber, dass mein Blog heute Geburtstag hat. Ich weiß nicht, wo das hinführt. Vielleicht zur Torschlusspanik oder schlimmstenfalls Midlife-Crisis.
Früher hätte ich zu diesem Anlass ein neues Layout gebastelt, die Stunden und Minuten gezählt, runter bis Null. Heute erfahre ich per Mail, dass ich vielleicht einen Artikel schreiben soll, der das Jubiläum irgendwie beschreibt. Ich bin ja so offline, das ist der Wahnsinn. Hätte ich das damals vor sechs Jahren gewusst.
Heute vor sechs Jahren war ich achtzehn Jahre alt, in der elften Klasse auf dem Wirtschaftsgymnasium (oh mein Gott!) und wusste nicht, wo mich das Leben hinbringen wird. Ich erzählte Euch alles über mich, meinen damaligen Freund, meine Geschwister und das ich unglaublich gerne Zelda spielte. Ich schrieb Artikel über Themen, die ich ich heute verabscheue – diese Tagebucheinträge, was ich den Tag über gegessen hatte – und finde, dass ich unglaublich erwachsen geworden bin. In noch mal sechs Jahren lache ich darüber.
Heute vor drei Jahren war ich einundzwanzig Jahre alt, zog das erste Mal von zu Hause aus, und begann meine Ausbildung. Ich erzählte Euch alles über mich, meine Arbeit, dass wir Bier ab fünf tranken und ich das erste Mal Nike-Schuhe von meinem ersten Gehalt kaufte (was meinen Vater unglaublich stolz machte, wahrscheinlich). Ich schrieb Artikel über Themen, die ich mich heute nicht mehr getraue zu schreiben – Artikel über die Arbeit, weil nicht jeder Arbeitgeber gerne darüber liest, und weil ich darüber nachdenken muss, wer diese Artikel in Zukunft liest.
Heute, vor etwas mehr als einem halben Jahr, bekam ich mein erstes volles Gehalt, zog ich in meine erste eigene Wohnung in eine Stadt, in die ich inzwischen liebe, die ich kennen gelernt habe, als ich voller Hoffnung war, voller Verzweiflung, fröhlich, am Boden zerstört, voller Liebeskummer und letztendlich voller Liebe. Und Angst. Wenn man erst mal irgendwo ankommt, ist die Angst trotzdem da, es zu verlieren.
Heute bin ich vierungzwanzig Jahre alt, sitze hier, vor etwas, das ich vor sechs Jahren durch Zufall erschaffen habe. Ein Blog, der schon sechs Jahre von diversen Leuten mitverfolgt wird, der nicht übermäßig populär wurde, aber auch nicht zu etwas, mit dem ich mich nicht mehr identifizieren kann. Ich liebe diesen Ort – hier zu schreiben. Alles Gute zum sechsten Geburtstag, Station57.
Gedenktag des Tages: Maria Königin.
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ls vor knapp einem Jahr Laktoseintoleranz bei mir festgestellt wurde, dachte ich eigentlich nicht, dass das mein Leben wesentlich beeinflussen würde. Und wer mich kennt, weiß, dass mich so gut wie nichts wirklich aus der Fassung bringt und ich das meiste auf die leichte Schulter nehme – das mit der Laktoseintoleranz habe ich auch als typische Modekrankheit abgetan, die gerade jeder zu haben scheint. Mit der Zeit wurde ich eines besseren belehrt, und wenn ich heute was Ernst nehme, dann die Reaktionen meines Körpers.1
Ich habe inzwischen festgestellt, dass ich zwar ein, zwei Joghurtlöffel oder Stückchen Käse vertrage, aber mit übermäßigem Verzehr von Milchprodukten langsam tun sollte. Im Prinzip hat man als Laktoseintoleranz-Mensch folgende Möglichkeiten:
- Man verzichtet auf Milchprodukte. Ist auf Dauer aber nicht wirklich zu empfehlen und schränkt einen ganz schön ein.
- Man verwendet laktosefreie Produkte. Gibt es immer mehr in den Supermärkten zu kaufen, aber deckt halt noch nicht alles an Milchprodukten ab.
- Man nimmt vor laktosehaltigen Mahlzeiten Tabletten ein, die das Enzym Lactase ersetzen und den Milchzucker abbauen.
- Man isst einfach die ganze Zeit Chinesisch, yammi.
Ich habe gelernt, welche Gerichte Laktose enthalten und einen Rhythmus entwickelt, wann und wie viel ich wovon esse und vertrage. Das fängt beim Frühstück an:
Beim Frühstück lasse ich alles, das Laktose enthält, von vorne herein weg. Auf nüchternen Magen hilft nicht mal eine Tablette – ging eigentlich immer schief, so dass ich morgens beispielsweise Käse oder heiße Schokolade komplett meide. Für Butter habe ich früher Margarine als Substitut genutzt, heute gibt es die laktosefrei.
Mittags, wenn wir essen gehen oder bestellen, versuche ich Gerichte mit Käse oder Sahne zu vermeiden. Eine Tablette hilft zwar beim Verarbeiten der Laktose, leider kann man bei den Gerichten oft nicht wissen, wie viel Käse oder Sahne verkocht wurde, so dass eine Tablette oft nicht ausreicht oder man eben mehr als nötig verbraucht. Die Tabletten sind preislich ganz okay (sechzig Tabletten bei knapp siebzehn Euro bei den stärksten), müssen aber auch nicht im Unverstand verbraucht werden.
Wenn man selbst kocht, ist das Ganze wieder etwas einfacher. Ich handle es so, dass ich, falls vorhanden, laktosefreie Produkte kaufe, die mit nicht laktosefreien Produkten kombiniere (wenn nötig) und mir dafür eine Tablette einwerfe. Anfangs ist man erstaunt, in wie vielen Gerichten Milchprodukte verwendet werden, man lernt aber schnell, umzudenken. Die laktosefreien Produkte sind zwar etwas teurer und schmecken pur etwas süßer, weil die Lactase schon in Glukose und Galaktose gespalten wurde, das wirkt sich aber nicht auf das fertige Gericht am Ende aus. Schmeckt wie sonst auch.
Hier ein Satz, der ein Fazit darstellen soll.
Und morgen im Mach-das-Leben-besser-Ratgeber: Den Chinesen um die Ecke überzeugen, ohne Glutamat zu kochen.
Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Afghanistan.
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Wie isst eigentlich eine mit Laktoseintoleranz?
18. August 2010 um 17:52 Uhr